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Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg · 1938-08-01 · 15 (1.8.1938) · p. Seite 228

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
Volume
14 (Ausgabe A) (1938)
Issue
15 (1.8.1938)
Date
1938-08-01
Page
Seite 228 (sequence 6)
Language
German
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228 Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern Nr. 15 und ältere Uinschichtler sind dankbar für die Möglichkeit, ein solides Handwerk zu erlernen, das sie befähigt, in aller Welt ihr Auskomnien.zu finden — das wurde deutlich an diesem Abend. Da die Ausbildungsmögiichkeit auf dem Gebiete der Kochkunst für Juden in Deutschland höchst selten ist und auswärtige Schiller untergebracht werden können, sei hier auf diese Gelegenheit hingewiesen. $ zo M Zionistischer Ortsverband München GeidiSftitielle Sdilouerttrafte X Arbeitstagung des Zionistischen Gruppenverbandes für Bayern Der Zionistische Gruppenverband für Bayern hielt am 17. Juli 193« in München seine diesjährige Arbeitstagung ab. Nach Begrüßungsworten des ersten Vorsitzenden des Zionistischen Ortsverbandes München. R.-A. Dr. Perlmutter, und des Vorsitzenden des Gruppenverbandes, Dr. Bamberger (Nürnberg), sprach R.-A. Benno Cohn über „(Querschnitt durch die jüdische und zionistische Situation." Ausgehend von den Juden in Deutschland gab der Referent einen Überblick über die Lage der Juden in der Welt. Heute gibt es kein Einzelschicksal mehr — jeder Einzelne ist verbunden mit dem Schicksal seiner Gruppe. Die Konferenz von Evian hatte die- Aufgabe, sich mit einem solchen Gruppenschicksal zu beschäftigen. Man darf die Möglichkeiten der Konferenz nicht überschätzen: sie ist lediglich als ein Auftakt zu bewerten und als der groOangelegte Versuch, die Juden Mitteleuropas aus ihrer verzweifelten Lage zu befreien. Ausführlich behandelte R.-A. Cohn sodann die augenblickliche Situation in Palästina. Auf die politische und wirtschaftliche Krise ist nun die seelische Krise gefolgt. Diese Krise ist die schwerste. Sie ist bedauerlicherweise zu einem Zeitpunkt eingetreten, da man im Lande bereits ein Abschwächen des Terrors deutlich spüren konnte.. Die Krise ist nur durch eiserne Disziplin und unbedingte Erhaltung der „Hawlaga" zu überwinden. — Die Technische Kommission arbeitet weiter und hält sich streng an iTHen Auftrag. Man hofft, daß ihr Vorschlag für uns Juden annehmbar sein wird. Der Weg vom Beschluß der Teilung bis zu seiner Durchführung wird für den Jischuw ein schwerer seih. Dann aber werden wir unser Schicksal in Palästina selbst in die Hand nehmen: wir Juden werden in einer hochorganisierten Welt nur in der Forin der Staatlichkeit bestehen können. An das Referat schloß sich eine rege Aussprache, die von Dr. Josef Weiß mit wichtigen Informationen über Fondsarbeit und Bodengestaltung in Erez Israel eröffnet wurde. Der Nachmittag war mit Beratungen über die praktische Arbeit und Erfahrungsaustausch ausgefüllt. Es bestand völlige Einmütigkeit darin, daß die zionistische Arbeit uueh unter erschwerten Verhältnissen mit ungebrochener Tatkraft fortzuführen sei. Die Tagung brachte jedem Teilnehmer eine Fülle von Anregungen. -im. Hebräische Sprachkurse München , Das rege Interesse an der hebräischen Sprache macht es notwendig, zu Beginn des neuen Semesters (Anfang September) folgende zwei Kurse neu einzuführen: a) Ein Anfängerkurs für Teilnehmer mit und ohne Schreib- und Lesekenntnissen. b) Ein Intensivkurs für Interessenten, die ihre bestehenden Kenntnisse innerhalb kurzer Zeit wesentlich vergrößern und vertiefen wollen. Neben den allgemeinen sprachlichen Fächern werden hier auch kurze Überblicke Uber die Palästinakunde, jüdische und zionistische Geschichte (alle in leicht verständlichem Hebräisch und mit den erforderlichen Erklärungen) gegeben. Der Unterricht wird dreimal wöchentlich je zwei Stunden erteilt. Die Dauer des ganzen Kurses beträgt drei Monate. Chug-Iwrl Die 1. Ssichah im neuen Semester findet am Samstag, 10. September, nachmittags 5 Uhr, Herzog-Rudolf-Straße 1/1 Rckg., statt,- Arabischer Anfängerkurs * Für Interessenten der arabischen Sprache bietet ein Anfang September beginnender Anfängerkurs Gelegenheit, diese Sprache systematisch zu erlernen. —- Stundenplan, Anmeldungen zur Teilnahme an ttfn"Kursen und 'alte Auskünfte beim: iBüro, Schlosserstraße 2/1. Telefon 53 0 52. Israelitische Privatklinik (Krankenheim) Mit Dr. August Feuchtwanger s. A., dessen