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Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg · 1938-09-15 · 18 (15.9.1938) · p. Seite 268

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
Volume
14 (Ausgabe A) (1938)
Issue
18 (15.9.1938)
Date
1938-09-15
Page
Seite 268 (sequence 2)
Language
German
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Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern Mr. 18 \* Jüdischer Kulturbund in Bayern Orfsverein München A N Beginn der Veranstaltungen Der Jüdische Kulturbund tritt in diesen Wochen wieder an die Gemeinde-Mitglieder heran. Das Programm für 1938/39 sieht neben den regelmäßigen monatlichen Veranstaltungen musikalischer, literarischer und unterhaltender Art ein Gastspiel des Hamburger Kulturbund-Theaters und Vorführungen jüdischer Tonfilme vor. Die Darbietungen werden in der Regel im Jtus-Saal stattfinden. . Der Appell, vollzählig und ohne Rücksicht auf augenblickliche Lust oder Unlust dem Kulturbund wieder beizutreten, kann nicht eindringlich genug an jedermann aus unsere"™ Kreis gerichtet werden. Insbesondere dürfen „andere Sorgen", die uns alle bedrängen, dem Wiederbeitritt und dem Eintreten neuer Mitglieder nicht im Wege stehen. Auch Auswanderungsabsichten und-Vorbereitungen sollte keinen Grund abgeben sich fernzuhalten. Nicht nur das Empfinden der Solidarität und der Gedanke an die Zurückbleibenden verpflichtet zur Mitgliedschaft. Wie kann ein Gebilde wie der Kulturbund weiterexistieren, jüdischen, Künstlern und Vortragenden eine Betätigungsmöglichkeit geben, Hunderten unter uns Ablenkung imd Kunstgenuß bieten, Gemeindemitgliedern, die nicht mehr leistungsfähig sind, den beitragsfreien Zutritt gewähren, wenn nicht alle Gemeindemitglieder einmütig wieder in selbstverständlicher Selbstverpflichtung dem Kulturbund ihren Beitrag zur Verfügung stellen? Das mühevoll zusammengestellte Programm, das in den Einzelheiten in diesen Tagen bekannt gegeben wird, erfüllt auch höhere Ansprüche an Erholung und Belehrung. Es wird daher auch von dieser Stelle d r i n g e n d g e b e t e n , dem W e r b e s c h r e i b e n Ende September Aufmerksamkeit zu schenken und so zahlreich wie möglich dem Kulturbund beizutreten. Am 28. September wird die Kulturbundkasse eröffnet, die sich vorerst noch wie bisher im Gememdegebäu(je Herzog-Max- Straße 7/o befinden wird. Die Mitglieder wollen dort ihre neuen Mitgliedskarten abholen, Paßbilder mitbringen (und Aufnahmeanträge für Abwechsler stellen. Neueintretende wollen sich dort persönlich zur Anmeldung einfinden. Alle Einzelheiten sind in dem Rundschreiben enthalten, das Ende September hinausgehen wird. '; ...' tisch mit dem Begriffe Gottes, als der Bürgschaft für die Realisierung der Sittlichkeit auf Erden. Die Weltregierung ist die Zwecksetzung und Zweckerfüllung der Welt in ihrer doppelten Bedeutung, als Natur und als Menschenwelt. Die Weltregierung, als Zwecksetzung und Zweckerfüllung der Welt. Sie ist der Sinn und Inhalt des Monotheismus. Daher schließt dieses Gebetsstück mit dem „Höre Isiael." Und vorher wird die Ewigkeit Gottes ausgesprochen: „Ich bin der erste und ich bin der letzte, und außer mir ist kein Gott" (Jes. 44;6). Ebenso wird in der sich anschließenden Benediktion die Herrschaft Gottes über die ganze Erde, „über alle Bewohner der Welt, als deiner Erde" angerufen. Und alle Wesen werden erkennen, daß sie von Gott geschaffen sind. Das Gottesreich ist die Schöpfung und die Vorsehung, das ist die Regierung Gottes. Als solcher Weltregierer ist er „der Gott der Wahrheit". Und er ist gepriesen als „König über die ganze Erde". Die Weltregierung ist die sittliche Weltordnung. Wenn anders Sittlichkeit und Natur methodisch verschieden sind, so muß die Weltordnung als sittliche, in Weltregierung