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Der jüdische Student · 1903-02-01 · Heft 11 (Februar 1903) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
1 (1902-1903)
Issue
Heft 11 (Februar 1903)
Date
1903-02-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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182. Nr. 11. unser Thema gestürzt. Wir hätten es dann womöglich noch erlebt, dass unsere „höheren Töchter' assyrisch parliert hätten. Jetzt werden sie sich damit zufrieden geben müssen, den wohl bald erscheinenden Königsroman von Giron zu lesen. Doch gehen wir jetzt über zur Besprechung jener Gruppe von Juden, deren Judentum sich nach und nach in einige abstrakte Ideen verflüchtigt hat und die sich mit der Devise ,,Tu mir nichts, ich tu dir auch nichts44 lediglich auf den Standpunkt der „Abwehr11 gestellt haben. Sie sollten doch als gute Deutsche das Wort des von ihnen schon wegen seiner demokratischen Gesinnung sicher hochgeschätzten Schiller ein wenig berücksichtigen: „Der kluge Mann baut vor/4 Nein! Man ist bereits bei einem solchen Zustand geistiger Verarmung angekommen, dass man nur auf solche Angriffe reagiert, die mit dem gehörigen Lärm vorgetragen werden, und um * die jnan sich unmöglich herumdrücken kann. Auf viel stärkere,, gegen die Juden gerichteten, wissenschaftliche Angriffe, die von ernsten Gelehrten schon vorher (vgl. z. B. Winckler in Helmolts Weltgeschichte III, 1, S. 39 f.) vorgetragen wurden, schwieg man. Man vegetiert doch eben nur von einigen Ritualmördchen oder Denunziationen. Erfolgt dann einmal ein solcher Angriff wie jetzt der Delitzschsche, der dartun will, dass die abstrakten Ideen und Vorstellungen, die man für jüdisch hielt, überhaupt nicht jüdisch seien, dann ist die Verlegenheit gross. Würde man von ihrer Seite schweigen, so wäre das der Bankerott des Judentums, denn das, w^as geleugnet wird, ist für sie, die Abwehrjuden, ja ihr ganzes Judentum. Man muss also dagegen anstreben; man ist auch sofort mit Zitaten allgemein ethischen Inhalts bei der Hand, und ist man nicht belesen genug, um aus eigener Kraft passende zu finden, nun, so greift man zu dem Allheilmittel, dem kleinen Büchlein „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst". Wer aber weiss, dass man aus. Zitaten, aus der Geschichte und aus der Statistik alles beweisen kann, was man will, wird wissen, was von dieser Verteidigung zu halten ist. Dabei wird es häufig auf beiden Seiten nicht genau genommen, man zitiert eben nach Bedarf halbe Verse oder lässt störendes aus. So kann man z. B. die Erlaubnis zum Diebstahl deduzieren aus dem Schillerschen Verse: „Und wers nie gekonnt, der stehle (schweigend sich aus unserm Bund)". Hört man indessen auf der Gegenseite nicht auf das Heranschleifen dieser Zitate, dann fängt man an zu schreien, sucht die Angreifer zu überschreien, ruft Protestversammlungen ein und nimmt schliesslich nach einigen salbungsvollen Festreden einstimmig die Resolution an: „Juda ist gerettet!" Genau so, als wenn man in einer Studentenverbindung i.n geheimen Sitzungen begeistert mit dem Rapier auf den Tisch klopfte, draussen aber den Duckmäuser spielte. Und die jüdische Wissenschaft? wird man mit Recht fragen. Auch sie lebt seit Jahren von der Apologetik, ihre wissen-

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