Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Volume
- 14 (Ausgabe A) (1938)
- Issue
- 3 (1.2.1938)
- Date
- 1938-02-01
- Page
- Seite 34 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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34 Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern Nr. 3 der weißen Rasse angehörenden Landarberterschaft wie in Teilen Südafrikas, ob in einem industriell hoch entwickelten Lande wie in den Vereinigten Staaten von Nordamerika oder in einem erst am Anfang der industriellen Entwicklung stehenden Lande wie Columbien, ob innerhalb einer in jeder Richtung ausgebildeten jüdischen Gemeinschaft wie in Palästina oder innerhalb einer fast judenfreien Umgebung wie etwa in Ecuador. Der. Auswanderer jeder Nationalität, der nicht aus Freude am Abenteuer sondern aushartem Existenzdruclc hinausgetrieben wird, lenkt seine' Schritte stets dahin, wo er berufliche und menschliche Ansatzpunkte findet. Uas gilt in erhöhtem Maße von dem jugendlichen Auswanderer, der den Weg allein in die fremde Welt überhaupt nur antreten kann und darf, wenn er ihn zu solchen-festen-Stützpunkten hinrichten kann, wenn er menschlich und in seiner Arbeit Wurzelschlagen und „bodenständig" werden kann. . Die Aussicht, bodenständig zu werden, eine Heimat zu finden, hat der junge Mensch vor allem in Palästina. Hier allein kann er auch seine nationale Frage als Jude lösen, braucht er sich nicht fremdem Volkstum anzupassen sondern kann zu seinem eigenen Volke zurückkehren. Hier Avartet auf ihn eine Gemeinschaft von gleichem historischem und religiösem Schicksal, hier ist er kein Fremder, sondern ein heimkehrender Sohn des Volkes. Es empfängt ihn eine Gemeinschaft, in deren Mitte er leben kann, schnell eingeordnet in engere Kreise, die ihm das Gefühl nehmen, allein zu sein. Sein persönlicher Einsatz dient nicht allein der Lösung seiner Existenzfrage, sondern, am richtigen Ort. zugleich der Schaffung neuer Lebensmöglichkeiten für sein Volk. Die Entscheidung für Palästina bedeutet aber auch, Entbehrungen auf sich zu nehmen, auf manches zu verzichten, was andere Lander besonders auf wirtschaftlichem Gebiet vielleicht einzelnen geben können. Die politische Lage in Palästina ist im Augenblick ungeklärt, die Gefahr der Arbeitslosigkeit besteht, ohne daß ein5 ausgebautes System sozialer Fürsorge vorhanden ist. Neben der« Entscheidung des Auswauderungslandes muß die Frage Handarbeit oder Kopfarbeit, wie-man sie in einer unzulässigen Vereinfachung formuliert, geklärt werden. Auf Grund unserer beruflichen Tradition oder auch aus sozialen Aufstiegs- Wflnschen wird auch heute noch viel zu oft der handarbeitende Beruf abgelehnt. Aber selbst v>enn wir alle Wünsche auf eine Änderung der henrt'richeiT'Scjiiclitutig der Juden außer Acht lassen dürften, zwingen uns doch eine große Reihe von wichtigen Erwägungen zur Ik'tnuung der Handarbeit. ' —a) Die Ausbilduiigsinögllchkeiteii für akademische Berufe stehen uns in Deutschland nur in sehr beschränktem Umfange zur Verfügung. Künftige Berufsstellungen, innerhalb der jüdischen Bevölkerung, wie Rabbiner. Lehrer. Kindergärtnerinnen werden aus den bekannten. Gründen immer weniger zu be- —., setzen sein. Wer sich für reinen freien akademischen Beruf entscheidet, der muß sich darüber klar sein, daß nur bei höchster Begabung die Opfer zu rechtfertigen sind, die ein Auslandsstudium auferlegt, und daß auch die Aussichten