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Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg · 1938-09-01 · 17 (1.9.1938) · p. Seite 253

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
Volume
14 (Ausgabe A) (1938)
Issue
17 (1.9.1938)
Date
1938-09-01
Page
Seite 253 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 17 Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern 253 bedeutendste und lustigste dieser Satiren' gilt der Lieblingsanschauung der Chassidim, der Seelenwanderung, „Gilgul Hanefesch" ist sie benannt. Der „Späher", wie sich Erter nannte, erzählte darin die Geschichte von den Verwandlungen einer Seele, deren Körper der Krankheit und dem Arzte zum Opfer gefallen ist. Im Ienseits trifft sie ihn und erzählt ihm ihre einzelnen Verwandlungen: einmal war sie Chassid. der Branntwein wie Wasser trinkt, seine Frau verläßt und zum Rebbe pilgert; dann mußte sie zum..., Frosche werden und durfte nur Wasser trinken; darauf aber durfte sie ein... Chasan werden, weil ihr aus früherem Leben eine schöne Stimme verblieben war. Alle diese Wandlungen führen zu vielfachen Erörterungen über das Leben im ostjüdischen Städtchen, wir sehen die Chassidim und dieteinfachen Leute, die für Weib und Kind selbst sorgen, während die Frommen diese Sorge ihren Frauen überlassen... wir hören aber auch von den Ärzten, die mit wohlgepuderter Perrücke und goldnem Stocke den Patienten das Geld aus der Tasche locken. Alle diese Schriften erschienen unter dem Namen des „Spähers für das Haus Israel Ski»'n>aS rtcnn Unter diesem Namen ist Erter berühmt geworden. Denn dieser Späher hatte neben seinen satirischen auch sehr ernsthafte Ziele, die manches von unsern heutigen Notwendigkeiten schon voraus nehmen... nur daß damals Niemand darauf merkte... Das Leben im Kauf und Verkauf, im Laden und Schacher will er beiseite werfen: zu dem alten Leben der Väter im Freien will er. sein Volk zurückführen.-Noch dachte man nicht an Palästina als an ein Land, in dem man leben und arbeiten könnte. Noch langehin erschien das Heilige Land dem Frommen nur als ein Land, in dem man nach Gottes Willen an der Klagemauer sich im Gebet hinwerfen — ein Land, in dem der Tod verdienstlich und erstrebenswert war. Noch war die Zeit nicht reif für die Pläne, die ein Leben der Arbeit im Heiligen Lande als den eigentlichen Kiddusch-Haschem erstreben sollte. Schon jetzt aber sah ein scharfblickender Mann und ein warmfühlender Jude wie Erter ein, von welchem unschätzbaren Einfluß auf die verschüttete Seele seines Volkes die Rückkehr zum einfachen Leben des Ackerbauers sein würde; in seiner nächsten Nähe, in Galizien selbst, wollte er eine Siedlung errichten, wo die einstigen Händler wieder das Leben der Bauern führen sollten — wie einst ihre Väter es führten. Nicht vielen wird so gut, daß ihre fruchtbarsten Gedanken noch zu Lebzeiten zur Ernte gelangen. Auch Erter war schon lange hingeschieden, als Baron Hirsch und seine Berater diesen Plan aufgriffen und zur Reife brachten. Wir Heutigen aber müssen diesem lange zu Unrecht vergessenen Mannefür zwei Gaben dankbar sein: einmal für die Belebung unserer alten heiligen Sprache, die er in seinen glänzenden Satiren meisterhaft handhabte... zu einer Zeit, da es noch als Schuld galt sie anders zu brauchen als zum Gebete; und dann für die Saat, die sein Gedanke ausstreute, bis sie in unseren Tagen zum Reifen gelangte: die Rückführung eines vertriebenen uralten Volkes zum Ackerboden, der Kraftquelle seiner Väter. BerthaBadt-Strauss. Eine jüdische Ausbild ungssfätle in Schweden Manfred Sturmann: Die für unsere jüdische Jugend immer dringender werdende Notwendigkeit, sich für eine Auswanderung nach Palästina oder den überseeischen Ländern vorzubereiten, läßt viele Eltern gerade jetzt wieder Ausschau nach einer geeigneten Ausbitöungsstätte für ihre Kinder halten. In diesem Zusammenhang möchten wir auf das jüdische Landschulheim Västraby (Löberöd . in Südschweden) hinweisen, das vielen Eltern vielleicht noch