Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Volume
- 14 (Ausgabe A) (1938)
- Issue
- 14 (15.7.1938)
- Date
- 1938-07-15
- Page
- Seite 211 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr, 14 Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern 211 Stets HeuUeileu W W^r^WWW^^WW^^WW im Fachgesch&ft für Damenbekleidung E. 6t O. M ERZBACHtRfrüher Ritfer-V.-Epp-Pl. 6 1 Jetzt: Leopoldstrafje 52-/0 LEO OPPENHEIMERf (Sai/sl™"!' Kein Laden! Entsprechende Preise! Von bezwingender Gewalt war der Dichter Oskar Baum auch diesmal wieder in der Namengebung seines Werkes. Nur Narren können das als etwas Unwichtiges abtun. „Das Volk des harten i Schlafs" sind wohlgemerkt nicht die Chasaren, sondern die Juden. „Denn der Herr hat euch einen Geist des harten Schlafs eingeschenkt und eure Augen zugetan; eure Propheten und Fürsten samt den Sehern hat er verhüllt" (Jesaja 29, 10). Hoffen wir, daß das Werk dieses von innerem Lichte Strahlenden zu seinem Teile dazu beitragen wird, die harten Schläfer mit den offenen Augen, die nicht sehen wollen, zu erwecken.; Rücksiedlungspläne vor 50 Jahren 1. Britische Zionsliebe. Uber Vorläufer des Zionismus im1 19. Jahrhundert und früher ist aus ersten Quellen und abgeleiteter Literatur in den letzten Jahren viel geschrieben worden. Die ersten Judenstaatsprojekte datieren »'oin Ende des 17. Jahrhunderts. Die religiöse Zionsliebe im Gebet und in der messianischen Betrachtungsweise des gläubigen „Ga- Ius"-Juden hat mit diesen politischen Plänen nichts zu tun und istihnen vierfach entgegengesetzt. Bevor sich England politisch des jüdischen Nationalheims in Palästina annahm, gab es eine nichtjüdische britische Neigung für die zionistische Idee, was mit der Verehrung des Engländers für das alte biblische Israel und für das Spätjudentum im Zeitalter Jesu zusammenhängt. Ideale und praktische Motive vereinigten sich bei den Engländern zu einer „Zionsliebe" eigener Art. England war immer auf der Hut. bei der sehr lange am politischen Himmel hängenden Wolke der Neuverteilung des alttürkischen Erbes, die Länder und Räume auf dem Wege nach Indien nicht in fremde Hände fallen zu lassen. Lord Beaconsfield (Benjamin Disraeli, 1804—1887), von jüdischer Abstammung, hatte die Absicht, die zionistische Frage vor den Berliner Kongreß zu bringen. Sein zionistischer Staatsronian „Tancred" von 1847 und der um ein Menschenalter spätere, 1876 erschienene zionistisch-utopische Roman der Engländerin George Eliot (Mary Anne Evans 1819—1880) ..Daniel Deronda" sind Vorläufer der zionistischen Konzeption. Im 19. Jahrhundert gab es immer auch Menschen — Juden und Nicht-Juden —, die nicht alles rosarot sahen und sich nichtvorstellen konnten, daß die formale Gleichberechtigung die Judenfrage lösen oder ein gedeihliches, reibungsloses Neben- und Miteinanderleben der Juden unter den Völkern 'herbeiführen könne. Von einem nicht sehr bekannten großen englischen Zionsfreund. Sir Lawrence Oliphant (1829— 1888), ist in dem folgenden Bericht von Frau Dr. Badt-Strauß die Rede. Einzelheiten über Oliphant und die besten Materialien für eine Vorgeschichte des Zionismus findet man in dem großen Werk von-Adolf Böhm, „Die Zionistische Bewegung" (Jüd.'Verlag, Berlin 1937). J 2. Ein englischer Vorläufer Theodor Herzls: Sir Lawrence Oliphant (1829—1888). Vor 50 Jahren starb auf der Fahrt nach seinem "Geburtslande England ein englischer Adeliger, deY zuletzt in Haifa gelebt hatte, um dem Lande und den Menschen nahe zu sein, denen eisern Leben geweiht hatte: Sir Lawrence Oliphant. den einst Lilienblum den „neuen Kyjas" genannt hatte. Ehrenpflicht ist es uns, dieses außergewöhnlichen Mannes zu gedenken — zumal heute, wo seine Gedanken in ihrem wichtigsten Teile zur T a t geworden sind. Als der grauhaarige, hochgewachsene Engländer mit den scharf- . geschnittenen Zügen einst mitten unter die verzweifelten und ratlosen jüdischen