Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Volume
- 14 (Ausgabe A) (1938)
- Issue
- 16 (15.8.1938)
- Date
- 1938-08-15
- Page
- Seite 241 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 16 Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern 241 USA als Einwanderungsland Zu der neuen Ausgabe des Korrespondenzblatts des Hllisverelns über Amerika, Cuba und die Philippinen. In dem neuen Heft des „Hilfsverein$" werden in erster Linie die mit der Auswanderung nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika zusammenhängenden Verhältnisse behandelt. Man darf sagen, daß diese Amerika-Ausgabe die bisherigen sehr verdienstlichen Hefte über Auswanderung nach Südamerika, Australien und in andere Länder an Reichhaltigkeit der Auskünfte und anschaulicher Übersicht des weitschichtigen Stoffes noch übertrifft^Wer sich mit dem Gedanken der Auswanderung nach USA trägt, schadet sich selbst, wenn er sich nicht gründlichst mit dem Inhalt dieser reichen Sammlung an Erfahrungen, an unentbehrlichem Wissensstoff über alle einschlägigen Auswanderungsfragen bekannt macht. Auch wer bereits gute Kenntnisse über die Verhältnisse drüben hat. tut gut daran, das Heft zu studieren. Es ist um RM. 1.50 in den jüdischen Buchhandlungen oder direkt beim ..Hilfsverein der Juden in Deutschland" (Berlin W 35. Ludendorffstr 20) bzw. hei seinen Ortsstellen zu beziehen. Es kommt im rechten Augenblick, denn gerade jetzt ist im Gefolge der Konferenz von Evian. in London unter Leitung eines Washingtoner Sachkundigen, des Rechtsanwalts Georges Rublee, ein Wanderungsbüro errichtet worden, das unter Mitwirkung von 32 Staaten die Uidische Auswanderung aus Deutschland, namentlich die nach Amerika, planmäßiger gestalten soll. Die zahlreichen zu beachtenden Voraussetzungen für eine Auswanderungsmöglichkeit nach USA kann jeder für sich leichter beurteilen, wenn er den Inhalt des neuen vielseitigen Korrespondenzblattes studiert hat: dieses Studium ersetzt viele Gänge und Unterhaltungen. Die große Bedeutung" der neuen ausgezeichneten und systematischen Informationen des Hilfsvereins liegt darin, daß hier irrige Vorstellungen, die vor allem durch die Verallgemeinerung Her New Yorker Verhältnisse entstanden sind, korrigiert werden. Man gewinnt einen Eindruck über die wirkliche Weite und Mannigfaltigkeit des Landes und wird vor der Kurzsichtickeit geheilt, nach New York Amerika zu beurteilen und seine Erkundigungen nicht über diese Stadt hinaus auszudehnen. Die unvergleichliche Bedeutung von USA für unsere Auswanderung hat sich in den letzten Monaten gesteigert. Durch die tausendfachen persönlichen Beziehungen, "die heute zwischen den Juden in Deutschland und den Vereinigten Staaten hergestellt sind, besteht ein ziemlich verbreitetes Wissen um das große Land und seine verschiedenen Gebiete Aber noch nicht genügend eingeschärft sind die ungeheuren Unterschiede, die in klimatischer, wirtschaftlicher, kultureller und politischer Hinsicht zwischen den Landesteilen, bestehen. Die künftige, heute nicht ungünstig erscheinende Unterbringung und wirtschaftliche Einordnung der Einwanderer aus Deutschland hängt davon ab. ob es gelingt, die bisherige Zusammenballung in den wenigen Großstädten zu vermelden und zu einer gleichmäßigen Verteilung über das riesige Wirtschaftsgebiet zu kommen. Der Leser erfährt in den Informationsblättern äußernden genauen gesetzlichen ülnwanderungsbestimmungen besonders viel ■ über die Berufsaussichten und die Lebensbedingungen in den Staaten. Ein ausgedehnter Briefteil enthält die Urteile und Erfahrungen vieler urteilsfähiger und erfahrener Einwanderer. Sehr wertvoll ist die neue