Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Volume
- 14 (Ausgabe A) (1938)
- Issue
- 3 (1.2.1938)
- Date
- 1938-02-01
- Page
- Seite 35 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 _ . < v Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern 35 Die letzten Jahre sah man ihn wachsen, sich vertiefen, im Lehren lernen, noch näher an die hebräische Sprache und an die Umgangssprachen der Umwelt, an die geheimnisvolle Frage des '* „Übersetzens", des kiterpretierens und Verstehens fremder Seelen und Kulturen heranbringen. Werke und Schriften eigentümlichen Glanzes, oft anziehender Fremdheit liegen auf seinem Weg in den schweren Jahren seit 1933. Die Judenheit in Deutschland, vor allem die beste Jugend hat ihm, der kein Rabbiner- und kein Lehramt bekleidet, die einzige heute unter uns noch gültige Legitimation, das Vertrauen, übertragen. Hier spürte jeder bei jedem Satz, daß nichts knvornherein-Fertiges, Glottes. Eingelerntes. Geöltes oder Rhetorisches sich ausdrücken und geben wollte. Auf Bubers Wort hören mit dem gleichen ernsten Willen, zu verstehen und danach zu bandeln, alle Alterklassen, alle „Richtungen" unter uns. Der Versuch, Martin Bubers Wirken, sein erstaunlich reiches literarisches Werk, sein großes Wollen in knappen Strichen zu zeichnen^ ist von Vielen unternommen worden. Diese Blätter haben nicht die Aufgabe, sich an diesen Versuchen zu beteiligen. Der 60. Geburtstag Martin Bubers. eines Mannes, dem mit Formeln und journalistischen Wendungen am wenigsten herzukommen ist soll uns lediglich Anlaß sein, ihm unsere Verehrung und unsere Wünsch j für seine neuen Pläne darzubringen, den Leser^b^Twlederan-daa—— reiche und tiefe Schrifttum zu erinnern, das uns gerade in den letzten fünf Jahren von einem jüdischen Forscher und echten Lehrer geboten wurde. . F. ^IK \ 1/ Aus der Gemeinde München Lehrhaus der Kultusgemeinde Der Lehrplan, welcher der vorigen Nummerdes Gemeinde- Wattes beigefügt war, weist ab Februar insofern eine Änderung auf. als tfer am Mittwoch, den 16. Februar, beginnende Kurs van Hjerrn Dr. Alfred Perlmutter (Gesc Iii chtc der englischen Kolonialpolitik) erst um 21.15 Uhr (nicht 20.15) im Sitzungssaal beginnt, während die Fortsetzung des Kurses von Herrn Dr. Benno Silberschmidt (Hauptströmungen der modernen Philosoph«: Wiederbeginn Mittwoch, den 16. Februar) auf 20.15 Uhr verlegt wird. Am Samstag, den 12. Februar (abends 8.30 Uhr), findet bei freiem Eintritt Im Jtus (PHnganserstraBe 76) der Vortrag von Herrn Dr. Georg Lubinskl über „Berufsausbildung der Juden in Deutsch- —tand5^** Münchener Zionistische Vereinigung Sthloner.tr. 2 I Tel. 53 0 52 Wir weisen schon jetzt darauf bin, daß wir für Sonntag, den 13. Februar 1938 eine Stadtkonferenz der MUnchener Zlonisten vorbereiten. An dieser außerordeiitlfcfe-wichttgen Konferenz werden die Herren Dr. Hans Friedenthal (gesohäftsführender Vorsitzender der ZVfD) und Dr. Georg Lubinski (Mitglied der Redchsvertretung), Berlin, teilnehmen, in Verbindung mit dieser Konferenz wird eine Tagung des erweiterten Vorstandes des Zionistischen Gruppenverbanides Bayern stattfinden. Einladungen und Mitteilungen über die Einzelheiten ergehen noch an alle Gesinnungsgenossen. . Nächster Eintopf-Sonntag 12. Februar 1938 Hebräische Sprachkurse Müchen Am Samstag.' den 12.-Februar, 19.30 Uhr. findet der nächste Chug-Jwri statt. Vorträge Uber Neuformung der Judenfrage und der zionistischen Ideologie Die Vorträge von Herrn Max Weiner. am 4. und 11. Januar, boten den itwa 70 Teilnehmern einen guten Überblick über die Entwicklung und Veränderung der Judenfrage in der Verlangen4feit bis heute und im Anschluß daran einen instruktiven Abriß über die Wandlungen 'der Grundlagen der zionistischen Idee, deren Konstruktion siel} bewährt bat. Es kann hier (leidjr aus Platzmangel) auch nioht in kurzen Zügen der Inhailt der Vorträge wiedergegeben werden. Der Redner führte in straffer übersichtlichsr Gliederung für Zionisten und Nichtzionisten die Hauptzüge der jüdischen Wanderungen, ihrer Gisetzuiäßigkeit und ihrer Ursachen in den Hauptepochen Kier-'GeseiHchte vor^t^h^^mrterung der sozialen und Umwelt-Lage des Judentums im 30, Jahrhundert kam der Vurtragende zu dem Ergebnis, daß die Judenfrage als politisch-soziales und sceliscli-kulturjllcs. also nationales Problem grundsätzlich gleich geblieben ist. Ähnliches gilt von der Idee des Zionismus trotz aller Veränderungen in der sozial-wirtschaftlichen Lage und in den Schicksalen der jüdischen Gruppe in der ganzen Welt. Die Folgerung aus dem reichen und beredten Tatsachenmaterial ist die weiter geltende Forderung: Palästina als kulturelles und politisches Kraftzentrum des jüdischen Volkes, während für die Galuth-Länder den zentrifugalen Kräften bewußt durch eine nationaljüdische Kultur- und Sozialpolitik entgegenzuwirken ist! Beherrschung des weitsch'ichtigen Stoffes sowie eine klare und bildhafte Vortragsweise machten die Vorträge von Herrn Weiner zu vorzüglichen Informationsstuivden über den gegenwärtigen Stand der Judierrfrage in der Welt, vorallem über das zionistische Problenn. Die Hörer folgten mit größter Aufmerksamkeit; die auf die Vorträge folgenden lebhaften Diskussionen zeigten, daß der Redn;r seine Höfer stark gefesselt hatte. Jüdische Winterhilfe Die Not unserer Gemeindeangehörigen ist gestiegen. Hunderte müssen betreut wer dun, Hunderte brauchen das Nötigste an Kleidung und Wäsche. Einzahlungen au! Postscheck-Konto: Jüdische Winterhilfe München Nr. 4584fr