Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Volume
- 14 (Ausgabe A) (1938)
- Issue
- 15 (1.8.1938)
- Date
- 1938-08-01
- Page
- Seite 226 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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226 \ ■ / . 1 Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern Nr. 15 SCHUHHAUS M. FLEISCHMANN MÖNCHEN, THEATINERSTRASSE 17 Sp.iialitöi, tAlLY -SCHUHE BAMBERGER&HERTZ DIE ZUVERLÄSSIGEN KLEIDERFACHLEUTE Liste besteht darin, daß daraus Betrieb und Umfang eines jüdischen Leibgeschäftes, aber auch der Reichtum mittelalterlicher ßürgerhäuser an Kostbarkeiten im Ii Jahrhundert hervorgeht. Ks ist eine ansehnliche Liste von Wiertgegenständen, mit deren Verpfändung man sich in jener Zeit oft allein Kredit verschaffen konnte. Von der Herzogin T h'a d d a e a hatte Isaak nach dem Verzeichnis einen großen vergoldeten Kessel, vom Herzog Johann einen großen Silberpokal um 9 Mark Silber; vom herzoglichen Leibarzt. Meister Jakob d%m Juden, einen vergoWeten Gürtel von 10 Mark Silber, zwei SiVberbecher, eine Silberschale und einen kleinen Pokal, vom herzoglichen Jägermeister Hans zwei vergoldete SiLbergürtel, der große etwa 14. Mark schwer; von Christian Fraunberg er eine Silberkandel. ein Fußband und Frauenkleinodien; vom Schenk von Geyirn eine vergoldete Kette. Von der Zehrgadmer i n einen halben Silberpokal, einen mit silbernen Spangen beschlagenen Riemen, ein beschlagenes Näpflein, edn schwarzes Paternoster mit 11 Silberknöpfen' und silbernem Anhängsel, einen Goldring, eine Silberspange, ein Sirberknopf über ein Silbergeschirr. Von Hans Impler eine silberne Kette mit 22 Gliedern, 1 silbernen und vergoldeten Gürtel. 5 gute Silberschalen, 3 vergoldete Näpfe auf Füßen, 1 Silbergefäß (Hafen). 2 Silberknöpfe zu vier Stück, lauter Pfänder aus 'dem Besitz des Hans Impler. die der herzogliche Zöllner Veringer für nur 100 Gulden versetzt hatte. Von der Hofmeisterin einen Schleier, einen Brautkranz, 12 Lot Silber; vom Goldschmied Wapp 1 Silberschale, einen 'beschlagenen Degen und viele Weine Goldschmiedarbeiten. Von Heinrich Diemer 1 gemengten Frauenmantel mit Felipelz und goldenen Borten. 1 grauen Winterrook mit Fuchspelz, züsammen 50 fl. wert. Von der Heidan 2 Röcke und 2 Schleier, vom Goldschmied Vet tinger zwei Brautriroge, von Hans Sattler eine vergoldete Silberschale. Für die Pfänder der Goldschmiedswitwe Kaspar machte Isaak allein 615 Gulden Gegenforderung geltend. Um diese Werte, ja um Besteuerung und Reichtum der damaligen Juden in München sowie die vielfach behandelte Zinshöhe im jüdischen mittelalterlichen Leihgeschäft richtig beurteilen zu können, ist eine genaue Kenntnis des gesamten Münzwesens im Mittelalter, der Geldwertverhältnisse, namentlich der mittelalterlichen Münzzerrüttung. speziell der bayerischen und Münchener Münzverfassung (man vergleiche z. B. das Kapitel „Die Inflation der Schinderlingszeit") nötig. Der gut instruierende ausführliche Abschnitt bei Solleder über „Münze. Maß und Gewicht" ist zur tieferen Erfassung des damaligen Hergangs unerläßlich. Die Bedeutung des Briefes geht weit über das wirtschaftsgescltichtliche Gebiet hinaus. Sek> voljes Verständnis ist nur bei regelrechter philologisch-historischer Interpretation im Zusammenhang mit der Kenntnis des Status der jüdischen Gruppe im christlichen Spätmittelalter möglich. Hier war lediglich ein Hinweis auf die bisher unbeachtete, neuerdings wieder in den Vordergrund gestellte Geschichtsquelle