Veröffentlichung durch die guten Übersichten über das Land (Klima und sonstige Naturgegebenheiten), ferner über Kultur, Verfassung und Verwaltung, über Lebenshaltung. Haushaltsführung. Lohn- und Gehaltsverhältnisse, besonders über das jüdische Leben. Die Verhältnisse in Cuha und auf den Philippinen werden in einem Anhang behandelt. Dr. Arthur Prinz hat als Redakteur des außerordentlich bunten Stoffes Ausgezeichnetes geleistet-Em gut gearbeitetes Literaturverzeichms-gibt die Hinweise auf nähere Informationsquellen. Man geht ja. in ein fremdes Land nicht nur. nachdem man'sich ein Affidavit verschafft und sich erkundigt hat, wie viel der Salat dort kostet. Je besser man sich in der Sprache und Landeskunde im weitesten Sinn vorbereitet hat. desto günstiger sind die Aussichten, daß man nicht enttäuscht wird. Es gibt keinen besseren Behelf dafür, als die nützliche und wertvolle Arbeit des Hilfsvereins. F. E. & O. MERZBACHER früher Riiter-v.-Epp-PI. 6 jetzt: Leopoldstrafje 52-0 Kein Laden! Entsprechende Preise! \ Wege und Bedingungen der geistigen Einordnung in den Vereinig*. Staaten v. Nordamerika Dem neuen, in diesen Blättern empfohlenen Korrespondenzblatt des Hilfsvereins der Juden in Deutschland entnehmen wir im Auszug den folgenden Aufsatz über eine der wichtigsten Seiten der uns alle beschäf' tigenden Probleme der Auswanderung nach Amerika: Es wird wohl jeden über die unmittelbaren Notwendigkeiten des Tages hinaus denkenden Menschen, der nach . den Vereinigten Staaten auswandert, dazu drängen, sich auch vom Geist seiner neuen Heimat ein Bild zu machen. Sich auf ihn vorzubereiten, geben wir in Folgendem Ausführungen wieder, die wir im wesentlichen einem aus Deutschland stammenden und seit etwa vier Jahren in Kalifornien tätigen Universitätsprofessor verdanken. Der Verfasser betont mit allem Nachdruck, daß er eigentlich nur die amerikanische Westküste genauer kenne, und zwar auch diese nur insoweit, als sie unter dem Einfluß San Franziskos stehe: ..Ich würde es schon nicht wagen. Uber Menschen und Dinge in Los Angeles ohne sehr starke Einschränkung zu sprechen, denn die Atmosphäre in''dieser rapide gewachsenen Stadt, mit der verglichen auch das absolut noch sehr junge San Franzisko traditionell gebunden, ausgeglichen und stabil erscheint, ist trotz aller regen Beziehungen zwischen den beiden* kalifornischen Großstädten hier nur in Ausläufern spürbar." Dennoch glaubt der Verfasser, dem seine berufliche Schulung als Soziologe besonders zugute kommt, gerade von Kalifornien aus noch am ehesten ein Urteil über gewisse Grundtatsachen des amerikanischen Lehens gewinnen zu können. Und wir geben seine Ansichten trotz ihrer stellenweise unverkennbar subjektiven Färbung fast unverändert wieder, weil sie zumindest An-' I haltspunkte und Anregungen für den Einwanderer, bieten. Demjenigen, der sjch tiefer in die Frage dts amerikanischen Geistes lind Kulturlebens versenken will, weist der Llteraturanhang die Wege: insbesondere möchten wir an dieser Stelle auf das meisterhafte Werk von Andre Siegfried über die Vereinigten Staaten aufmerksam machen. Ich habe nun vier Jahre an einer amerikanischen Universität gelehrt und dabei jedes Semester Hunderte von Studenten gesehen und mit ihnen gesprochen; ich bin mit vielen Dutzenden REISEGEPÄCK ■ ~ »' * ** i__■ .__ i Große Auswahl in Koffer aus Leder, Vulkanfiber, Autoduck etc. in allen Arten. *■ , _^_ BAHN- UND SCHRANKKOFFER Aktenmappen, Necesaires, Kleinlederwaren etc. Spezialität: DAMENTASCHEN von der billigsten bis zur elegantesten Ausführung. Modern« Lederwaren Inh. SALLY KLAU München, Bayerstr. 13, gegenüber d. Schützen-Apotheke. Tel. 54842