Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 9 (Dezember 1902)
- Date
- 1902-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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145 gezwungen, sich entweder als Polen oder als R u t h e n e n einzutragen. Es braucht wohl kaum hinzugefügt werden, wie unmoralisch und verlogen dieses System ist und was dann, nachdem auch auf anderen Gebieten analog verfahren wird, vom Wahrheitswerte offizieller statistischer Darstellungen zu halten ist. Ueber die ökonomische Lage der jüdischen Studenten in Galizien brachte das Referat des Advokaturskonzipienten B. Honigmann wertvolle Informationen. Die Juristen sind gezwungen, für kärgliche Bezahlung in Adyokaturskanzleien geisttötende Schreiberdienste zu leisten, die ärmeren Mediziner und Philosophen sind auf schlechtbezahlte Unterrichtsstunden angewiesen. Viele haben keinen anderen Ausweg aus der drängenden Not des Lebens als den unwürdigen der sogenannten „Kotau-Heiraten". Diesen tristen Verhältnissen gegenüber erweise sich, infolge der Teilnahmslosigkeit der massgebenden jüdischen Kreise, die Hilfe der akademischen Unterstützungsvereine, wie zum Beispiel der „O g n i s k ok\ als unzulänglich. Ueber die Aufgaben der jüdischen Jugend gegenüber dem jüdischen Volke referierte jur. Jakob Thon. Der Kontakt der gebildeten Jugend mit der Masse des Volkes war aus vielen Gründen in den letzten Zeiten ein sehr loser. Referent hofft von der nationalen Bewegung Besserung dieser Verhältnisse. Ferner mögen geeignete Veranstaltungen getroffen werden, den jungen, im Chassidismus schlummernden Talenten den We\c zur Aufklärung und Bildung zu ebnen. Es folgen noch die Referate der Akademiker Pomeranz, Spiegl. Löwenherz und eine sehr lebhafte Diskussion, die, wie schon oben erwähnt, einen Sieg des Zionismus auf der ganzen Linie ergab. Die neugewählte ständige Repräsentanz des „Tages'4 kam, wie im Vorjahre, wiedei in zionistische Hände. Verein$naci)ricl)ten. Aus dem B.J.C. A. Ii. B. Berlin. Der letzte A. H. Convent hat beschlossen, dem V. J. St. zu Beginn des Wintersemesters das Werk von Winter und Wünsche: „Die jüdische Litteratur" zu dedizieren. Das Werk wurde von A. H. Dr. Robert Hantke im Namen des A. H. B. auf der Antrittskneipe mit einer Ansprache überreicht. Berlin. Am Donnerstag, 6. November, fand unsere Antrittskneipe statt, die noch in keinem Semester so zahlreich besucht war, wie in diesem. Unser erster Chargierter Zucker begrüsste die Gäste und Bundesbrüder, sodann hielt Bundesbruder Eugen Mayer eine ausführliche Tendenzrede, in welcher er die Tätigkeit und Aufgaben des Vereins darlegte und genau die Grenze bestimmte zwischen der Wirksamkeit des V. J. St. und der anderer Vereine mit verwandten Tendenzen. Nach dieser mit vielem Beifall aufgenommenen Rede überbrachte Bbr. Peritz aus Breslau dem Kartellverein im Namen des B. J. C. herzliche Glückwünsche und rühmte den Berliner V. J. St. als die Stütze sämtlicher Kartellvereine. Bundesbruder Ehrlich erwähnte die Verdienste der alten Herren des Vereins und trank auf den A.H.B., dessen Versitzender Dr. med. Robert Hantke dankte und überreichte im Auftrage des A.H.B, das kostbare Werk „W i n t e r und Wünsche, die Jüdische Litteratur" für die Bibliothek des Vereins. Anknüpfend an die Rede des Vorredners hielt sodann A. H. Dr. Heinrich L o e w e eine feurige und mit vieler Begeisterung aufgenommene Ansprache an die jüngsten Semester, auf denen die Zukunft des Vereins beruhe, und rieb sodann einen kräftigen Salamander auf sie. Namens der Gäste sprach Herr Rabbiner Dr. Eschelbacher, indem er rühmend hervorhob, dass die V. J. St.-Tendenz schon in weite Kreise ge-