Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1903-03-01 · Heft 12 (März 1903) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
1 (1902-1903)
Issue
Heft 12 (März 1903)
Date
1903-03-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3537599-3553284-3553295--0202-3553485
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

202. No. 12. Behörde schenkte ihm besonderes Vertrauen. Doch bekommt j(im und den. Seinen, besonders seiner Fraji, welche wegen eines BrusÜeidens einen Leydener Professor konsultieren musste,. das Klima nicht Auch verleidet ihm die Ueberhebung eines ehrsüchtigen Reichen sein selbstloses Wirken. - Er nahm für seine Tätigkeit nichts bezahlt, sondern, ernährte sich von einem Geschäft, welches er mit einem zuverlässigen Bekannten in Kompanie betrieb. Mit schwerem Herzen sehen ahn die Emdener ziehen. Sie haben ihm lange Zeit keinen Nachfolger bestellt. So kommt denn der Vielgewanderte endlich nach Altona.. Seine Frau war zur Hochzeit des ältesten Sohnes gereist, der mit 16 Jahren zum Grossvater nach Brod gekommen war. Kurz vor seiner Uebersiedeluhg hatte Emden die Altonaer rechtzeitig vor Schwindlern gewarnt, welche mit gefälschtem Beglaubigungsschreiben für die Gemeinde Minsk sammelten. In Altona wird er von den Angesehensten freundlich begrüsst. Er schliesst sich dem gelehrten Mose Chagis an, dem mutigen Vorkämpfer gegen den Irrlehrer Chajon. Zwischenträgereien stören später das Verhältnis. Emdens körperliche Schwäche erschwert ihm den Besuch der Altonaer Synagoge. So richtet er sich denn, wie es Chagis getan, eine Betstube in seinem Hause ein. Doch aus Ranküne verbot ihm einer dei Vorsteher in den Monaten, in denen er des Amtes waltete, diese Zusammenkünfte. Es war Joel Schwa, jener Freund seines Vaters, der ihm seine Einkehr in das Haus des Berend Cohen nicht verzeihen konnte. Dadurch, so meint nun Emden, kam ein schweres Verhängnis über die Gemeinde: ein Totschlag in der Synagoge. Es hatte sich ein fremder Taugenichts im Synagogenhofe eine Pfeife angesteckt und blies den Rauch in die Synagoge hinein. Ein gewisser Efraim, ein trefflicher frommer Mann, wollte dem Unfug wehren und schlug dem Kerl, als er auf seine Ermahnung nicht hören wollte, die Pfeife aus dem Mund, worauf jener, das Messer zog und Efraim erstach. Die Untat hat keine Sühne gefunden, da das Gericht aus Mangel an stichhaltigen Zeugenaussagen dem Mörder einen Reinigungseid zuschob und dieser ihn leistete. Wovon lebte nun Emden in Altona? Wie er selbst berichtet, gaben sich damals die deutschen Rabbiner viel mit Ehestiftungen ab. Er selbst bekennt jedoch für seine Person weder die dazu erforderlichen Geschäftskenntniisse, noch die Zeit zu dem ausgebreiteten Briefwechsel zu besitzen. Er handelt mit Edelsteinen, mit Waren, die ihm ein Freund aus England schickt, leiht armen Leuten Geld auf Pfänder, ein Geschäft, welches seine Frau schon vorher mit gutem Erfolg auf eigene Faust betrieben hatte. Mit Vorliebe liess er sich von kleinen Leuten zum Beschneiden wählen, wobei er sich's etwas kosten liess. Auch bekam er von London gelegentlich Qeld zur Verteilung an Bedürftige. So war er bei dem Gros der Gemeinde überaus^ beliebt und, bis auf jenen einen Vorsteher, auch mit den Angesehenen und Reichen, selbst mit den einstigen Gegnern seines Vaters, be- . freundet. Ja, die -Gemeinde sandte ihm sogar, als besondere Auszeichnung.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.