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Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg · 1938-09-15 · 18 (15.9.1938) · p. Seite 269

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
Volume
14 (Ausgabe A) (1938)
Issue
18 (15.9.1938)
Date
1938-09-15
Page
Seite 269 (sequence 3)
Language
German
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Nr.l8 Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern 269 ihrer Zukunft empor in dem „einen Bunde" der Menschheit. Das Weltgericht wird Weltversöhnung, und fn dieser erst vollendet sich die göttliche Weltregierung. Das Reich Gottes ist das höchste Gut der Religion. Und dieses höchste Gut ist der höchste Inhalt des Gebetes."' Aus Agnons Jamim Noraim Das jüngste Werk des großen hebräischen Prosaisten S. J. Agnon „Jamim Noraim" ist bereits bei seinem Erscheinen in unserem Blatte (Jahrgang 1937; Nr. 23) eingehend gewürdigt worden. Agnon hat aus einer Unmenge alter halachischer, midraschischer und agadischer Literatur eine Anthologie über die hohen Feiertage geschaffen, die ihren besonderen Wert dadurch erhält, daß er es verstanden hat, bei seinen Übertragungen in .ein modernes Hebräisch die besonderen Nuancen der einzelnen Literaturgattungen auch in der Sprache zu wahren. Vom Schriftvers ausgehend, führt Agnon über Talmud und Midrasch den Leser bis zu den letzten Dezisoren, findet für die charakteristischen Bräuche immer eine ganze Reihe prächtiger Sinngebungen und schließt Erzählungen von jüdischen Großen der alten und der jungen Vergangenheit an, die zeigen, wie lebendig und stark der Sinn dieser Tage, ihre Heiligkeit und Strenge, aber auch ihr Zauber und ihr Licht in unserem Volke empfunden werden. Die nachfolgenden Übersetzungen sollen einen kurzen Einblick in den Aufbau dieses Werke's vermitteln, das der Sehnsucht weiter jüdischer Kreise, sich gerade in diesen Tagen ihres Judeseins von innen her zu vergewissern, wie kaum sonst ein Buch entgegenkommt. Agnon ist in' diesem Werke mehr als nur der Sammler alten Geistesgutes und sein Nachdichter. Er ist Mahner und Wegweiser, der uns zeigen will, daß das schlichte Wort und der innige Gehalt unserer Tradition das einzige ist, was uns Juden aus dieser bitteren Gegenwart in eine bessere Zukunft retten kann. Aus Buch I: „Rosen Haschana" EIul. — Die Umkehr. v Da G'tt sein Volk Jisrael liebt, hat er Wohltat an uns gemehrt und uns befohlen, jederzeit umzukehren, wann auch immer wir sündigen. Obwohl also die Umkehr gut ist zu jeder Stunde, ist dennoch der Monat Elul besonders zu Umkehr ausersehen. Denn die Umkehr in diesem Monat wird wohlgefälliger aufgenommen, als in den übrigen Tagen des Jahres, da diese Tage Tage der Zuneigung sind von der Stunde an, in der wir zum Volke erwählt wurden. Als nämlich Jisrael die Sünde des Kalbes beging und die heiligen Tafeln zerbrochen wurden, da stieg Mosche ein zweites Mal auf Jen Berg Sinai, am ersten Tage des Monats Elul, um seinem Volke die Thora zu bringen, und"weilte dort bis zum Jörn Kippur, dem Abschluß der Sühne (Aus „C h a j e Ada m"). Schofar , Rabbi J'hoschua ben Karcha sagt: Vierzig Tage weilte Mosche auf dem Berg, am Tage las er die Schrift, in der Nacht erforschte er ihre Deutung; und nach vierzig Tagen empfing er die Tafeln und stieg ins Lager hinab. Am 17. Tamus zerbrach er die Tafeln, tötete die Sünder in Jisrael und weilte vierzig Tage im Lager, bis er das Kalb verbrannt, seine Asche in den Staub der Erde getreten, jeden, der das Kalb*geküßt hatte, getötet und so den Götzendienst aus Jisrael ausgerottet und jeden Stamm an seinen gebührenden Platz gestellt hatte. Und am Rosch Chodesch Elul sprach der Heilige, gelobt sei Er, zu Mosche: „Steige auf zu mir auf den Berg." Da ließ man den Schofar ertönen inv ganzen Lager, daß Mosche auf den Berg