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Der jüdische Student · 1903-02-01 · Heft 11 (Februar 1903) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
1 (1902-1903)
Issue
Heft 11 (Februar 1903)
Date
1903-02-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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180. Nr. 11. Für die Antisemiten von Profession war diese ganze Affaire wieder einmal ein gefundenes . . Essen. Man konnte sich hier wieder einmal recht auspoltern und hatte dafür noch — man denke —- einen Gewährsmann. Weniger zufrieden waren die — sagen wir — Rassenhistoriker, an ihrer Spitze, Houston Steward Chamberlain, die als Voraussetzung ihrer voraussetzungslosen Wissenschaft nur den einen Glaubenssatz sich zurechtgezimmert haben: „Es gibt keine begabte Rasse ausser der indogermanischen.'4 Wie schwer musste es nun da Herrn Chamberlain treffen, dass Delitzsch den Juden zwar die „Erfindung14 des Monotheismus abgesprochen, sie dafür aber den Babyloniern, einem andern semitischen Volke beigelegt hatte. Eine solche Erfindung aber kann doch selbstredend nur bei Indogermanen entstehen. Zur Stärkung Chamberlainscher Methode trägt vielleicht ein witziger Einfall bei, den ich jüngst bei der Lektüre des Josua-Buches hatte. Der bekannte Vers (Jos. 10 12), das einzige in der Bibel erhaltene Zitat aus dem verloren gegangenen Sefer haj-jäsär ist — man staune — ein regelrechter Hexameter: Semes beigib'onl dorn wejajreah be'lemeq a|jalon (zu deutsch: Sonne steif still in Gibeon und Mond im Tale Ajalon). Herr Chamberlain wird sicherlich folgern: Das Sefer haj-jasar war vollkommen in Hexametern geschrieben, stammt also von Griechen; ergo: stammt die ganze altjüdische Litteratur von Griechen. Auf jeden Fall wäre das eine schöne, ich denke recht akzeptable Bestätigung seiner Theorie. Den einzigen, denen es im Kampfe bitter ernst war, waren die wirklichen Orthodoxen und Konservativen auf christlicher und jüdischer Seite, wobei ich jedoch die „Neo-Orthodoxen" ausgeschlossen wissen will, deren Judentum sich auf die Aufrechterhaltung einiger lokal üblicher Minhagim und Sondergebräuche zu beschränken pflegt. Jene haben zwar garnicht geschrieen, waren aber dafür in desto grösserer Erregung, weniger über den Vortrag selbst, — denn gegen dergleichen hatten sie schon häufig zu kämpfen gehabt, — als vielmehr über den Beifall, der ihm von dem Kaiser zu teil wurde, weil sie hierin die Symptome einer womöglich schon bald eintretenden Revolution ahnten. Ihnen graute davor, dass man es wagte, an den alten heiligen Texten, der Grundlage ihres ganzen Fühlens, Wollens und Denkens, und teilweise des heutigen Lebens überhaupt zu rütteln. „Vor dieser Gräberei zittern sie, nicht vor babylonischen Ausgrabungen; denn auch sie wissen, dass die Enthüllung seiner Herkunft nicht einen Gott zu töten vermöchte.'4 (Zukunft XI, 17). Erfreulich.war wie stets so auch dieses Mal bei den aufrichtig Orthodoxen ihre Gefühlstiefe und Phrasenlosigkeit, mit der sie im Kampfe auftraten. Widerlich wie immer benahmen sich dagegen die L i b e r a l e n, zu denen die( Juden leider noch immer das grösste Kontingent

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