Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 10 (Januar 1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1.0. 165. anwenden wird. Einem solchen Widerspruch zwischen Wort und Schrift gegenüber kann man nicht von Doppelzüngigkeit reden, denn es wurde nur einmal gesprochen und das andere Mal — geschrieben. Sollte sich aber vielleicht eine viel harmlosere Deutung finden? Man vergleiche den Ghettopassus im Aufrufe der F. W. V.; es scheint hier ein Bruder des schwarzen Mannes dort zu spuken. Nun als Letztes will ich der „Berliner Freien Studentenschaft (Finkenschaft)" noch eine kleine Berechnung auf das immer so stelz vorgewölbte, schneeweisse Chemisett schreiben. Aber bitte, lieber Leser, folge aufmerksam und geduldig, denn die Zahlen sind interessant, und ich will mir doch nicht umsonst die Mühe gegeben haben, einen sonst nur unbestimmten Eindruck zahlenmässig festgelegt zu haben. Die Wahlbeteiligung war 1901 1523, in diesem Jahre 1309 Stimmen; Rückgang der Stimmen 214 14 pCt. Die rechtsstehenden Parteien (V. D. St. und Katholische Korporationen) erhielten 819 Stimmen (940 im Vorjahr); Rückgang 121 13 pCt. Es war ja kein Grund für einen besonderen Abfall vorhanden, darum entspricht der Rückgang fast genau dem theoretsich zu erwartenden. Dem entsprechend nähert sich auch die Rückgangsziffer der links stehenden Parteien dem Durchschnittswert 14 pCt. Sie erhielten 482 Stimmen (582 im Vorjahr); Rückgang 100 17 pCt. Die F. W. V. erhielt im Vorzahr 100 Stimmen, hatte also bei dem Durchschnittsrückgang von 14 pCt. in diesem Jahre zu erwarten 86 Stimmen, der V. J. St. (im Vorjahr 177) in diesem Jahre 152 Stimmen. Nun wurden aber von den 582 Stimmen, die im Vorjahr die „Linke" erhielt, 305 frei infolge des Ausscheidens des S. W. St. V. und der Finkenschaft aus der Kandidatenliste. Behaftet mit dem theoretischen Rückgang von 14 pCt. reduzieren sich diese 305 auf 262 Stimmen. Von diesen entfallen noch auf die Gefolgschaft des S. W. St. V. (im Vorjahr 102) für dieses Jahr 88 Stimmen, folglich sind von der Finkenschaft frei für dieses Jahr 174 Stimmen. Da nun aber F. W. V. und V. J. St. dieses Jahr nicht, wie berechnet, 238, sondern 482 Stimmen erhielten, so sind auf ihre Kandidaten von den 262 freigewordenen Stimmen 244 Stimmen entfallen. Nimmt man selbst den extremsten Fall an, dass sämtliche 88 Stimmen des S. W .St. V. abgegeben wurden, so haben doch noch von den 174 Finken 156 ihre Stimme abgegeben. Diese Zahlen sind sicher nicht ganz richtig, denn es ist keine Fehlerquelle berücksichtigt, aber sie geben doch ein leidliches Bild der Situation. Und diese Situation ist auffallend und lehrreich. Die erste Tatsache, die festzunageln ist, ist die, dass trotz des Beschlusses der Wahlenthaltung fast ebenso viel Stimmen von der Finkenschaft