steigt, damit sie nicht wiederum dem Götzendienst nachirrten. So wurde also G'tt an diesem Tage durch jenen Schofarklang erhoben, wie es heißt (Ps. 47): „Auf stieg G'tt durch Schmefterton, der Ewige durch den Schofarklang." Und darum ordneten unsere Weisen an, daß man ins Schofar stoße am Rosch Chodesch Elul, Jahr für Jahr (Aus „Pirke Rabi ElieseU"). Darum also üben wir den Brauch, von Rosch Chodesch Elul bis zum Rüsttag von Rosch Haschana alltäglich Schofar zu blasen, allmorgendlich nach dem Gebet. Mancherorts bläst man auch nach dem Mincha-Gebet,' und noch Orte gibt es, wo man den Brauch hat, auch nach dem Abendgebet zu blasen (R'mo zu Orach Chaiim). „Mein Licht und mein Heil" Wir haben den Brauch, von Rosch Chodesch Elul bis Jörn Kip« pur alltäglich nach dem Morgen- und Abendgebet den Psalm 27 m Nimm Flügel Nimm Flügel der Morgenfrühen, Steig über Gebirg und Tal Durch Mittags ängstliches Mühen, Durch Abends rötlichen Strahl. Entfleuch, als könntest du flüchten, Entwandt, als wandle die Welt, Als stund' überm Suchen und Süchten Allnächtlich ein ander Gezelt. \ Doch ob du dir's engst, ob breitest, Hinauf und herniederwärts, .Geht jeder Weg, den du schreitest, Dir quer durchs eigene Herz. w^s^yy?y>±'^/y±sy±/y±/^/>±/y±/yv^^ zu sagen, der mit den Worten beginnt: ,,G'tt ist mein Licht und mein Heil." Denn so sagt der Midrasch: „Mein Licht" — am Rosch Häschana, dem Tage des Gerichtes, weil es heißt iPs. 63): „Er wird wie Licht Deine Gerechtigkeit aufleuchten lassen und dein Recht wie Mittagshelle", und „G'tt ist meine Hilfe" — am Joni Kippur, daß Er uns helfen möge und uns alle Schuld verzeihe. Drei Gleichnisse Einmal sagte unser Meister, Rabbi Chajim Zanser, seiu Andenken zum Segen, ein Gleichnis: Ein Mensch irrte viele Tage in einem Wald und wußte den rechten Weg nicht. Plötzlich sah er einen anderen Menschen, der ihm entgegen kam. Da erfüllte große Freude sein Herz, denn sicher würde er jetzt den rechten Weg erfahren. Als sie sich nun einander näherten, fragte er ihn: „Mein Bruder, sage mir, wo ist der rechte Weg? Ich irre schon so viele Tage umher!" Da antwortete ihm jener: „Bruder, auch ich gehe schon viele Tage irre, aber eines kann ich Dir sagen: Auf dem Weg, den ich ging, sollst Du nicht gehen, denn auf diesem Weg geh,t man irre. Und nun wollen wir einen neuen Weg suchen!" So-ist es auch mit uns, sagte der Zanser. Nur das Eine kann ich Euch sagen, der Weg, aufdem wir bis jetzt gingen, den dürfen wir nicht Weiter gehen, denn auf diesem Weg geht man irre. Laßt uns vielmehr jetzt einen neuen Weg suchen! Noch ein Gleichnis pflegte unser Meister zu sagen: Eine arme Bäuerin hatte viele Kinder. Diese verlangten Essen, aber sie hatte ihnen nichts zu geben. Einmal fand sie ein Ei. Da rief sie ihre Kinder und sprach: „Kinder. Kinder! Jetzt müssen wir uns nicht mehr sorgen, ich habe ein Ei gefunden! Und ich bin doch eine kluge Frau, ich werde das Ei nicht essen, sondern den Nachbarn hitten, es mich unter eine brütende Henne legen zu lassen, bis aus dem Ei eine Henne auskriecht. Und da ich eine kluge Frau bin, werden wir auch die Henne nicht essen, sondern sie Eier ausbrüten lassen, bis aus den Eiern Hühner werden. Und Total'AuSVerkauf infolge Auflösung Erhebliche Preisreduktion in Haarbürsten, Kämmen, Kleiderbürsten, Celluloidwaren, Taschen-, Hand-, Steh- und Raslersplegeln, Raslerapparaten und Pinseln, Nagelscheren, Feilen, Manicuren, Handbürsten, Gummi- und. Naturschwämmen, Waschlappen, Relser6llen, Schwammbeuteln, Verbandmaterial, Watte, Wärmilaschen, Katzenfellen, Einlegesohlen etc. Liköressenzen, Haushaltartikel etc. verbilligt. Restbestand Jahre lagernder Kernseife. Tausende von Artikeln — Fragen Sie nach! Drogerie u. Parfümerie Thorsch, MUllerstr. SO

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