Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1903-01-01 · Heft 10 (Januar 1903) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
1 (1902-1903)
Issue
Heft 10 (Januar 1903)
Date
1903-01-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3537599-3553284-3553293--0171-3553456
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 10. 173. Vereinsnachrichten. Aus dem B.J.C. Berlin. Am 24. Februar 1903 feiern die Vereine Jüdischer Studenten Berlin und Charlottenburg in den Gresamträumen der Ressource, Oranienburgerstrasse 18, ihr gemeinsames Wintervergnügen. Die auswärtigen Bundesbrüder und Alten Herren werden hierdurch auf das alierherzlichste dazu eingeladen. — Am 2. Dezember sprach A.H. Dr. M. E s c h e 1 b a c h e r über das Thema: „Die rechtliche Stellung der Juden im Mittelalter4'. — Am 16. Dezember hielt Herr Maler Rosenb a u m einen Vortrag über das Thema: „Giebt es eine jüdische Kunst?" Der Referent verneinte die Frage. In der überaus lebhaften Diskussion an der sich Herr E. M. Lilien beteiligte, die sich an diesen Vortrag anschloss, kamen die entgegengesetzten Ansichten zum Ausdruck, welche besonders eifrig von Herrn Lilien vertreten wurde. — Am 9. Dezember sprach Herr D. Trietsch über: „Die jüdische Emigrationsfrage". An der Hand zahlreicher statistischer Daten zeigte der Herr Referent welche ungeheuren Dimensionen die jüdische Auswanderbewegung angenommen. Er wies nach, dass gerade die Juden das grösste Auswandererkontingent aufweisen, grösser noch als Italien, das in der Emigration numerisch alle anderen Nationen übertrifft. Die allgemeine Zerstreuung der Juden, welche die fortgesetzte, systematische Auswanderung zur Folge haben müsste, würde unbestreitbar, so führte der Referent treffend weiter aus, ihren völligen religiösen und nationalen Untergang herbeiführen. Redner fügte noch zahlreiche Beweise für seine Erklärungen aus den Erfahrungen und Eindrücken hinzu, die er in den Zentren gewonnen, welche die Hauptziele der jüd. Auswanderung bilden. Zur Abwendung und Beseitigung dieser Gefahr, so fuhr er fort, müssten energische Massregein ergriffen werden; als eine solche bezeichnete er in erster Linie die Sammlung der Zerstreuten und zwar in ein Land. Um diese Sammlung praktisch durchzuführen, bedürfte es fruchtbarer Koionisationsbestrebungen. Er unterschied zwischen landwirtschaftlicher, industrieller Kolonisation und einer solchen durch Beschäftigung bei öffentlicher Arbeiten, die, je nach der Beschaffenheit des betreffenden Landes zu bevorzugen wären und alle zum Ziele führen dürften. Der Herr Referent bemerkte, dass zwar schon derartige Bestrebungen beständen, die sich mit der Kolonisation befasst; jedoch wären die Versuche fast stets fehlgeschlagen, weil man z. T. von falschen Voraussetzungen ausgegangen, z. T. sich vielfach geradezu unerhörte Fahrlässigkeiten hätte zu schulden kommen lassen. Eine wirkliche jüd. Zentralorganisation für Auswanderer besässen wir nicht. Er empfahl als Muster für dieselbe den „Hamb. Kolonisationsverein für Südamerika" und die englische „Emigrants Information office in London", die beide auf eine erfolgreiche Tätigkeit zurückblicken können. Ferner beleuchtete Redner noch den Mangel an nationalen Schiffen, auf denen unbemittelte Auswanderer durch Dienst Verrichtungen ihre Reise ermöglichen könnten, sowie das völlige Fehlen von tüchtigen Kolonialbeamten, die vermöge ihrer Erfahrungen, die Kolonisten mit Rat und Tat zu unterstützen hätten. Zum Schluss fasste er seine Forderungen, die er zur Erreichung jene hehren Zieles, der Sammlung für nötig erachtete, in folgenden drei Thesen zusammen: Eine gut disziplinierte, irgendwo zentralisierte Kolonisationsorganisation, nationale Schiffe und schliesslich selbstlose und erfahrene Kolonialbeamte. Reicher Beifall folgte den Ausführungen des Red-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.