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Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg · 1938-06-15 · 12 (15.6.1938) · p. Seite 182

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
Volume
14 (Ausgabe A) (1938)
Issue
12 (15.6.1938)
Date
1938-06-15
Page
Seite 182 (sequence 4)
Language
German
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182 Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern Nh 12 Für den An- und Verkauf von Immobilien und Geschäften lerner für HaUSVCrWaltUHgCD empfiehlt sich die Firma S. Ackermann, Ritter von Epp-Platz 9 Telalon Nr. 12502, 12587, 13394 Erste Referenzen 1 Jegliche Bank-Garantie! übrigen Normen der Thora, eine völlige Verkennung seines Wesens und sejner Bedeutung wäre und daher von vornherein zum Seheitern verurteilt sei. Das jüdische Recht Altisraels, des Spät- ■Judentums wie des rabbinischen Judentums in der voremanzipatorischen autonomen Kein IIa. ist in Wahrheit die rechtshistorisch verschiedenen Entwicklungsstufen angehörende, aber in seinein Totalitätsansprucl) aus einem einheitlichen Prinzip stammende (irundfage einer geschlossenen, das Zusammenleben einer Gruppe erschöpfend regelnden Lebensordnung. Zum Recht gehören in dieser Ordnung noch völlig mvgeschieden die mannigfachsten Vorschriften, die wir heute, ob wir wollen oder nicht, als sittlich und rechtlich schlechthin indifferent empfinden müssen. Öffentliches Recht und Privatrecht sind in solchen Rechten ungetrennt. Gesetzgebung, Rechtsprechung und Verwaltung nicht modern abgegrenzt und differenziert, juristische Person und Gestaltungen des modernen Verkehrs- und Handelsrechts beispielweise* noJi gänzlich unentwickelt. Man kann den Geist der Thora ohne weiteres für die- Ordnung eines künftigen jüdischen Staates fordern, ohne die Systeme des biblischen und uachbiblischen' Rechts überhaupt technisch, rechtspolitisch, menschlich, sittlich auf ein modernes Gemeinwesen übertragbar finden zu müssen. Biberfeld weicht von seinen modernen Begriffen immer wieder auf das Geleise alter vortrefflicher Bibel- und Talmud-Erklärungen aus, ohne das Problem jener technischen praktischen Übertragbarkeit, auch nur einen Schritt zu fördern. Seine Thorakenntnis überragt bei weitem seinen historischen Sinn. Das jüdische Staatswesen des zweitan Tempels, besonders das der~Hasmonäer und iduinäischen Bastarde, der Männer wie Jannai und Herodes, enthält genau so wie das Wirken der Peruschim, die ja 'auch je nach der historischen Situation, über Macht und Recht sehr verschieden dachten, untrügliche Anzeichen dafür, daß jüdisches Recht wie alles Recht historisch wandelbar ist. Selbst als Annäherungswert ist der Staats- und Königsgedanke der Bibel realpolitisch nicht zu verwirklichen, geschweige denn daß die politischen und wirtschaftlich-gesellschaftlichen Möglichkeiten eines konkreten jüdischen Staatengebildes im heutigen Palästina nur im entferntesten eine Anwendung biblischen Rechts zuließen. Im Resultat stimmt der Verfasser mit dieser Feststellung überein. obwohl er von der Voraussetzung des Offenbarungsprinzips und der kritiklosen Treue zur mündlichen und schriftlichen Überlieferung aus zu der Unvereinbarkeit der Einführung der Thora mit den heutigen realpolitischen Möglichkeiten im Heiligen Land gelangt. Die realpolitische Betrachtungsweise erklär! der Verfasser für die Aufrichtung eines, jüdischen Staates schlechthin für unzulänglich. Das lehre der' Verlauf der jüdischen Geschichte. „Es ist eine Utopie, zu glauben, daß man in diesem Lande mit den beschränkten Mitteln sogenannter Realpolitik einem staatlichen Gemeinwesen den Bestand sichern könne." Demgegenüber gelte es die Wege der göttlichen Waltungs- Weisen zu beobachten: die eine Waltungsweise vollziehe sich im Rahmen der Naturgesetze. Daneben aber verlauft eine andere, die das Geschick des jüdischen Volkes bestimme, „nachdem es sich durch Annahme der~Gesetze;der Thora das Leben und Bestehen ■ im Rahmen der allgemeinen ökonomischen und politischen Gesetze fast unmöglich gemacht hat". Diese besondere Waltungsweise bestehe in einer wunderbaren göttlichen Fürsorge für Israel, die jedoch an die Erfülung der Tlrora-Gesetze im Sinne' des überlieferten Judentums geknüpft sei. Hier offenbart sich ohne w eiteres das Geschichtsdenken des Verfassers in seiner scharfen Gegen-' sätzliclikeit zu dem Geschichtsbegriff des modernen Historikers. M. miXbkrthaij &vö.