Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- Fünfter Jahrgang (1865/66)
- Issue
- Beilage zum Jeschurun (1865)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 71)
- Language
- Hebrew
- Belongs to
- journal issue
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«9 glaubte eine schöne Stimme gu besitzen, und «enn er Lamstag stütz seine Toilette machte, sang er:dazu am offenen Fenster; und wenn er Sonntag .Morgens, wo die Geschäfte nicht drängten, sich an einem kleinen Spiegel der Lichtung des Fensters selbst rafirte, intonirte er mit einer recht. hübschen Stimme eine Opernarie nach der andern.! Nie hat sich.jemand mit mehr Behagen rafitt als Onkel Lob, so nannte man. ihn im Hause. ״So kannst du mich betrüben, Othello kannst du lieben 3" Jetzt die Seife eingestrichen. ״Treibt der Champagner das Blut in die Kreise, ist das Leben herrlich und frei."— Dar Messer wird geschärft. — ״Ihr Fischer, wacht aus! singt die Bacarole." — Erster Strich.über die Oberlippe, während die linke Hand die Nase festgeklemmt hält — jetzt läßt sie die Nase los. ״Gnade — Gnade für die arme Seele." Zweiter Strich, die Rase wird wieder sestgenomnlen; Löb hat Lust und trällert einen siadisch in der Melodie: ״Mein Herr, mein Gatte, Ge-- siebter, wo weilst du?" — War dann die Bartabnahme vollendet, dann fiel eine Arie wild in die andere: Valentine in die Klagen Robert des Teufels, die Nacht- «andlerin in die Verzweiflung Don Jüans. ״O welches Glück Soldat zu sein," wechselte mit ״daS Gold ist nur ihimäre" — und alles das fühlte Löb fo musikalisch und moralisch mit, daß eine Maske wohl recht hatte, wenn sie ihm an einem Purim den Spottnamen Löb Singer gab. Das war aber Löb's einziger Fehler; er ätirte ״Opernarien" und man lachte dann über ihn wie Sestern Ernst, der mit Mathilden stritt, und sich durch Onkel LöbS heitere» Dazwischenkommen erst wieder mit ihr versöhnte, denn Löb liebte das arme Waisenmädchen; — uiemand im Hause wie er wußte davon, daß Ernst längst bi« Jugendfreundschaft in schwärmerische Liebe verwandelt hatte; daß die kindischen Spielereien der zwei jungen \