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Der jüdische Student · 1903-02-01 · Heft 11 (Februar 1903) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
1 (1902-1903)
Issue
Heft 11 (Februar 1903)
Date
1903-02-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Nr. 11. 179. Frey (Fritsch) zu finden. Auch dort spricht man wie Delitzsch von dem Qotte der Juden,, der „zur Abendzeit spazieren geht" und bei Abraham „Kalbsbraten speist". Auch dort hält man angekränkelt von moderner Kultur, die statt „Hosen44 lieber „Beinkleider44 sagt, naiv erzählende Stellen für unsittlich, spricht von der niedrigen Stellung der Frau in Israel u. a. m. Das genügt wohl zur Charakterisierung der Tendenz des Vortrages selbst. Nur auf eine Einzelheit wollen wir eingehen. Delitzsch leitet aus dem Umstände, dass im Alten Testamente zwischen Juden und Nichtjuden (Qojim) stets ein Unterschied gemacht wird, die Minderwertigkeit der jüdischen Moral ab. Wir sehen umgekehrt in dieser äusseren Abschliessung — dass sie in kultureller Beziehung nicht stattfand, behauptet ja Delitzsch selbst — etwas Kraftvolles, das nur zur Stählung und Selbsterziehung beiträgt, aber nicht zur moralischen Degeneration, einen gesunden Realismus, der sich keinen Frieden vorlügt, wo keiner ist, sondern die Dinge so nimmt, wie sie -sind und mit ihnen so fertig zu werden strebt. Darin liegt meistens mehr sittlicher Ernst als in tatlosen Phrasen von allgemeiner Weltverbrüderung. Diese aus der Abschliessung logisch deduzierten Angriffe auf die altjüdische Moral glauben diejenigen, die sie ausführen, selbst nicht, dürfen sie garnicht glauben, denn sonst müssten sie ja auch eine Minderwertigkeit griechischer oder deutscher Moral konstatieren, denn auch die Griechen unterscheiden zwischen sich und den Nichtgriechen, den Barbaroi, und die Deutschen sehen auf alles Welsche, alles Nichtdeutsche, mit Verachtung herab. Und spricht etwa das Neue Testament nicht auch geringschätzig von den Heiden? Daraus aber etwas Nachteiliges zu folgern, ist eine Fälschung, die man sich nur den Juden gegenüber erlauben zu dürfen meint. Dass es aber Herrn Prof. Delitzsch lediglich auf dergleichen kleinliche Angriffe auf das Judentum ankam und nicht auf die Feststellung der Tatsache, dass der Monotheismus in seiner relativ reinen, jüdischen Form aus Babylonien stamme, geht daraus hervor, dass wir in der Abendausgabe der „Täglichen Rundschau44 vom 20. Januar eine Notiz aus seiner eigenen Feder lesen, in der es heisst: Ich habe „nimmermehr behauptet, dass der Monotheismus Israels aus Babylonien stamme, vielmehr immer und immer wieder den krassen Polytheismus der Babylonier betont.4' Böswillige Leute freilich — und deren gibt es ja trotz des Liberalismus und Humanitätsschwarms immer noch genug — haben sich zusammengereimt, dass die zahlreichen jüdischen Mitglieder der Deutschen Orient-Gesellschaft, in deren Sitzung der Vortrag gehalten wurde, und vor'allem ihr verdienter Förderer, James Simon, unzufrieden mit diesen Angriffen, unter Drohungen, sich resp. ihr Geld der Gesellschaft in Zukunft fernzuhalten, jenen seltsamen Widerruf verursacht hätten. Allein nur böse Menschen verbreiten derartige Gerüchte.

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