eines Akadeniikers mit ausländischer oder ohne Staatsange- . ' Hörigkeit in keinem Lande groß sind. » b) Die Einreise- und arbeitsrechtlichen Bestimmungen der meisten Einwanderungsländer — mit Ausnahme der Vereinigten Staaten von Nordamerika — bevorzugen handarbeitende Einwanderer und schließen oft genug Kaufleute und Akademiker von dei—Einwanderung völlig aus. Auch in den Vereinigten Staaten haben Einwanderer mit handwerklicher Ausbildung bessere Berufsaussichten als manche- Gruppen von Akademikern und Kaufleuten. . . c) Die berufliche Zusammensetzung der jungen jüdischen Auswanderer aus Deutschland, die nicht nach Palästina gegangen sind, und die sich in ihren Einwanderungsländern eingeordnet haben, entsprach zwar weitgehend auch nicht der Forderung nach Handarbeitern. Aber abgesehen davon, daß ein nicht unbeträchtlicher Teil'von ihnen dann nach der Einwanderung die Umschichtung, zur Handarbeit vornehmen mußte, viele als Hausierer und fliegende Händler „von der -Hund in den Mund" leben, .hahen von den mittellosen Ein Wanderern im wesentlichen nur solche Arbeitsmöglichkeiten gefunden, die über Spezialkenntnisse und wertvolle Erfahrungen verfügten. Diese Spezialkenntnisse kann aber die junge jüdische Generation in Deutschland jetzt kaum noch erwerben, so daß sie auch dieser Umstand stärker auf die Handarbeit hinweist Auf Grund dieser Überlegungen muß für den größeren Teil unserer Jugend die Empfehlung handarbeitender Berufe ausgesprochen werden, die kaufmännischen und intellektuellen Berufe, die noch in Frage kommen, sollen den hierfür überdurchschnittlich Begabten vorbehalten bleiben, die außerdem über besonders umfangreiche Sprachkenntnisse verfügen. In unmitelbarem Zusammenhang damit steht die Frage nach der Art und Dauer der Schulbildung, die der Berufsausbildung vorangehen soll. In dieser Beziehung können natürlich nur Mindestforderungen und keine für alle geltenden Vorschläge aufgestellt werden. Danach muß eine mindestens 9 Jahre dauernde, auf einen Abschluß gerichtete Gründschulbildung gefordert werden. Zu der achtklasslgen Grundschule soll ajso noch ein neuntes Schuljahr kommen. In dem die Grundlagen einer Fremdsprache ' und eine Vertiefung der judentumskundlichen Fächer gegeben werden sollen. Zu Ehren Marlin Bubers Zu seinem 60. Geburtstag am.8. Februar Diese Blätter haben oft in den letizten zehn Jahren der Interpretation der Gedankenwelt. Martin Bubers und seiner Bemühungen um eine Erneuerung des Judentums gedient. Die Ideen und praktischen Aufgaben, die 'der ReUgtoauplmlosoph. Bibelexeget und Kulttrnkreis-Forscher Martin Buber der Jugend und allen Aufgeschlossenes unter uns gezeigt hat, sind nicht leicht verständliches oder erbauliches Biklungssut. sondern sollen den Leser oder Hörer aufhorchen lassen, ihm nicht Gerngehörtes und Geläufiges geben, sie sollen ihn über Fragen und Nöte des Tages hüiwegführen zur anstrengenden Besinnung über sein jüdisches, Soaderdasein. Kein unerbittlicherer Kritiker des iiidis Hellerer Frager nach der Bewandtnis gangemheit und Gegenwart, aber auch derer und Schatztoewahrer unseres drucksweit in Sprache. Kult und Frc ganz abseits von allem Hergierj Wesens, kein unermüdseres Eigengutes m Ver- :in glühenderer Bewun- :n .Geistes, unserer Ausit als Martin Buber. Tonventionell;iT! Samstag, den 12. Februar im Itus-Saal 20.30 Ubr Vortrag Dr. Georg Lubinski-Berlin Berufsausbildung der Juden in Deutschland.