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Der jüdische Student · 1903-03-01 · Heft 12 (März 1903) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
1 (1902-1903)
Issue
Heft 12 (März 1903)
Date
1903-03-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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jemandem dieselbe Tatsache ständig vorredet, dann glaubt ei schliesslich daran, und wenn sie noch so einfältig ist. So war Jahrhunderte lang die Menschheit von der Existenz von Hexen überzeugt, und mancher meinte mit eigenen Augen gesehen zu haben, wie die alten Weiber mit dem Besen in der Luft herumführen. In manchen Ländern, wo es keine Juden gab, war man im Mittelalter der Meinung;, diese seien Wesen ganz besonderer Art, sie trügen Schwänze. Heute muss in Romanen und in Witzblättern jeder Wucherer Kohn oder Levy heissen, nicht, weil die Juden Wucherer wären, sondern weil es ein teurer ererbter Gebrauch,dieweil es litterarische Tradition ist, jedem Lumpen einen jüdischen Namen zu geben. Auch die Wissenschaft erwähnt die Juden, aber sie macht sie, wie vielfache Erfahrung gezeigt hat, möglichst schlecht. Zwar sind sie in Wahrheit nicht so erbärmlich, aber sie müssen den dunklen Hintergrund bilden, von dem sich das andere Volk, dem Chamberlain oder wer es sonst eben ist, angehört, umso glänzender davon abhebe. Seit Jahrhunderten herrscht diese Neigung, sie ist zur lieben Gewohnheit geworden. Und so ist es gekommen, dass der Kern alles dessen, was über die Juden zusammengefaselt wurde jetzt gewissermassen in einem höheren Aggregatzustand verflüchtigt, als Stimmung, als Antipathie zum Vorschein kommt; vor allem prägt sie sich aus in der Nebenbedeutung des Schlechten, die dem Worte „Jude44 und „jüdisch" heute so oft anklebt. So wurde immer und immer wieder gepredigt, wie schlecht die Juden seien, und das hat bei vielen eine Anschauung vom Judentum erzeugt, die an Richtigkeit mit der eben erwähnten Schwanztheorie sich wohl vergleichen darf. So sind die Gedanken und Empfindungen, die der Abkehr vom Judentum zu gründe liegen, entstanden^ Sie sind unwahr und verlogen, und wenn die lange Zeit, während deren sie geherrscht habeb, ihnen einen Anschein von Altehrwürdigkeit gegeben hat, so gehören sie deshalb nur um so mehr %u den Ideen, mit denen unsere Zeit erblich belastet ist, und die beseitigt werden müssen. An ihrer Entfernung zu arbeiten, ihre Richtigkeit immer wieder aufzudee&eft» aus Vergangenheit und Gegenwart das wahre Wesen des Judentums zu zeigen, ist Aufgabe jedes Juden und nicht zuletzt auch .der Vereine Jüdischer Studenten. Dr. Max E s c h e 1 b a c h e r

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