bestehen. Darin begründet sich die Differenz zwischen dem Monotheismus und dem Pantheismus. Die sittliche Weltordnung des Gottesreiches, als des Weltreiches, erfordert das Weltgericht. Wir wissen, wie der Mythos von diesem Gedanken beherrscht wird. Er gibt dem Weltgerichte die Folge des Weltuntergangs, aus dem höchstens eine Welterneuerung und ein Wechsel zwischen ihr und dem Untergang hervorgehen kann. Die Weltregierung muß den Untergang ausschalten. Schon mit Noah hat Gott den Bund geschlossen gegen eine Wiederholung der Sintflut. Und zum Zeichen dieses Bundes, zum Gedächtnis dieses Bundes ist der Bogen am Himmelszelte eingesetzt. So wird nun das Neujahr als Fest der Schöpfung zum „Tage des Gedenkens". Die Sichronot beschreiben nun in dem Gedenken die AllwissenheirGottes. „Alles ist offenbar und bekannt vor dir, Ewiger, unser Gott, der da späht und blickt bis zum Ende aller Geschlechter." Und 'das Gedenken wird nunmehr zum Weltgericht. Das Gericht geht nicht allein auf die Werke der Menschen, sondern auch auf „des Mensehen Gedanken und seine Anschläge und die Triebe der Taten der Menschen". Aber jetzt steigt das Andenken Noahs hervor, und mit ihm verknüpft sich das Andenken an den Bund mit Abraham, Isaak und Jakob. Und endlich spricht der Prophet sein inniger, gewordenes: „Ich gedenke dir die Huld deiner Jugend, die Liebe deiner Brautschaft, da du mir nachzogest in die Wüste" (Jer. 2; 2). „Und ich errichte dir einen ewigen Bund" (Jech. 16; 60). So wird unversehens aus dem Weltgerichte das Welt«edächtnis an den Weltbund, den Gott vielfach mit seiner Welt geschlossen hat. Der Weltenrichter wird selbst Partei als Bundespartner mit dem Menschen. Der Weltenrichter wird der Bundesgenosse des Menschen. Das sich anschließende Gebet hebt den wichtigen Akt in der Patriarchengeschichte hervor, durch welchen das Menschenopfer abgeschafft wurde. Diese Abwälzung des heidnischen Opfers bildet das Scheingebot der Opferung Isaaks. Opferung ist für diesen Akt nicht der gebräuchliche Name geworden, sondern Bindung (Akeda). „Als Abraham unser Vater, seinen Sohn Isaak auf dem Altare band, da hatte er seine Vaterliebe bezwungen, deinen Willen zu tun in vollkommenen Herzen." Dieser Namensgebrauch ist bedeutungsvoll: nicht die Opferung nur die Bindung Isaaks heißt diese Episode in der Geschichte der Patriarchen, in der Geschichte des Opfers. Und so schließt dieses Gebetsstück für das Weltgericht mit dem Gedächtnis an die Bindung Isaaks, welche die Wechselwirkung bezeugt in der Liebe Abrahams zu Gott und irr der Liebe Gottes zu ihm und seinen Nachkommen. So wird der Mythos vom Weltgericht eindeutig zum Gericht des Menschen durch die Liebe Gottes. Das Schofar ist das allgemeine Musikinstrument bei jeder Feier, auch beim Neumond. Aber auch bei der Offenbarung am Sinai erscholl unter Donner und Blitz gleichfalls die Stimme des Schofar. Es wird daher auch zum ersten Instrument im. Halleluia der Psalmen. Und es wird daher auch zum Horn des Messias. - Das Neujahr Je iert nicht mir die Weltregierung und das Weltgericht, sondern auch die messhrrtrsche Welterlösung. Das Scholar ist das Symbol des Messias. Daher heißen die Gebetsstücke, welche die Welterlösung enthalten, Schofarot; Und als Posaune der Welterlösung, verwandelt sie den Schrekken ihres Tones in Freude, in ewige Freude, in Freude der Ewigkeit. Diese messianischen Gebete bilden den Höhepunkt de? jüdischen Gebetes. In ihnen löst sich das Gebet von allen Schranken des nationalen Partikularismus, von allen des Individualismus los. Das Individuum enthebt sich seiner natürlichen .und seiner empirischen Individualität, aber auch die Gemeinde schwingt sich hinaus über ihre empirische Wirklichkeit und zu ihrer Aufgabe, zu

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