Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Volume
- 14 (Ausgabe A) (1938)
- Issue
- 8 (15.4.1938)
- Date
- 1938-04-15
- Page
- Seite 116 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/10638461-6435885-6435898--281-3770798- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
116 Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern Nr. 8 Zum andern sind es die beiden liberalen Gemeinde-Versuche in Jerusalem und Haifa. Es hat nicht nur am Auge des Beschauers gelegen, wenn diesen Versuchen hier ein Platz eingeräumt wird, der ihre zahlenmäßige Größe übersteigt. Das Recht zu dieser Beurteilung wird abgeleitet aus derfprinzipiellen Geltung des Versuchten. „Liberales" Bemühen ist hier wieder zurückgegangen auf das Ursprüngliche seiner Kraft und seiner Berechtigung. Es ist nicht mehr erkennbar — oder gar meßbar — am Äußeren seines Auftretens (es gibt dort keine Orgel und keine deutschen Gebete), sondern an der Lebensnähe seines Wollens. Hier bginnt man damit, an jene bisher so ganz fern stehenden Menschen und Kreise religiöse Fragestellung heranzutragen. Den Menschen, der sich absandte, zum Zuhören zu bringen, ist das Ziel dieser „jnnerjüdischen Mission" (ein Begriff des Leiters der liberalen Gemeinde in Jerusalem. Rabbiner Dr. Wilhelm). Mühselig ist das Beginnen, oft verkannt, nicht selten angefeindet. Wachsend ist aber die Zahl der Menschen, die zu den Gottesdiensten kommen, und der Jugend, Uic aus den Absichten der Gemeinden herausfühlt, daß gerade Jugend hier Verständnis findet und Antwort auf ihr Suchen. Lehrhaus. ScliulerTßgendgruppe sind die Stätten, von denen aus mit den weit abgetriebenen Menschen aus dem Westen — und schon kommen auch Menschen des Ostens — zusammen ein Weg, ztt religiösem Sein und Leben gefunden werden soll. Es ist nur zu wünschen, daß zu dem Versuchen dieser beiden Gemeinden sich auch das au anderen Stellen im Laude anhebende Suchenhierbei sind gleichfalls Lehrer und Jugendführer aus dem liberalen Judenrum Deutschlands führend beteiligt — hinfinde. Es wird ein hartes, aber im Interesse von ganz Israel gelegenes Ringen sein, um das. was noch unbewußt in den Menschen liegt.'zu Bewußtsein zu heben. Daß sie die Menschen, die abseits des Religiösen leben, nicht steh selbst überlassen, daß sie zu ihnen hingehen, ist Schwierigkeit und Verdienst aller derer, die sich darum bemühen. Israel ist nach 2000 Jahren der Wanderung heimgekehrt Glaubt man, die Spuren seiner Wanderung wären so schnell verwischt? So manche Wunde, die langer Weg verursacht, wird jetzt erst allen Augen sichtbar werden. Aber „die Luft von Erez Israel macht weise" und ..aller Weisheit Anfang ist Gottesfurcht". Verband boyer. isr. Gemeinden - Gabrlel-RlcQer»Stlltung- Für die demnächst zur Verteilung gelangenden Stipendien aus der Gabriel-Rießer-Stiftung sind Gesuche bis Ende April bei dem Vorsitzenden Rabbiner Dr. Behrens (Fürth i. Bay„ Nürnbergerstr. 29) einzureichen. Berücksichtigt werden in erster Linie Studierende an Hochschulen. Akademien uHd sonstigen Anstalten, für berufliche Studien. Reife- und Prüfungszeugnisse sind in beglaubigter Abschrift vorzulegen. Die Stiftung ist in erster Linie für Studierende aus Bayern bestimmt. N Aus der Gemeinde München Gemeindesitzung Am 21. März versammelten sich Vorstand und Gemeindevertretung der Israelitischen Kultusgemeinde München zu vielstündigen Beratungen. Der Vorsitzende Dr. med. Marschütz eröffnete sie mit Gedenkworten für San.-Rat Dr. Fritz Baron, der an führender Stelle zahlreicher Gemeindegremien die hohen Werte seiner von idealistischem Schwung und Uberzeugungstreue erfüllten Persönlichkeit verwirklicht hat. — Als sein Nachfolger wurde in den Gemeindevorstand Dipl.