Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 12 (März 1903)
- Date
- 1903-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- --o- ^200. No. 12. iC* j^^/rr'.' ' " , '^h^mVJ c Jüdisches Selbstbewusstsein. ""^ /"Die Zeit ist noch sehr kurz, seitdem man begonnen hat, zu klagen,. äässudie' Juden an einem Mangel" an Selbstbewusstsein leiden. Als ich 'akademischer Bürger war, wurde im Gegenteil gerade in jüdischen Kreisen'i darüber geklagt, dass wir Juden an einem Zuviel von SelbstbewusstrS(än% krankten. Da diese Zeit noch nicht so weit zurückliegt und sich ,; Verhältnisse fast ebenso wenig geändert haben, als die Charaktere der" Juden, so muss man eben annehmen, dass das Wort Jüdisches Selbst- ' be^ssfeein einen andern Begriff darstellt, wenn man es in tadelndem '-Sirine -"den Juden vor fünf und zehn Jahren vorwarf, und wenn man es; heute! als etwas Unerlässliches, etwas Notwendiges von dem jüdischdi :S,tudenten verlangt. Und so ist es in der Tat. //S Eap jüdische Selbstbewusstsein, das man zu tadeln fand, war eifb , eigentümlicher Stolz, der sehr persönlicher Art war, und der seinen Ausd£uck."4arin fand, dass man „sich nicht zu erkennen geben44 wollte. Es "war jener hässliche Hochmut, der junge Laffen veranlasste, sich etwas :'besseres zu dünken als das jüdische Volk, dem sie angehörten. Dieses Selbstgefühl war nichts anderes als der Ausdruck ienes krassen Egoismus, ,,d£T die Karriere für höher und wichtiger erachtete, als da's ehrliehe Fest- .baltei an.der Wahrheit. Es ist das derselbe Egoiismus, der viele Juden,, bd.-.denein die Intelligenz — die nicht immer sehr gross war — den Cliäralcter überwog, veranlasste, mit den Lippen zu bekennen, was das Herz ^ls unwahr abweisen musste. Dieses Selbstgefühl war ein egoisti- .! sdhes, war vor allem ein protzenhaftes, Und dieses Selbstgefühl hat den iAiatislejmiitiismus zwar nicht geschaffen — denn der hat ganz andere, whisloriische Gründe —, aber es hat nicht wenig dazu beigetragen, ihn zur : Entwickelung zu bringen. Dieses in die Augen fallende Selbstgefühl, dem inan" -ansieht, dass es aus Selbstgefälligkeit besteht, dem man anmerkt, dass "sein Weisen, sich in dem charakteristischen Worfle „Nur nicht jüdisch" dartut, ist tatsächlich einer der hässlichsten Charakterzüge, > 4 en der Versuch sich vom Judentum loszumachen, gezeitigt' hat. . Dieses egoistische Selbstgefühl muss von jedem anständigen Charakter so bekämpft werden, wie es ihn mit Ekel erfüllt. '■■i- 'CÜJ." j ' ■ "; ■"^'"7J''IIs" gibt aber keine wirksamere Bekämpfung solchen eigensüchtigen ''Gebahrens als ein Selbstgefühl und Selbstbewusstsein, das sich nicht auf -^4en-rEinzelnen erstreckt, sondern auf die Gesamtheit, der er angehört.;dadurch, dass man das Selbstgfühl aus der Sphäre des Egoismus in die des ^Al^ruismus verpflanzte, adelte man es und verkehrte es in sein Gegenteil.. Jlatte es früher die Wirkung, dass der Jude sich seines Judentums als J^ftvas Sonderbaren schämte, so sucht jetzt der jüdische Student mit Recht 'seine höchste Ehre gerade darin, dass er eben Jude ist/ '\ i\ * / ■• Man hatte zu lange vergessen, dass, wer sich zehn Jahre lang es gefallen läsest, dass man ihn einen Lumpen schimpft, wirklich ein Lump ist. Man verstand nl'icht, dass die Achtung bei der Selbstachtung beginnen