Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Volume
- 14 (Ausgabe A) (1938)
- Issue
- 16 (15.8.1938)
- Date
- 1938-08-15
- Page
- Seite 239 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16 Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern 239 gender Auswanderer auch die Auswanderune minder- und unbemittelter Familien ermöglicht und gefördert werden kann. Schließlich wurde die Notwendigkeit sofortiger Ausarbeitung eines Auswanderungsplans und der beschleunigten Durchfuhrung aller einzelnen Maßnahmen zur Verstärkung der Auswanderung mit besonderem Nachdruck betont. Die Delegation der Reichsvertretung hat diese Grundlagen für den erforderlichen Auswanderungsplan in einem mit statistischen Beilagen versehenen Memorandum zusammengefaßt, das der Konferenzleitung, einer Reihe von Regierungsdelegationen, sowie den großen jüdischen Hilfsorganisationen des Auslands (Council for German Jewry. Ica, Joint und Jewish Agency for Palestine) überreicht und dessen Inhalt in eingehenden mündlichen Darlegungen ergänzt wurde. Mit den Vertretern der Israelitischen Kultusgemeinde Wien konnte zuvor festgestellt werden, daß man in der Beurteilung der Aufgabe vollständig übereinstimme und daß diese Ubereinstimmung auch bei den Besprechungen zum Ausdruck gebracht werden solle. Besonders förderlich waren die Unterredungen mit den Vertretern der nordamerikanischen, der britischen und der franzö-- sischen Regierung, den Herren Myron Taylor, Lord" Winterton und Senator Berenger, sowie mit den Regierungsvertretern südamerikanischer Staaten. Dabei wurde die — inzwischen mit dem Silz in London erfolgte — Gründuni eines ständigen Ausschusses mit einem eigenen Büro in Aussicht gestellt, dessen Leiter mit den Regierungen der Ein- und Auswanderungsländer in Verbindung zu treten haben würde, um die praktische Arbeit, die auf der^Konferenz selbst nicht zu leisten war, zu sichern. Von Nordamerika wurde die Gewährleistung der vollständigen Ausnutzung der Einwanderungsquote von über 27 000 Menschen im Jahr in Aussicht gestellt. Weitere konkrete Einwanderungs-Möglichkeiten wurden mit den Regierungsvertretern von England. Frankreich und verschiedenen südamerikanischen Staaten erörtert. Von fast allen Seiten wurde darauf hingewiesen, wie wertvoll für Einwanderung und Einordnung landwirtschaftliche Berufstätigkeit sei. wobei das englische Kabinettsmitglied Lord Winterton die Leistungen der jüdischen Landwirte in Palästina warm anerkannte. Die gegenwärtigen Einschränkungen der Einwanderung nach Palästina seien auf die politische Lage zurückzuführen. Im Herbst, nach Vorliegen des Berichts der Teilungskommission, werde man' sich über die Aufhebung dieser Einschränkungen .schlüssig machen können. Jedenfalls halte England an der Balfour-Deklaration fest. Zur Erörterung von Massensiedlungsprojekten kam es nicht. Die Schwierigkeiten, die allgemein in derstarken Arbeitslosigkeit in aller Welt und in dem Problem des Verhältnisses zwischen der Eingeborenen-Bevölkerung und der weißen Einwanderung in den Kolonien liegen, wurden nicht verhehlt. Es war aber nicht zu verkennen, daß die Aussichten, bald zu praktischen Ergebnissen zu kommen, im Laufe der Konferenz immer günstiger beurteilt wurden. Die Reichsvertretung und die Wanderungsorganisationen gewannen, den Eindruck, daß sie mit "dem bisherigen System der Förderung der Auswanderung und Auswanderungsvorbereitung auf dem richtigen Wege sind. Sie dürfen hoffen' daß die Tätigkeit, des aus der Konferenz von Evian hervorgegangenen Ausschusses eine Intensivierung dieser Arbeit ermöglichen und zur Verstärkung und Beschleunigung des Auswanderungs-Prozesses führen wird. » * *\ Reichsverband der Juden In Deutschland Die innerjüdische Anstrengung der Juden in Deutschland zur Herbeiführung einer geeinten und zweckmäßig organisiorton Gemeinschaft hat unter den eben geschilderten Ereignissen nicht geruht und am 27. Juli zu einer Gesamtorganisation geführt. Es ist die verarmende und geschwächte, in Liquidation befindliche, aber innerlich ungebrochene Judenheit ohne die Rechte der öffentlichen Körperschaft unter privatem Vereinsrecht, die sich zur Gründung des Reichsverbandes der Joden in Deutschland e. V( zusammengefunden hat. In Kürze .