Flüchtlinge aus Rußland und Rumänien trat, die, sich in Lemberg und Brody noch den Verfolgungen der achtziger Jahre zu sammeln versuchten, da . . . muß er ihnen wohl wie ein Bote aus einer andern Welt erschienen sein. Damals aber hatte er sich schon seit langen Jahren mit dem Probrem Palästinas, des Landes, das einst fruchtbar und ertragreich gewesen und das jetzt wüst und baumlos war und des Judenvolkes, das einst stark und festgewurzelt und jetzt vertrieben und heimatlos und Ubierall unerwünscht war, beschäftigt. Oliphant gehörte zu jener eigentümlichen Reihe englischer Gestalten in jenen Jahrzehnten, die in seltsamer Mischung von nüchterner Politik und Mystik das Schicksal eines Landes und eines Volkes zugleich zu lösen versuchten. Aber während Disraelis Alroy nur ein träumendes Zukunftsbild von Israels Rückkehr ins heilige Land entwarf und George Eliots Daniel Deronda in flammenden Worten das gleiche forderte, ging Oliphant einen entscheidenden Schritt weiter: er begann praktische Pläne für den Tag und die Stunde zu entwerfen. Ein lang-, jähriger Kenner des Orients, war er zu der Überzeguung gekommen, daß nirgends eine landwirtschaftliche Kolonie so zukunftsreiche Aussichten hätte wie Im einstigen Lande Gilead, Im fruchtbaren Ostjordanlande. Sein Plan ging dahin, um mit seinen eigenen Worten zu sprechen; „von der türkischen Regierung eine Konzession zur Siedlung im nördlichen, fruchtbaren Teile von Palästina zu erhalten". In der Verwirklichung dieses Planes würden sich für die Völker der Erde, nicht zum mindesten für die Türkei und England selbst, wirtschaftliche und gefühlsmäßige Erfolge ergeben — sowohl die reinen Politiker wie auch jene Menschen, die an die Propheten und ihre Botschaft glaubten, meinte er dadurch auf seine Seite zu bringen. Oliphants Plan wurde von englischen Politikern wie Beaceonsfield und Salisbury unterstützt; aber er mußte zu Fall kommen, als in England ein neues Ministerium einzog. Und den russischen und rumänischen Juden, die aus ihrem Geburtslande vertrieben, mit Inbrunst auf seine Verwirklichung hofften, konnte der „Fürst" Lawrence Oliphant. wie sie ihn nannten, nichts mehr geben als einen Rat — und den konnten sie nicht befolgen. — Dennoch gab es diesem Manne, der unterdessen auch in seinem Buche ..Das Land Gilead" seinen Plan dargelegt hatte, das Geschick, daß er dem bedrängten Judenvolkc noch einmal einen Wichtigen Dienst leisten konnte. Er hatte sich selbst -in Haifa angesiedelt, um der Stätte seiner Pläne nahe zu sein; dort traf er mit einem kleinen Trupp rumänischer Juden zusammen, die nach Erez Israel auswandern wollten und unterwegs Schifbruch gelitten hatten — ihr Geld war ihnen abhanden gekommen, sie waren weit vorf ihrem ursprünglichen Ziele abgedrängt worden. Da stand ihnen Oliphant nicht •nur selbst bei; noch wichtiger war. daß er den bekannten Philanthropen Baron Edmund Rothschild für sie gewann. Mit'der Unterstützung des „Barons" gründeten sie dann die Kolonie Zammarin, die als Sichron Jakob eine der blühendsten des alten Jlschuw wurde. So hat Sir Lawrence Oliphant, wenn man so sagen kann, in seinem eigenen Leben etwas^von der allmählichen Entwicklung der zionistischen Bewegung zu spüren bekommen: von politischen Plänen zur unmittelbaren Arbeit des Siedlers selbst ... Er aber hat diese Entwicklung nicht als ein „Fremder 'vor den Toren" miterlebt; sondern in"Wahrheit als einer von der seltenen Art Menschen, die unsere Väter rühmten — von' den Sechsunddrcißii;, auf deren Leben und Tun sich die Welt aufbaut . . . Bertha Badt-Strauß. REISEGEPÄCK Große Auswahl in" Koffer aus Leder, Vulkan- * fiber, Autoduck etc. in allen Arten. BAHN- UND SCHRANKKOFFER Aktenmappen, Necesaires, Kleinlpderwaren etc. Spezialität: DAMENTASCHEN von der billigsten bis zur elegantesten Ausführung. Moderne Lederwaren Inh. S A L L Y K LAU München, Bayerstr. 13, gegenüber d. Schützen-Apotheke. Tel. 54842