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Der jüdische Student · 1903-02-01 · Heft 11 (Februar 1903) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
1 (1902-1903)
Issue
Heft 11 (Februar 1903)
Date
1903-02-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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178. Nr. 11. nur an. In einer sichtlich vom Hass und Zorn über die gegen ihn gerichteten Angriffe diktierten Weise setzte Delitzsch auseinander: „Es gibt keine grössere Verirrung des menschlichen Geistes als den Glauben, die Bibel seieine persönliche Offenbarung Gottes." „Hand aufs Herz; ausser der Gottesoffenbarung, die jeder Mensch in sich trägt, brauchen wir keine.u Die zehn Gebote, das Sabbatgesetz, der Jahvegedanke, alles stamme aus Babylon. Die jüdische Ethik sei eine erschreckend rohe, der jüdische Monotheismus partikularistisch und exklusiv. Eines verdriesst uns hierbei am meisten, und zwar der Umstand, dass die deutsche Wissenschaft, die bisher in so vornehmer Weise gross und ruhig zugleich für sich gearbeitet hatte, aus dieser Zurüekgezogenheit heraustritt, draussen lärmend längst abgestandene Wahrheiten ausbläst und sie mit den neuesten sensationellen Phrasen zu würzen versucht. Sonst war sogar in Deutschland stets die so angenehm berührende Grenze zwischen wirklichen Wissenschaftlern und Populärvvissenschaftlera gezogen. Dieses lärmende Auftreten der Assyriologen datiert nicht erst seit gestern und ehegestern, sondern seit ihrer Entstehung überhaupt. Lagarde, der wahrlich nicht zu borniert war, um ihren W'ert richtig abschätzen zu können, sagt irgendwo in seinen Werken, dass e<s andere, ebenso wichtige Wissenschaften gäbe, die mit weniger Pomp und Radau in die Erscheinung getreten wären. Was hätte er gesagt, wenn er es erlebt hätte, dass staatlich angestellte Gelehrte Eeuilletonlieferanten der Köln. Ztg. sind, wie der jüngst so bekannt gewordene Erforscher Palästinas. Kein Wunder, wqnn der „Ulkt£ in der letzten Zeit reichlichen Stoff aus dieser wissenschaftlichen Skandalaffäre gezogen Hat. Wie man in orientalistisch-archäologischen Kreisen, in denen man von dem „gesicherten historischen Boden'' einer grossen Periode mit verblüffender Bestimmtheit redet, selbst wenn nur ein einziger Grabstein für die ganze Zeit vorhanden ist, historische Kritik zu üben pflegt, dafür ein Beispiel. Bei Ausgrabungen in Palästina fand man jüngst zweierlei Arten von Vasen, die einen lang und dünn, die andern dick, mit grosser Wölbung nach aussen. Sofort war man mit einer Zeitbestimmung bei der Hand, wann diese Vasen entstanden sein könnten. Die dünnen, sagte man, stammen aus einer Zeit der geringen, die dicken dagegen aus einer Periode der höchsten Blüte und Entfaltung des Priestertums. Die dicken, fetten Priesterpfründen hatten also den Ausschlag gegeben! Der Gedanke, dass die Juden von den sie umgebenden Völkern vieles gelernt und angenommen haben, ist alt und schon längst bewiesen, ja wäre sogar selbstverständlich, wenn wir keine Beweise hätten. Die einzelnen Angriffe des Vortragenden gegen das Alte Testament und die jüdische Ethik sind in ähnlicher Form schon in den ersten Jahrgängen des „Antisemiten-Katechismus'1 von Th.

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