— nach der Eintragung in das Vereinsregister und nach Aufnahme entsprechender Bestimmungen in die Satzungen der Einzelgemeinden —>wird dieser Reiehsverband, dem jede jüdische Gemeinde angehört, die alleinige einheitliche Vertretung aller Juden in Deutschland sein. Der schwierige geschichtliche Prozeß der Verpflanzung aller auswanderungsfähigen Juden aus Deutschland hat schließlich auch diese Zusammenfassung im Gefolge gehabt. Die Selbständigkeit der Gemeinden für ihre Angelegenheiten ist gewahrt. Die Laun i t i ei I ii iis fttr ItlonatAnguistl938 Vorlage der Steuerbescheide nämlich i der letzten Vermögenmsteuerbeaohelde der Finanzämter und der Einkommen •teurrbeachelde der Finanzämter für das Kalender- Jahr 1937 an die Beitragsstelle der Israelitischen Kultusgemeinde München, Herzog-Max-Str. 3/0 (Parteiverkehr Montag mit Freitag 8'/t-12V» Uhr) Einzahlung der bisher noch nicht abgeführten Beitrage aus der Vermögensteuerrate vom 10. August 1938 (15% der an die Finanzämter entrichteten Beträge) Ausgleichung der Unterachledabetrlge die sich aus der endgültigen Veranlagung der Einkommensteuer 1937 und aus etwaiger Neuveranlagung zur Vermögensteuer ergeben, durch Bareiuzahlung bei der Beitragsstelle der Israelitischen Kultusgemeinde München, Herzog-Max-Straße\V(> oder Überweisung auf das Postscheckkonto der Beitragsstelle München Nr. 60990. oder Uberweisung auf das Bankkonto der Beitragsstelle beim Bankhaus H. Aufhäuser, München Nr. 17299. desverbände in Süddeutschland erfüllen weiter als ausführende Bezirksstellen des Re'ichsverbandes ihre lebenswichtigen, den betreuten Gemeinden und Einrichtungen zugute kommenden Aufgaben. Kein Wort des Dankes ist zu viel für die fast zwanzig Jahre geleistete Arbeit dieser Verbände, ihrer Begründer und ihrer Beauftragten. In ihren Landesverbänden fühlte sich die Judenheit bei uns geborgen und in der denkbar würdigsten und zwe6kmäßigsten Weise nach außen und innen vertreten. Ks bleibt | uns die tröstende»Gewißheit, daß der Verband bayerischer Israe- \ litischer Gemeinden, bei aller gewissenhaften und verantwortungsbewußten freiwilligen Unterordnung unter die richtunggebende Führung des Reichsverbandes, in seiner bisherigen Wirksamkeit mit seinen Einrichtungen und erfahrenen Persönlichkeiten an der Spitze erhalten bleibt. Aufbau und Zusammensetzung der neueö«£)rganisation sollen bei anderer Gelegenheit hier behandelt werden. Wichtiger als die rechtliche Konstruktion ist der feste Wille zum einheitlichen Handeln in der gegenwartigen Zeit, in welcher sich unsere Schwierigkeiten steigern. Die denkwür- ' dige Gründungstagung vom 27. Juli fand mit einer, Ansprache des Präsidenten, Rabbiner Dr. Leo Baeck, und mit der Annahme der folgenden einstimmig angenommenen Entschließung ihren Abschluß: „In dankbarer Würdigung der Tatsache, daß die Einigung der Kräfte des Judentums in Deutschland wie die Zusammenfassung seiner Mittel nun weiter zum Ziel«- hingeführt worden ist, sind Präsidialausschuß und Rat über folgende Grundlage und Richtung der gemeinsamen Arbeit einig: Die. für die Juden in Deutschland und ihre Gemeinden beschlossene neue Satzung hat die Autorität der Reichsvertretung und die darin gegebene einheitliche Führung von neuem bestätigt. Die ernstesten Aufgaben liegen vor uns. In einer Lage, die seit Jahren auch in der an Prüfungen reichen Geschichte unseres Volkes kaum ihresgleichen hat. haben wir uns, nicht ohne Erfolg darum bemüht, das drohende Gespenst des Ghaos Zu bannen. , Allem, was auf uns eindrang, haben wir unser Gottvertrauen 1 und unsere Selbstachtung entgegengesetzt. Die Aushölifung unserer Existenz haben wir mit der planmäßigen Erziehung und Schulung, mit der Vorbereitung zur Wanderung nach einer Stätte aufbauender Arbeit beantwortet. Wir haben eine innere Ordnung