Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Volume
- 14 (Ausgabe A) (1938)
- Issue
- 13 (1.7.1938)
- Date
- 1938-07-01
- Page
- Seite 196 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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V IM Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern Nr. 13 Reisebüro Deutschland-Palästlna-Verkehrsges. m.b.H. Vertretung für Bayern: GEBR. A. & L. MAIER, Bankgeschäft MÜNCHEN 2, Lenbadiplatz 9 Im Hotel Leinfelder Telefon 12236 und 13051 Schiffskarten Flugkarten 1^"™ Bahn- und Ausland Bordgeld ■lies, zu Original« Preisen mir angenommenen 40 Dollar sehen aber in Wirklichkeit so aus: Miete 4ü Dollar, dazu kommt: Türsteuer, Müllabfuhr, Wasser, Licht- und Kraftstrom 5 Dollar bei bescheidenen Ansprüchen. Das nd dann aber schon 45 Dollar, und dazu kommen dann noch an Fahrgeldern etwa 5 Dollar, denn solche Häuser liegen nicht im Zentrum, so da Li also 50 Dollar monatlich aüf die eine oder andere Art zu bezahlen sind. Das Anfangsgehalt eines Neuankömmlings, sofern er der übliche Kaufmann ist und entweder handeln gehen oder Arbeit (Handarbeit) suchen will, dürfte aber 25 bis 30 Dollar in den meisten Fällen kaum überschreiten. Die Verzollungs- und Transportkosten für den Lift, die ersten Wochen „leben" usw. werden gar nicht mitberechnet. Bloß .nachher stehen die Herrschaften da und wundern sich ganz entsetzlich darüber, wie schnell die mitgebrachten paar Sechser alle geworden sind. Dann aber heißt es: Wie komme ich nur aus meinem Wohnungsvertrage raus, ich kann allerhöchstens ein leeres Zimmer bezahlen! Und das muß im Zentrum oder in der Nähe der Arbeitsstelle liegen, damit ich Fahrgeld spare. Ohne Sprache ist man hier ein ungeborenes Kind, denn keine hiesige Firma wird einen Sprächunkundigen als Angestellten enga- Kieren, höchstens als gelernten oder ungelernten Arbeiter. Meine Frau näht bei einem polnischen jiddischen Schneider, ist im März zwei Jahre auf ihrer Stellung. Sie hat erst 1 Dollar, dann 1.50 und jetzt 1.70 Dollar verdient. Höher kann sie nicht kommen, denn in dieser Branche zählt man eben nicht melir^ Ich habe 10 Monate lang bei ehicm Holländer in einer Zigarettenfabrik als Arbeiter gearbeitet und 1 Dollar pro Tag verdient, zuletzt pro Woche 10 Dollar. Höher konnte ich auch nicht kommen. Viele Neuankömmlinge fangen Geschäfte an und gehen dann natürlich allerschnellstens pleite. Sie kennen weder Sitten, noch Gebräuche, kennen auch die Geschmäcker und den Bedarf nicht, und schon ist die gerade neuaufgemachte Bude wieder zu. Viele Hinwanderer kaufen sich, weil sie eben absolut nichts anderes finden, eine „Lecheria" (sprich: lätscheriia), Leche (Lätschc) ist Milch. Eine Lecheria verkauft: Milchprodukte, auch Brot und Brötchen und solche in den Rahmen passende Artikel, auch Bier, Brause, Siphon usw. So 'ne Lecheria ist geöffnet von morgens 6 Uhr bis nachts 11 Uhr. Es ist meist eine Reparte vorhanden, d. Ii. es sind eine Anzahl fester Kunden vorhanden, denen man die Milch zuträgt. Manche Lecherias geben auch Essen. Das ist immer ein ziemlich sicheres Geschäft, ohne viel Risiko, aber eine einigermaßen anständige, kleine Lecheria erfordert doch ein Kapital von etwa 1200 bis 1500 Pesos. Andere wieder fangen einen Almacen an, aber das muß man schon kennen; denn dazu gehört viel Kapital, wenn