unvergeßliches Wirken für die Gemeinde München all denen, die ihn kann in diesen Blättern in dankbare Erinnerung gerufen Wurde, verliert das Krankenheim, israelitische Privatklinik, nicht nur seinen Vorstand seit der Gründung im Jahre 1911, sondern seinen geistigen und seinen tatsächlichen Schöpfer. Seinem, der Nächstenliebe gewidmeten Denken entsprang vor fast einem Menschenalter der Wunsch, eine Klinik ins Leben zu rufen, die. wenn auch selbstverständlich rituell geführt und von jüdischen Krankenschwestern betreut, den Kranken ohne Unterschied des Glaubens und des Vermögens zur Verfügung stehen müsse. Seinen unermüdlichen Bestrebungen gelang es auch, die zahlreichen Schwierigkeiten zu überwinden und den Kauf des Anwesens in der Hermann-Schmid-Straße und die vorbildliche Einrichtung der Anstalt zu ermöglichen. Nach den Mühen der Errichtung der Klinik begann die segensreiche Tätigkeit von Dr. August Feuchtwanger s. A. zur Ehre des jüdischen Namens und zum Segen der Kranken und Leidenden. Kaum ein Tag in mehr als zwei Jahrzehnten verging, ohne daß Dr. August Feuchtwanger das Krankenheim besuchte und in allen Räumen mit nimmermüder Sorgfalt sowohl die klinischen als die rituellen Einrichtungen überwachte, immer bestrebt, den Ruf, den sein Werk in den weitesten Kreisen genoß, auf der Höhe zu erhalten. Zum ehrenden Gedächtnis ihres unvergeßlichen Gründers bleibt die Vorstandschaft in inniger Dankbarkeit bemüht, die Anstalt im Sinne Dr. August Feuchtwangers s. A. weiterzuführen, solange die Gemeinde München bestehen wird. , - Herzl-Gedenkfeler Am 18. Juli 1938 veranstaltete der Zionistische Ortsverband München im Sitzungssaal der Kultusgemeinde eine überaus gut besuchte Herzl-Feier, die von einem „El mole rachamim" von Herrn S. Margulies vortrefflich vorgetragen, eingeleitet wurde. Nach Begrüßungsworten von Dr. Siegfried Keßler hielt R.-A. Dr. Alfred Perlmutter die Gedenkrede, die im wesentlichen auf der psychologischen Deutung dieser großen jüdischen Führergestalt beruhte. Am Anfang war die zionistische Idee stumm. Die Stimmen Heß', Pinskers und der Chowewe-Zionisten waren zu vereinzelt, um durchzudringen. Erst Theodor Herzl hat mit seinem Judenstaat der Idee die Sprache geschenkt. Durch die Sprache Herzls wurde die zionistische Idee erst geschichtsfähig. Herzl wußte von seinen Vorläufern nichts. Die zionistische Idee entflammte ihn erst, als sich vor ihm ein Judenschicksal von besonderer Tragik abrollte (Öreyfußaffäre). Er war der erste, der die Idee mit einem konkreten Ziel bereicherte, Die ungeheure Willenskraft Herzls beruhte auf einer paradoxen Einseitigkeit; weil er im Jüdischen ein Unwissender war und lange als ein seinem Volke Entfremdeter lebte, sah er die Schwierigkeiten nicht, die sich seinem Plan in den Weg stellten. Aber gerade weil er gewissermaßen „mit Blindheit geschlagen" war, konnte er eine ungeheure motorische Kraft entwickeln und wurde so Werkzeug >in der Hand eines Höheren. Es bestätigt sich auch bei Herzl der alte Satz, daß Träumer Geschichte machen. Herzl erlebte nicht die Vollendung seines Werkes. Erspart blieb ihm die grausame Erfüllung seiner Prophezeiung über das Schicksal der Juden. Die Ereignisse, die Herzl recht gaben, sind keine Zufälle, sondern geschichtliches Geschehen, welches die Gestalt Herzls immer wieder vor uns aufrichtet. \ Dr. Keßler dankte dem Redner und schloß mit Worten des Gedenkens für Bialik und die Opfer des Jischuw. Der gemeinsame Gesang der Techesakna und der Hatikwa beschloß die eindrucksvolle Feier, die bedauerlicherweise nicht allen Gemeindemitgliedern zugänglich gemacht werden konnte.. J Staatszionistische Organisation München ReichenbachstraBe 27/1 r. Theodor Herzl und seine Bedeutung für das indische Volk . Die Staatszionistische Organisation hielt im engen Rahmen eine Herzl-Gedächtnisfeier. bei der der Vorsitzende des Ortsverbandes München, Herl* Dr. J u 1 i u s B a e r, *ber die Bedeutung TheodOT Herzl's für das jüdische Volk sprach. Er ging bei seinen Betrachtungen aus von dem Psalmwort: Wenn ich Dein vergesse; Jerusalem, verdorre meine Rechte. Er wies darauf hin, daß die Sehnsucht nach Erez Israel das jüdische Volk auf seiner Wanderung durch die Galuth begleitet und ihren Niederschlag in den Gebeten gefunden habe. Diese Sehnsucht hat aUm«hHrh Hip Ort-ilt pii^es mvjtiiirhrni Mi iml HUII iinirnintnmrn rirr mit der, fortschreitenden Assimilation besonders in westlichen Ländern zu-

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