~ KAUFIN G UITliMl 10 Das Haus für hübsche Geschenke in Vhrei Sehnnck Silberwaren Knltnager&te Wanderung und Siedlung Als Vorsitzender des Kuratoriums des Hilfsvereins hat kürzlich in Stuttgart Max Warburg über die Auswanderung und ihre Probleme gesprochen. \ '■ Er stellte fest, daß etwa ein Drittel aller Glaubensjuden. die Anfang 1933 in Deutschland lebten, ausgewandert ist (ca. 150000) Dieses Drittel umfasse einen außerordentlich großen Teil der ubwrnaiipt auswarfderungsfähigen Menschen unter den Juden. Diese j(5(m)0 Ausgewanderten gehörten überwiegend den erwerbs- und tortttflanzungsfährgsten Altersklassen zwischen 20 und 50 Jahren an. Nachdem der Redner auf die verantwortungsvolle Tätigkeit des Hilfsvereins eingegangen war, hob er die Notwendigkeit hervor, gegen das Absinken des moralischen Niveaus infolge der wachsenden Not und Arbeitslosigkeit bestimmte Maßnahmen auf dem Gebiet der Geselligkeit und geistigen Ausbildung schon in Deutschland zu treffen. Dem AuswanjdtereY müsse das Bewußtsein mitgegeben werden: daß seinmoralisches Verhalten in Übersee von entscheidender Bedeutung für die gesamte Nachwanderung ist und daß er in Übersee night minder als in Palästina eine jüdische Aufgabe zu ei füllen naher"- -—•-——t--— Der Vortragende ging sodann auf die Fragestellung „Binzelwanderung und Gruppemsiedhing" näher ein. Der Hilfsverein hat bisher sich vor allem mit der Einzelauswanderunng befaßt, d. b. er hat einem einzelnen 'bzw. einer oder wenigen Familien, die zusammen gehen wollten. Ratschräge und Hilfsmittel erteilt, diese sogenannte Tropfenwanderung betrieben, anstatt die Gruppenwatwlenwg im großen zu versuchen. Gewiß wäre es sehr erwünscht, wenn Gruppensiedlungen in größerem Maße stattfinden könnten; sie bieten auch gewisse Vorteile für die Erhaltung des iüdischen Gemein Schaftslebens, sie sind aber auch in der gegenwärtigen jüdischen Situation mit großem Gefahren verbunden. Eine Gruppensiedhmg. die in allzu gro&em-Ausmaße von Anfang erfolgt, kann katastrophal wirken, wenn die Erwartungen sich nicht erfüllen; eine elastische rechtzeitige Änderung der Sie!diu«g ist dann kaum möglich. Eine Siedlung sollte also immer verhältnismäßig bescheiden anfangen und aus sich selbst heraus wachsen. Wir müssen sowohl der»Ausbildung des einzelnen Zeit lassen, als auch bei der Siedlung die Zunahme der Siedler erst ganz allmählich fördern, nachdem Erfahrung gesatnimelt ist. In dieser Weise solide aufgebaute Siedlungen! können dann sehr'erfolgreich werden; aber es muß immer wiederholt werden, daß ein Anfang in zu großem Stile außerordentliche Gefahren in sich birgt und Versprechungen in dieser Hinsicht gefährlich, ja unverantwortlich sind. , Der HiHsverein nimmt unter dieser Voraussetzung das größte Interesse an allen Siedlungsplänen und hat sich zur Bearbeitung dieser Projekte zur gemeinsamen Bearbeitung mit der Reichsvertretung. dem Reichs!)und jüdischer Frontsoldaten, dem Jüdischen Religionsverband in Berlin und' dem Centralverein in der Jüdischen Landarbeit, der sog. IIa. zusammengeschlossen. Aus der Gemeinde München XI. Symphoniekonzert des Kulturbundorchesters München Die oft gerühmte Disziplin und Tonsdhönheit unseres Kulturbunds— Orchesters führte diesmal auf eine künstlerische Höhe, die für ein nicht aus ßerufsnrnsikern bestehendes Orchester wohl das Maximum des Erreichbaren darstellt. So schön, so, bis ins Letzte alle________ Intentionen- -ihres Dirigenten-"verdeutlichend, haben unsere Musiker noch-nie gespielt! Auch die Bläser des Deiliirei Kulluiimndes,- die diesmal wieder in ihrer Gesamtheit zur Mitwirkung erschienen waren, gaben ihr Bestes, utad ließen namentlich in den Holzbläsern prächtige Leistungen vernehmen. Vollends bedeutete das Konzert für den Dirigenten. Kapellmeister Erich Eis n er, einen Triumph, vielleicht den größten Erfolg, den er an dieser Stätte mit seinen Getreuen je zu erringen vermochte. Zu Beginn des Programs stand die Dritte Symphonie von Dvoräk. ein Werk, das keineswegs zum eisernen Bestand1 der öffentlichen Kortizertprogramme gehört; man begegnet ihm nur höchst selten. Das mag seinen Grund darin haben, daß sich der Komponist hier noch nicht als der große und ursprüngliche Schöpfer entfaUet. als den wir ihn ,in späteren Werken (namentlich in der Fünften Symphonie) erkennen. Ein strenger Klassizismus formt die Sympbonifc. die sichtlich im Banne des Brahmscheri Genius steht. Trotizidem bietet sie so viel Schönes an Einzelheiten, daß sich die Aufführung äußerst lohnend gestaltete. Wie ein liebliches . I

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