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Der jüdische Student · 1903-01-01 · Heft 10 (Januar 1903) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
1 (1902-1903)
Issue
Heft 10 (Januar 1903)
Date
1903-01-01
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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Nr. 10. 175, München. Zu Ehren der K.-T.-Delegierten gab der V.J.St.-M. am Sonntag, dem 21. Dezember, in den festlich geschmückten Prinzensälen des Cafe Luitpold einen Festkommers mit darauffolgendem Ball, der einen wahrhaft glänzenden Verlauf nahm. Schon lange vor der festgesetzten Zeit durchflutete ein Strom glänzender Toiletten den prächtigen Ballsaal. In reizenden Gruppen stand man umher und plauderte von den Dingen, die da kommen sollten. Auf allen Gesichtern malte sich die gespannte Erwartung, was wohl der V.J.St, der bisher wenig an die Oeffentlichkeit getreten war, seinen Gästen bieten würde. Und als sich um 9 Uhr unser Präside, erster Chargierter Hertz, erhob, um für den Kommers das Präsidium zu übernehmen, hatten wir die Genugtuung, etwa 300 Gäste aus den angesehensten, jüdischen Familien Münchens, darunter einen entzückenden Damenflor, zu begrüssen. Ais erster Kontrapräside fungierte Bbr. Majerczik aus Charlottenburg, als zweiter unser dritter Chargierter Weigert, während Bbr. Lebermann seines Amtes als Fuchsmalor waltete. Nachdem Sr. Kgl. Hoheit, dem Prinzregenten zu Ehren, ein urkräftiger Salamander gerieben worden war, erhob sich Bbr. Lebermann, um den Anwesenden für ihr zahlreiches Erscheinen herzlichst zu danken, indem er darauf hinwies, dass die heutige Veranstaltung die erste offizielle sei, die der V.J.St.-M. unter Beisein hiesiger Familien gebe. Der Tendenzrede unseres Bbr. Weigert folgte der Dank der Delegierten für die freundliche Aufnahme in München, den im Namen dieser der A.H. des Berliner Vereins, Dr. Eschelbacher aussprach. Herr Rabbiner Dr. Werner sprach dann in glänzenden Worten über die Bedeutung der Farben unseres Vereins und folgerte symbolisch aus ihnen, dass der Verein grosse Aufgaben zu erfüllen habe und sie hoffentlich auch durchführen werde. Dass es dazu aber der Mithilfe eines jeden V.J.St.ers bedürfe, wie beim Bau eines Hauses der Anstrengung des Baumeisters ebensosehr wie der der Arbeiters, brachte Herr Rabbiner Dr. Ehrentreu in fein durchdachten Worten zum Ausdruck. Dem Damentoast den Hertz ausbrachte, folgten verschiedene, künstlerische Darbietungen. So brachte unser Freund, Herr cand. ing. Kuschak-Off einige beifällig aufgenommene Piecen auf dem russischen Nationalinstrument, der Balalaika, zu Gehör. Herr Rappoport, in liebenswürdiger Weise von Herrn Josef Schiembach akkompagniert, erfreute uns durch einige gefühlvoll vorgetragene Lieder, während Bbr. Friediger durch sein Violinenspiel das Publikum entzückte. Alle diese Vorträge wechselten mit lustigen Studentenliedern ab, die aus einem mit unseren Farben geschmückten Büchlein, das anlässlich unseres Fest-Kommerses unseren Gästen gewidmet war, froh gesungen wurden. Unter lebhaftem Beifall trug dann Bbr. Curt Block in fein pointierender Wreise einige Rezitationen vor. Den Glanzpunkt der Vorträge aber bildete Frl. Elsa Berny, die in :eniigen Liedern, darunter auch einem jüdisch-deutschen, durch ihre herrliche Sopranstimme und ihre grandiose Koloratur, die Zuhörerschaft hinriss und auch den schönsten Dank, nämlich stürmische Beifallskundgebungen erntete. In Frl. Böhm hatte die jugendliche Sängerin eine feine Partnerin am Klavier. Mit unserem Farbenliede hatte der Kommers begonnen, mit dem Liede „Der Sang ist verschollen'4 schloss er. Nach kurzer Pause folgte nun der Festball, der die Gäste bis nach 5 Uhr in fröhlichster Stimmung zusammenhielt. Die Polonaise wusste Bbr. Hertz durch mannigfache Variationen humoristisch und anregend zu gestalten. Die Tanzkarte, die in Form von Bierzipfeln jeder Teilnehmer erhielt, noch mehr aber die Damenspendedie in Form von Schmuckkästchen» mit eingebranntem Kouieur und süssem Inhalt gereicht wurde, errregte allgemeines Entzücken, während für das leibliche Wohl ein rituales Büffet sorgte. Und so gestaltete sich denn das Fest zu einem überaus genussreichen, das allen Teilnehmern wohl noch recht lange sin Erinnerung bleiben wird. Für den Münchener V.J.St.. bedeutet das Fest aber mehr. In seiner Geschichte bildet es einen Mark- und

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