Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- Fünfter Jahrgang (1865/66)
- Issue
- Beilage zum Jeschurun (1865)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 82)
- Language
- Hebrew
- Belongs to
- journal issue
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80-- sie mußten auf der entgegengesetzten Seite des großen Gartens sein — eine Nachtigall aber schlug melodisch ein Lied, und aus dem purpurnen, sternbesäeten Himmel glänzte HeSperuS über das liebeglückliche Paar. -— Der Ball bei Baron Wingen war vorüber, Rode ging in seinem Zimmer heftig auf und ab, er war eben aus der reichen Gesellschaft zurück gekehrt, das Frühroth drang durch die geschlossenen Gardinen — im Zimmer war es auffallend kühl. Er blickte zum Fenster hinaus, das spähende Auge nach jener Seite richtend, wo man den obersten Giebel des PallasteS Wingen emporragen sah. Dann warf er sich wieder auf das Sopha, um von ihr zu träumen, aber je eifriger er sich ihr geliebter Bild vorzustellen suchte, desto eigensinniger schien es sich ihm verbergen zu wollen. Immer wieder steckten sich Fratzen dazwischen, und plötzlich stand ein Frauenbild vor ihm, gehüllt in lange, wallende, weiße Gewänder. Er wollte lachen über das tolle Bild — aber dar Lachen erstarb auf seinen Lippen. Schauer durchrieselte ihn, seine Haar« bäumten sich, wenn ihn die weiten, großen Augen, in denen ein so namenloses Wehe lag, anstarrten. Mit einem wilden Schrei: ״Mathilde!" fuhr er heftig auf. ״Nein, Du bist Mathilde nicht! eist der Tod, der Deine Gestalt geliehen." — Daschreckliche Bild war verschwunden, aber noch hatte Ernst sich nicht beruhigt, daß er nur ein Bild gewesen; so deutlich hatte er mit geschlossenen Augen jedeSmal im Zimmer, den Sonnenstrahl, der jetzt schon hereindrang, Alle-, Alles gesehen! ״Warum beute gerade heute dies fürchterliche Bildl Mußtest Du sterben, damit ich sie lieben kann? Ist denn