-lng. Karl Stahl gewählt, den Herr Dr. Neumeyer begrüßte. Fünf satzungsmäßig aus dem Gemeindevorstand ausgeschiedene Mitglieder wurden wiedergewählt, Dr. S. Keßler wurde als" neuer Abgeordneter der Gemeindevertretung bewillkommt. — Zur Frage der Oberschule der Kultusgemeinde wurde erklärt, daß dem Plan nicht näher getreten werden kann. Nach eingehender Aussprache wurden dem Jüdischen Turn- und Sport-Verein für unvorhergesehen eingetretene neue Bedürfnisse Mittel gewährt; die entsprechenden Beschlüsse fanden, trotz des Wunsches und der Notwendigkeit, größte Sparsamkeit im Gemeindehaushalt walten zu lassen, Annahme, da die liöhe Bedeutung des Itus tür die Schulung unserer Jugend allgemein anerkannt wurde. Dem Verkauf eines gemeindlichen Grundstückes sowie der Beteiligung an Aufnahmeeinrichtungen für schulentlassene Waisenkinder in Palästina wurde einstimmig die Genehmigung erteilt. Mit Interesse wurden 'Mitteilungen über die große Zahl von Anmeldungen zu dem geplanten Umschicht-Lehrkurs für Autogen- und Elektro-Schweißen in den Lehrwerkstätten des Landesverbandes Kenntnis genommen. — Nach Erledigung von einigen kleineren Vorlagen schloß der Vorsitzende gegen Mitternacht mit Dankesworten die Beratung. Schuleinschreibung Die Einschreibung in die jüdische Fortbildungsschule findet am Donnerstag, den 26. April, vormittags von 9 bis 12 Uhr in der Herzog-Rudolf-Straße 1, Rückgebäude. statt. Die Pflicht zum Besuche der Fortbildungsschule schließt sich unmittelbar an die Entlassung aus der Volkshauptschüle an. Der Schulpflicht in der vorgeschriebenen Dauer unterliegen auch die Schüler und Schülerinnen, die eine höhere Schule oder eine Berufsschule besucht haben. Schüler und Schülerinnen, die mindestens 6 Klassen einer höheren Schule oder mindestens 2 Klassen einer Berufsschule oder mindestens 2 Klassen einer Berufsfachschule mit Vollunterricht erfolgreich besucht haben, sind nach lOjährigem Schulbesuch auch an Orten mit verlängerter Schulpflicht vom weiteren Besuch einer Berufsschule befreit, es sei denn, daß sie in einem gewerblichen Lehr- oder Anlernverhältnis stehen. (Bek. d. Staatsm. f. Unt. u. Kult. v. 22.3.38 Nr. III 16707, über die Dauer der Berufsschulpflicht) » Zur gleichen Zeit und ebenfalls in den Räumen der Schule (Rückgebäude 1) erfolgt die Einschreibung in die 9. Klasse an der jüdischen Volksschule (A u f b a u k I a s s e). Die Aufbauklasse hat die Aufgabe, den Schülern eine erweiterte und vertiefte Bildung zu geben und zugleich ihren Eintritt ms Berufsleben zu erleichtern. Der Unterrichtsplan der Aufbauklasse umfaßt folgende Fächer: Religion, Iwrith, Englisch, Deutsch, Rechnen, Geschichte, Erdkunde. Naturkunde, Maschinenschreiben, Stenographie, Werkunterricht für Knaben, Handarbeitsunterricht und Hauswirtschaft für Mädchen und Turnen. i Zur Einschreibung ist das Schlußzeugnis der Volkshauptschule bzw. der Lehranstalt, die der Schüler verläßt, mitzubringen. Auswärtigen Schülern, die in die Aufbauklasse eintreten wollen, w-ird auf Wunsch gerne preiswerte Unterkunft nachgewiesen. Die Schulleitung. Abschied. Von Lehrer Siegfried Glaser In den nächsten Tagen verläßt Herr Lehrer Siegfried Glaser unsere Gemeinde, um sich in fremdem Lande eine neue Heimat zu schaffen. Die Gemeinde München, die Eltern vieler Schüler und ein großer Bekanntenkreis bedauert den Weggang dieses allseitig beliebten Menschen, dieses pflichttreuen Erziehers, der sich in den zwölf Jahren seiner segensreichen Tätigkeit Liebe und Alierkennung in reichem Maße geschaffen hat. Seinen vielen Schülern die er von 1926—1934 als J?eligionslehrer an den verschiedenen Volks- und Mittelschulen urid seit 1934 als Lehrer an der Jüdischen Volksschule München betreute, war er stets ein wohlwollender und liebenswürdiger Lehrer und Freund. Gerne werden Eltern, Freunde und Kinder seiner stets gedenken. Wir wünschen dem Scheidenden und seiner Gattin Glück und Segen auf seinem weiteren Lebensweg. Jüdische Jugendhilfe E.V. \-' Kurse für Nähen and Schneidern In 1—2|ährlger Ausbildungszelt beginnen am 2. Mal 1938. Meldungen an die Israelitische Jugendhilfe E.V.. München, Antonlenstr. 7. Tel. 35 7 31. Handelsfächer im gemeindlichen Lehrhaus Die kaufmännischen Kurse nehmen ab Montag, den 25. April, ihren Fortgang: Montag 7—8 Uhr abends Maschinenschreiben; 8—9 Uhr abends Stenographie. — Donnerstag 7—8 Uhr abends Maschinenschreiben; 8—10 Uhr abends Buchführung. — Dauer bis ca. Mitte Juni! Neuanmeldungen bei Frau Else Gunz in den Kursstunden (Herzog-RudoH-Straße 5 i. d. Fortbildungsschule). Sonntag, den 24. April und Sonntag, den 1. Mal, Singkreis Im Bibliotheksaal nachm. &5 Uhrl r~