Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 11 (Februar 1903)
- Date
- 1903-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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_Nr. IL 185. Cer Phrase aber von der Weiterbildung der Religion und der philiströsen Vorwärtsbewegung gegenüber setzen wir ein entschiedenes „Zurück" schroff gegenüber. Qotthold Weil. Ein jüdischer Autobiograph. Jacob Emden hat uns bis zum Jahre 5426 (1766) seine Lebensschicksale in einer eigenen Schrift selbst geschildert. ■ Diese Autobiographie (Megillat seier., herausgeg. von David Cahane, Warschau 1897) erinnert in mehr als einer Hinsicht an die Aufzeichnungen des Glückel Goldschmidt. Wie diese, bietet sie uns trotz eiler Einschaltungen fernerliegender Stoffe und trotz des Mangeis eines fortlautenden Zusammenhanges ein ungemein fesselndes Kulturbild. Nächst Glückeis Memoiren liefert uns die Schrift die einzige Darstellung der Zustände im älteren jüdischen Hamburg. Mit ihnen teilt sie die hohe ethische Bedeutung einer Betrachtung des Menschenlebens aus dem Gesichtswinkel einer gottgewissen, wundergläubigen Seele. Emden wurde am 15. Sivan 5357 (1697) als der Sohn des Rabbiners Ghakham Tsebi in Altona geboren. Nach drei Töchtern der erste Sohn, wurde er von den Eltern ein wenig verzogen. Seine schwächliche Gesundheit schrieb der Vater selbst dem Umstände zu, dass er das Kind gar zu früh geistig angestrengt, eine Erfahrung, welche er in der Erziehung der späteren Söhne zu nützen wusste. Ausser unter allen Kinderkrankheiten hatte Jacob auch unter den Schlägen roher Lehrer arg zu leiden. Schon seine ersten Jahre standen unter dem Eindruck der Unbilden, welche dem Vater widerfahren. , Der Zwölfjährige fastet mit den Schwestern eine Woche lang um das Leben des infolge der Kränkungen Schwererkrankten. In dem strengen Winter 1710 übersiedelte die Familie nach Amsterdam. Mit knapper Not, unter unsäglicher Mühsal erreicht man das Ziel Schon 4 Jahre später wird, durch allerhand Zwistigkeiten bis zur Unerträglichkeit verleidet, der neue Wohnort aufgegeben. Der Vater reist nach London, Frau und Kinder schickt er vorläufig nach Emden. Hier fasst Jacob eine tiefe Neigung zu der Tochter des Löb Emden. Doch sein Vater willigt nicht in die Verbindung. Die Familie erschien ihm, dem damals fast völlig Besitzlosen, trotz allen Reichtums nicht gut genug für sein Kind. Als Jacob nach Jahren Emden wieder aufsucht, findet er den Gegenstand sainer Jugendliebe inzwischen die Gattin einesanderen geworden, ihm noch in tieuer Freundschaft verbunden. Diese Frau setzte alles daran, ihn für das Rabbinat ihrer Vaterstadt zu gewinnen. Ihm und seirfer Familie erwies sie eine rührende Aufmerksamkeit. Von Emden ging es mitten durch manchen Soldatentrupp nicht ohne Behelligung nach Berlin. Hier im Hause seines Oheims beginnt Jacob seine