ersten Ranges, wie sie keine andere mittelalterliche Judengemeinde aufzuweisen hat, beabsichtigt. Die wissenschaftliche Text-Interpretation und die historische Darstellung des Vorfalles gehören nicht in diese Blätter. Durch den Brief steht eine längst versunkene Welt, das jüdische Lebenunserer Vorfahren vor 550 Jahren auf Münchener Boden, wieder auf. Weit über die Lokalgeschichte hinaus kommt der hier abgedruckten erschütternden Urkunde für das Verständnis der Geschichte der Juden im Mittelalter eine besondere, bisher nicht erkannte Bedeutung zu. Literatur: Harry Bressfau, Aus Strassburger Judenacten; Zeitschrift für die Geschichte der Juden Hl Deutschland, Bd. V. S. 115 ff. (Braunschweig 1890). — Urkundenbuoh der Stadt Stnassburg, VI. Band (Politische Urkunden von 1381 bis 1400), bearbeitet von Johannes Fritze S. 25 f.. 31 f.. 35 (Strassbung 1899). — Fridolin Solleder. München im Mittelalter (München u. Berlin 1938), S. 132ff. L. F. Brasiliens ersfe jüdische Siedler Von Dr. Siegfried Braun (Köln) In den Zeitraum zwischen 1492 bis 1503 fallen eine Reihe von Entdeckungsreisen von welthistorischer Bedeutung,, aber zugleich auch von größter Wichtigkeit für die Geschichte der Juden. Ihnen allen lag die Absicht zugrunde, von der Pyrenäenhalbinsel her ejnen Seeweg nach Indien, dem Lande unbegrenzter Reichtümer, zu finden, dessen Befahrung die Spanier und die Portugiesen unabhängig machen sollte von den um das Mittelländische Meer gelagerten Handel und Schiffahrt treibenden Völkern. Die kühnen Entdecker stützten ihre Unternehmen auf verschiedenartige Erwägungen: die Mehrzahl von ihnen wünschte, Indien auf dem Wege zu erreichen, der um den gewaltigen, damals noch zu einem großen Teil unbekannten Länderkoloß Afrika herumführte; der am volkstümlichsten gewordene, Christoph Columbus, ließ sich, wenn von seinen merkantilen Intentionen abgesehen wird, von der aus der Wissenschaft heraus geborenen Überlegung leiten, infolge der Kugelgestalt der Erde müsse Indien auch erreicht werden, wenn man denk von Ost nach West führenden Seeweg einschlüge. Ba rolomäu's Diaz, ein portugiesischer Seemann, war im Jahre 1486 als erster bis zum Kap der guten Hofinung an der Südspitze Afrikas gekommen. Im Jahre 1497 begab sich ein zweiter Portugiese, Vasco da Gama, mit vier kleinen Schiffen und 150 Mann Besatzung auf den gleichen Weg, und dieser Expedition glückte die Erreichung Vorderindiens innerhalb eines Zeitraums von etwa elf Monaten. In mühe- und gefahrenreicher Fahrt wurden mehr als 20000 km an der afrikanischen Küste und durch den Indischen Ozean zurückgelegt, bis die indische Stadt Kalikut erreicht wurde. Unter den nautischen Instrumenten, die Vasco da Gama benutzte, befand sich ein Winkelmesser, mit dessen Hilfe nach dem Stand der Gestirne der Standort der Schiffe bestimmt werden könnte; es war der sogenannte Astrolab, kein neues Instrument, aber ein von dem jüdischen Gelehrten und Hofastro-* nonieii Abraham Zakuto aus Lissabon vervollkommneter Apparat. Trotz der großen Dienste, die dieser Mann am Hofe ' dem König Manuel leistete, ereilte ihn das Geschick: er mußte mit : den vertriebenen Glaubensgenossen fliehen und begab sich nach Tunis. An Indiens Gestade begrüßte den Entdecker Vasco da Gama als erster ein jüdischer Abenteurer und Weltreisender, der in Diensten FOr den An« und Verkauf von Immobilien und Geschäften ferner iür Haus Verwaltungen empfiehlt sich die Firma S. 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