Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 10 (Januar 1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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166. abgegeben worderi sind, wie im Vorjahre. Entweder haben diese Finken Herrn Hase und die 18 Mann, die sich mit ihm ehrlich* der Wahl enthalten haben, Lügen gestraft — und wir werden uns in Zukunft vorsehen1, wenn von „der Stellungnahme der Finkeilschaft" die Rede sein wird — oder die ganze Wahlenthaltung war eine elende Komödie, gespielt, um die Furcht vor dem selbsttätigen Eingreifen in die heikle Lesehallenfrage, die der Finkenschaft schon so viel Böses' gebracht hat, zu bemänteln. Die zweite Tatsache, die erst die gedankliche Ergänzung der ersten gibt, ist die Verteilung dieser Stimmen. Von den wenigen Stimmen, die der V. J. St. mehr erhielt, sind noch ein gut Teil vom ehemaligen S. W. St. V. gekommen. Fast alle Finken haben für die F. W. V. gestimmt, dieselbe F. W. V., mit der Herr Hase die Finkenschaft nicht in einem Atem genannt wissen wollte. Die Tatsachen, Herr Hase, die böse Praxis, wie Sie es nennen, sind stärker, als die richtige Theorie, wie Sie es nennen. Der Sache des Fortschritts aber, der die Gründung der Finkenschaft galt, hat die Finkenschaft heuer einen harten Schlag versetzt. Freiwillig haben sich ihre Mitglieder — und es waren dieselben, die die Wahlenthaltnng beschlossen — auf diejenige Seite gestellt, der sie sich am verwandtesten fühlen. Und welchem Prinzip schliessen sie sich damit an? Einem Prinzip, das schlimmer ist ale die Reaktion, die das Böse will und durch den Kampf, den sie allen freiheitlichen Elementen aufzwingt, das Gute schafft, dem Prinzip des Stillstands und der Stagnation. Denn mag auch die F. W. V. einst — es ist lange her — eine Lebensberechtigung gehabt haben, heute ist sie ein grober Anachronismus, verdammt zur langsamen Verkümmerung, weil ihrer leitenden Idee jede Entwicklungsmöglichkeit fehlt. Ohne die Dazwischenkunft der Finkenschaft wäre sie unfehlbar schon jetzt aus der öffentlichen Diskussion der Studentenschaft ausgeschieden. Indem sie ein unrühmliches Leben verlängerte, hat die Finkenschaft ihre eigene Lebenskraft hergegeben. Ueber einen Sieg zu jubeln, hat die F. W. V. wahrlich keinen Grund; was sie tun konnte, um sich lächerlich, ihre Bestrebungen verächtlich zu machen, das hat sie in diesem Wahlkampfe redlich getan. Sie vegetiert weiter von Finkenschafts-Gnaden, und es ist mehr als etwa Optimismus, es ist bewusste Heuchelei, wenn sie in die liberalen Zeitungen den Passus lanziert, dass das Anschwellen ihrer Stimmenzahl den Fortschritt freiheitlicher Gesinnungen in der Studentenschaft beweise. Das Gegenteil ist der Fall: Mit dem offenbaren geistigen Bankerott der F. W. V. — und ihrer unmittelbaren Gefolgschaft — vollzieht sich die Mumifizierung des dogmatischen Liberalismus wie überall, so auch in unserem Kreise. Für unsere jüdische Arbeit ist noch eins von Bedeutung: Hier wie dort, bei F. W. V. und Finkenschaft, sind, das ist schon lange kein Geheimnis mehr, Juden das handelnde Element. Durch einen