Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- Fünfter Jahrgang (1865/66)
- Issue
- 1866
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 114 (sequence 118)
- Language
- Hebrew
- Belongs to
- journal issue
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114 geblich nach süßen, schmackhaften Früchten suchen würde. Ganz so bedarf das größte Talent selbst, um ein Vollkommenes und Befriedigender zu Stande zu bringen, eines gewissen Aufwandes von ruhiger. ungestörter Muße, und wird die — aus welchen Gründen immer — in Eile und Ueberstürzung arbeitende'Phantasie stetnur Unreifes, nach dieser oder jener Seite hin viel z» wünschen übrig Lassendes, zu Tage fördern. — Bei dem ״Kozsicer Magid“ ist entschieden das Gegentheil der Fall, nnd kann derselbe in jeder Beziehung den besten Erzeugnissen aus novellistischem Gebiete angereiht werden. Was das religiöse Moment in unserem Buche anlangt, so sucht der Verfasser vernünftigerweise niemals seine subjektive Ansicht kund zu geben, sondern vom Gesichtspunkte der Psychologie und Logik aus seine allgemein gehaltenen Bemerkungen zu machen, und wird gegen dieselben wohl schwerlich irgendwo in unserem Buche ein Fehler begangen worden sein, mit Ausnahme des 39. Cap. im ersten Theile, ״das Histörchen" überschrieben, insofern eS den seitwärts stehenden Minister und seine dem Könige gegebene Auskunft betrifft. Ein Minister enthüllt nicht so ohne Weiterejedem a«f offener Straße (I) ihn um Auskunft Angehenden, ״woraus er und seine Kollegen ihren Privatvortheil ziehen", nnd that es uns herzlich leid, daS Geistvolle de- ״Histörchens" durch die psychologische Unwahrheit desselben alterirt zu sehen. — DaSBuchistdurchauS keinTendenzwerk, und wird deshalb gerade, wie alle objektiv gehaltenen Darstellungen, die Erkenntniß von den"schrecklichen Folgen religiöser Werkheiligkeit, die nicht aus Kenntniß der schriftlichen und mündlichen Lehre beruht und-nicht mit Bildung des Herzens und GemütheS Hand in Hand geht, dem der Bildung bedürftigen jugendlichen Leser auf di« nachhaltigste Weise in die Seele präge».—