nicht genügend bekannt ist. Das Landschulheim Västraby (1934 gegründet) liegt im südlichsten Teil Schwedens, in der Provinz Schonen, nicht weit von der schönen, alten Universitätsstadt Lund, ungefähr 80 km von der -Küste entfernt. Es ist von Berlin aus in direkter Verbindung in einer Eisenbahnfahrt von acht Standen zu erreichen. Das Heim Ist in einem großen, modern eingerichteten Herrenhaus untergebracht, das von einer kleinen Anhöhe aus weit ins Land hinausschaut. Es ist umgeben von einem weiten, schön angelegten Park mit anschließendem Obst- und Gemüsegarten. Zum Heimgirundstück gehören weiterhin noch Gartenländereien, Kartoffelacker und ein Sportplatz. Die geschlossene, einheitliche Anlage des Hauses inmitten der hohen, alten Laub- und Obstbäume und grünen Gartenländereien bietet ein Bild ländlicher Ruhe und Abgeschiedenheit. Vom Haus aus überblickt man die weite, fruchtbare Ebene Scho- Heimweh Mählich werden die Schallen lang, Siehe, der Abend naht, Immer leiser wird unter Gesang, Immer dünner wird untere Saal. Wir aber dürfen nichttchlummern noch ruhn, Weit zieht der Weg vor uns her. hl et vergeblich, wat wir noch tun? Alle Ströme wollen zum Meer — Wullen herab von dem tteinigen Karst In den harrenden Schoß det Talt. Jugend der Ströme — Feit, der zerbartl. Schwindende Spuren det Feuermalt! Alle Stürme trieben uns fort. Jeder war nur ein wartender (latl. Jeder trag wieder die nutzlose Last.. Herr, wir weinen nach einem II ort, (iönne uns Heimat und Hast! ■/^/^/^/^/^/^/^/^/^/^/^. ^/^/^,/^/^/^/^/^/>wi nens bis zum 4 km entfernten Ringsee, einem der schönsten und größten Seen Südschwedens und einem hinter ihm sich erhebenden, dichtbewaldeten Höhenrücken, der den Horizont abschließt. In dieser schönen Umgebung, unter einem milden, gesunden Klima, erhalten die im Heim untergebrachten jüdischen Jungen und Mädel (hauptsächlich im Alter zwischen 10 und 16 Jahren) eine Ausbildung, die auf die heutigen Bedürfnisse der jüdischen Jugend besonders stark Rücksicht nimmt. Unter den theoretischen Schulfächern stehen die für die Auswanderung heute wichtigsten Fremdsprachen an erster Stelle. Hebräisch und Englisch werden als Pflichtfächer besonders intensiv gepflegt. Daneben werden Französisch, Spanisch, Italienisch und Schwedisch nach Bedarf fakultativ unterrichtet. Weitere theoretische Fächer des Lehrplans sind: Deutsch, jüdische und allgemeine Geschichte, Mathematik, Physik, Chemie, Biologie. Botanik, Werklehre. kaufmännisches Rechnen, Stenographie und Sport. Dem theoretischen Schulunterricht völlig gleichgestellt ist die Anleitung zu praktischer Arbeit. Sie findet innerhalb des normalen Lehr- und Stundenplans statt und stellt mit den Sprachen zusammen den Hauptunterrichtsgegenstand dar. Die praktische Ausbildung umfaßt für die Jungen Gartenbau und Tischlerei, für die Mädel Gartenbau, Nähen und Hauswirtschaft. Die älteren Schüler und Schülerinnen arbeiten täglich den ganzen Vormittag in den verschiedenen praktischen Ausbildungszweigen und werden, ähnlich wie' in den Ausbildungsstätten der Jugendalijah und Mittlerenhachscharah. nachmittags in den theoretischen Srhnlfärhern 10 bis 14jährigen unterrichtet. Bei den Jüngeren — 10 bis 14jährigen — liegt, wie üblich, der theoretische Unterricht am Vormittag und der praktische am Nachmittag. Auch bei ihnen jedoch ist-die Anzahl der Stunden für die praktische Arbeit gegenüber den gewöhnlichen Schulen stark vermehrt. Diese sehr intensive handwerkliche und gärtnerische Ausbildung besonders der Älteren (14—16 Jahre) hat den Charakter einer Berufsvorlehre. Innerhalb dieser Zweige wird die Eignung der Schüler für einen praktischen Beruf geprüft und entwickelt und der späteren Berufswahl vorgearbeitet, ohne daß Für den An- und Verkauf von Immobilien und Geschäften ferner für Hausverwaltungen empfiehlt sich die Firma S. Ackermann, Ritter von Epp-Platz 9 Telefon Nr. 12502, 12587, 13394 Erste Referenzen 1 Jegliche Bank-Garantlei

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