man nicht krebsen will. Auch eine Panaderia: Brotverkauf. Altes das sind Geschäfte, bei denen Gentesimos verdient werden, an 1 Liter Milch, der 12 Gentesimos kostet, wird 2.5 Centesimos verdient. Bei allen Geschäften ist man angebunden, d. h. man kommt niemals aus der Bude 'raus. Tag und Nacht und Sommer und Winter hat man vom, frühesten Morgen bis in die Nacht hinein zu tun. Gut ist hier noch eine „Tienda" (sprich: Tiända), d.h. ein Geschäft, welches etwa unserem Manufakturwarengeschäft entspricht. Das muß man aber'irgendwo draußen betreiben, auf dem Lande, in irgendeiner kleinen Stadt. Hier in Montevideo gibt es auch schon vielzuvJele. Aber die Branche muß man kennen, das wissen Sie ja selber. Es ist außerordentlich schwer, sich durchzusetzen. Gut hat es jeder, der etwas von der Landwirtschaft versteht, der Radiofachmann ist usw. u Für Frauen ist hier ein leichtes Unterkommen, wenn sie Hausarbeit tun wollen, Köchin oder Kinderfräulein spielen können. Man bezahlt im algemeinen 10—20 Pesos im Monat und Essen frei, Wohnung mitunter frei, Bettwäsche ist in jedem- Falle mitzubringen. Frauen finden auch sofort Beschäftigung als Schneiderinnen, Putzmacherinen usw. Als ungelernte Arbeiterinnen verdienen sie zu wenig. Ich kenne Frauen, die arbeiten in einer Kartonfabrik für 0,70 Pesos pro Tag, andere in Jumper- und Strumpffabriken verdienen 0,80—1,50 Dollar pro Tag. Dann gibt es einige, die arbeiten in den zwei .guten Konditoreien (Bedienungspersonal) und bekommen ein Festgehalt von 15 Dollar pro Monat, haben aber Trinkgelder, und das immerhin soviel, daß sie monatlich auf 50 und sogar 80 Pesos kommen, was ja schon ganz groß ist. Ein hiesiger gelernter Arbeiter und auch ein ungelernter Arbeiter kann pro Tag etwa 1,75 bis 2,50 Pesos verdienen. Ein gelernter Arbeiter bis etwa 4 Pesos, wenn er nicht etwa Radiofachmannoder Strumpfwirker ist. ^isTrfguter Strumpfwirker, der Akkordarbeit zu leisten hat und erstklassige seidene Damenstrümpfe herstellen kann an den neuesten Spezialmaschinen, der verdient hier unendlich viel Geld, es ist der höchstbezahlteste Beruf, denn so ein Mann steht sich auf monatlich etwa 250 bis 300 Pesos! Auch erstklassige Wollsortierer können hier verdienen, etwa 3—5 Pesos pro Tag, auch Kürschner, solange Saison ist. Im Zimmer neben mir wohnt ein 22jähriger junger Kaufmann aus der Seidenbranche, der hier „schweißen" gelernt hat und 4 Dollar pro Tag verdient, woraufhin er schon seine alte Mutter hat nachkommen lassen, mit der er jetzt in einem Zimmer zusammen wohnt (hier wird man sehr bescheiden). >, Aus der Gemeinde München Lehrhaus der Kultussemelnde Ab Montag, den 27. Juni, konnten alle vor dem 18. Juni angemeldeten und genehmigten Veranstaltungen wieder aufgenommen werden. Insbesondere nahmen von dem genannten Tage an die Fremdsprach- und Handelskurse ihren stundenplanmäßigen Fortgang. Der Anfänger-Kurs für Spanisch hat am Dienstag, den 28. Juni, begonnen. Für den An- und Verkauf von Immobilien und Geschäften ferner für HaUSVCrYY altUIlgCIl empfiehlt sich die Firma S. Ackermann, Ritter von Epp-Platz 9 Telefon Nr. 12 502, 12 5 87, 13 3 94 Erste Keferenzcal Jegliche Bank-Garantie 1 Wir empfehlen äusserst preiswerte erstklassige HERRENSTOFFE moderne DAMENSTOFFE l in großer Auswahl. 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