Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- Fünfter Jahrgang (1865/66)
- Issue
- 1866
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 42)
- Language
- Hebrew
- Belongs to
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98 und diese für den Hebräer vor Gott, dem Schöpfer, vollständig zurücktrat. Aber in der lyrischen Poesie und wahrscheinlich auch in der Musik, ^deyjenigen Künsten, die den Gefühlen Ausdruck verleihen und die eS nicht bei dem Kultus der materiellen Schönheit bewenden lassen, haben die Hebräer alle Völker des AlterthumS übertroffen. Auch in der Philosophie habe» die Hebräer nicht geglänzt, denn die Philosophie ist der Kultus der menschlichen Idee, die, wenn sie eben nur sich selbst als das Höchste erkennt, zuletzt nothwendig zum Pantheismus führen muß. d. h. zu einem Gotte, der in seinen Bewegungen nicht frei ist, der die Welt nicht nach seinem Willen geschaffen und der nichts, als das organifirende Fatum der vergötterten Welt ist. Ich bitte, dah Eie nicht den. Sinn meiner Worte mißverstehen und glauben, ich wolle einen Ausfall gegen die Philosophie machen. Davor bewahre mich Gottl Ich bin nur ein Gegner des Pantheismus, der, nach meiner Ueberzeugung, mit bem Atheismus identisch ist. Der menschliche Geist entspringt auS dem Geiste GotteS; der Mensch ist, wie die Schrift sagt, nach GotteS Ebenbild geschaffen. Aber ich glaube, daß es zwischen dem menschlichen Geist und dem absoluten Geiste, welcher Gott ist, eine incommensurgdle Beziehung giebt und daß der menschliche Geist da» Absolute nurannähernd ermeffen kann. Gestatten Sie mir, die--durch «in Beispiel zu erläutern, das ich der Matheniatik entlehne: Die Hyperbolische Kurve und ihre Asymptote sind zwei Linien, die bei ihren Ausgangspunkten sich in einer gewiffen Entfernung von einander befinden; je mehr man dieselben verlängert, um so mehr nähert sich die eine der anderen; aber auch wenn man sie in'S Unendliche verlängert wer-' den sie sich doch niemals berühren; vielmehr wird stets