Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Volume
- 14 (Ausgabe A) (1938)
- Issue
- 17 (1.9.1938)
- Date
- 1938-09-01
- Page
- Seite 254 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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254 _Jüdische» Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern Nr. 17 TotaUAusverkauf Ich bitte um liebenswürdigen Besuch! Ich erlaube mir höflichst mitzuteilen, daß ich infolge Auswanderung meine Firma liquidiere und sämtliche Modelle Kostüme, Kleider, Mäntel Pelze, Felle sowie Stoffe: Wolle, Seide, Samte, Brokate usw. billigst abgebe. Adolf Rothschild Mönchen, Briennerstraße 52 eine Festlegung in der einen oder der anderen Richtung erfolgte. Die gleichmäßig starke Betonung der praktischen Ausbildung neben einem vollen Schulunterricht stellt eine grundsätzliche Neuerung in der Erziehungsarbeit dar. Durch sie unterscheidet sich \ astraby am stärksten von anderen jüdischen Schulen und ebenfalls von anderen jüdischen Heimen seiner Art. Die gleichmäßige Vcrtci- ' lung der theoretischen und praktischen Arbeitsgegenstände im Unterrichtsplan gibt die Gewähr dafür, daß die Schüler des Heims eine für ihre weitere Zukunft tragfähige Ausbildungsgrundlage erhalten, auf der sie weiterbauen können, wohin ihr Weg sie auch später führen wird. Die Atmosphäre des Heims ist wesensmäßig jüdisch bestimmt. Die jüdischen Fächer — jüdische Geschichte, Hebräisch. Tenach, Judentums- und Gegenwartskunde — bilden als gesinnungsmäßige Kernfächer die Grundlage des gesamten Unterrichts. Jüdische Tradition und jüdische Renaissance der Gegenwart werden als gleichberechtigte ßildungs- und Erlebnismächte in den Mittelpunkt des Heimlebens gestellt, ohne Festlegung auf spezielle jüdische Parteirichtungen. An den jüdischen Feiertagen, die Höhepunkte des Gemeinschaftslebens darstellen, durch Freitagabend und Schabbat — der selbstverständlich Unterrichts- und arbeitsfrei ist — werden den Kindern die kulturellen und religiösen Werte der jüdischen Vergangenheit in traditionellem Rahmen lebendig nahegebracht. Mit dem Aufbau Palästinas sind die Heimsassen daran palästinakundlichen Unterricht, Oneg, K.K.L. Kasse und zionistische Gruppe gleichermaßen eng verbunden. In der „Schulgemeinde", die alle Heimbewohner zu gleichsamen Beratungen zusammenfaßt, in den Kameradschaftsgruppen und Arbeitsgemeinschaften herrscht ein intensives Gemeinschaftsleben, das auch in gemeinsamen Sportveranstaltungen, Wanderungen und Theateraufführungen zum Ausdruck kommt. Die Schüler geben eine von ihnen selbst redigierte und gedruckte Heimzeitung heraus, die in anschaulicher Weise von dem Leben dieser kleinen jüdischen Gemeinschaftszelle Zeugnis ablegen soll. Wegen Geschäftsübergabe nur noch bis 1. Oktober Moderna Couchesiofte, badruckt« Leinen und Cretonne, Tischdecken, Kissenplatten, Matratzendrelle, Qualitätswaren preiswert M. 6 L. Bach Buttermelcherstrafje 1 / Fernsprecher 27559 SCHUHHAUS M. FLEISCHMANN MÖNCHEN, THEATINERSTRASSE 17 Sp.iialilö»: »ALLY-SCHUHE Neue Dokumente zur Geschichte des modernen jüdischen Schulwesens in Bayern und München Auf der Suche nach Zeugnissen zur Geschichte der Judenemanzipation in Bayern fand Hans Lamm (früher München) zwei vergessene, in den bisherigen Darstellungen unbeachtete Dokumente. Das erste ist ein Aufsatz aus dem Jahr 1808 aus dem „Münchener Intelligenzblatt" (Seite 583) mit dem Titel „Ein Beitrag zur Aufklärungsgeschichte der Juden in Baiern". Das zweite Dokument ist die in dem Artikel des gleichen Blattes erwähnte Einladung zur ersten öffentlichen Prüfung der jüdischen Elementarschule in München am 26. August 1808. Die Einladung enthält ein Schülerverzeichnis und einen Unterrichtsplan. Schülerliste und Lehrplan sind für die jüdische Erziehungs- und Familiengeschichte wertvoll und bisher nicht ausgewertet. Dem Wortlaut der beiden gedruckten Schriftstücke von 130 Jahren fügen wir einige Bemerkungen und Iiteruarische Hinweise von Hans Lamm bei. Die jüd. Elementarschule von München besuchte damals der im 7. Lebensjahr stehende Enkel des Gemeindevorstandes der jungen jüdischen Gemeinde von München Abraham Uhlfelder, der später getaufte unter dem Namen Friedrich Julius Stahl bekannte Rechtsphilosoph und hochkonservative Politiker. Die Folgen, welche die „Öffnung von Bildung und Kultur" für die Juden zu Anfang des 19. Jahrhunderts hatte, sind oft von den entgegengesetzten Seiten dargestellt und beurteilt worden. Die beiden folgenden Stücke spiegeln die großen Hoffnungen wieder, die man in die moderne Bildung von allen Seiten in jener Zeit setzte. 1. Der Artikel des Intelttgenzblattes von 1808: „ Ein Beitrag zur Aufklärüngsgeschlchte der Juden in Baiern" Wenn ein Geschlecht, welches bisher die Bildung und Kultur seiner Jugend vom gemeinen Stande fast ganz vernachlässigt hat, aus dem Schlafe erwacht, und die Schulanstalten zu verbessern anfängt, so muß dieses dem ganzen Vaterlande höchst erfreulich werden. Wirklich liegt ein Schriftchen vor uns, das wir mit Vergnügen anzeigen, weil es zur Theilnahme an der Freude des Väterlandes laut genug auffordert. Dieses Schriftchen, kaum einen Bogen stark, aber uns 'wichtiger als viele Folianten der Vorwelt, führt den Titel: .Einladung zur ersten öffentlichen Prüfung der jüdischen Elementarschule zu München, gehalten den 26. August 1808 von M. Farnbacher und N. Zirndorfer, und es sagt uns a) daß schon seit fünf viertel Jahren eine verbesserte Judenschule zu München bestehe, worin die hiesige Jugend sowohl im Hebräischen als in deutschen Elementar-Gegenständen unterrichtet wird, b) daß obige genannte zwei jüdische Schullehrer, angefeuert von dem innigsten Wunsche der den Mangel guier Schulanstalten fühlenden Eltern, und aufgemuntert durch das Zureden und die willigen Handbietungen einiger Hausväter sich entschlossen haben die hiesige jüdische Jugend gemeinschaftlich zu unterrichten, und . die hebräischen mit den deutschen Gegenständen so eng als möglich zu verbinden und daß sie in dieser Hinsicht, hinwegblickend über viele