Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 9 (Dezember 1902)
- Date
- 1902-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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14G Xo 9. drungen sei und hoffentlich stets grösseren Einfluss gewinnen werde. Herr Dr. med. Oppenheimer, A. H. der neuen Bruderverbindung V. J. St.- Vead in Würzburg, überbrachte die Glückwünsche und Qrüsse dieses Vereins. Hierauf nahm die Fidulität ihren Anfang und hielt Gäste und Bundesbrüder noch lange in feuchtfröhlicher Stimmung beisammen. Es meldeten sich 9 Gäste aktiv. — Am 11. November sprach A.H. Dr. Arthur Biram über „die Organisation der Jüdischen Wissenschaft". Der Referent gab in diesem Vortrag im Wesentlichen einen Bericht über die bisher angebahnten Bestrebungen; die Missstände, unter denen die Jüdische Wissenschaft bisher darniederliege, zu heben durch Schaffung von Instituten und Aufbringung von Geldmitteln, welche es'udischen Gelehrten ermöglichen, Fruchtbares auf den Gebieten der Jüdischen Wissenschaft zu leisten.. Sodann besprach er die neuesten diesbezüglichen Pläne, namentlich erwähnte er die Bestrebungen auf Begründung einer „New York University for Jewish Litteraturc and Theology" in Amerika und einer Jüdischen Technischen Hochschule in einem für dies Ziel geeigneten Lande Europas, sowie schliesslich die Anbahnungen des „Vereins zur Förderung der Wissenschaft unter den Juden" in Berlin. Alle diese Pläne unterzog er einer eingehenden Kritik. — Acht Tage später sprach Dr. Heinrich Loewe über das interessante Thema: „Die Juden und ihre Sprachen". Ausgehend von den ältesten Sprachen, deren die Juden sich bedient haben, gab er in geschichtlicher historischer Reihenfolge ein Bild und eine Entwickelungsübersicht der historischen Sprachen der Juden fast aller Länder. Er zeigte die Geschicke der Juden in der Geschichte ihrer Sprachen. Der anregende Stoff gab einer Menge wissbegieriger Gäste und Vereinsbrüder Veranlassung zu Aufragen über manchen wissenswerten Gegenstand, die der Vortragende mit möglichster Genauigkeit und Ausführlichkeit beantwortete. — Eine mehr praktische als wissenschaftliche Frage hatte zum Gegenstand das Referat über „das Handwerk unter den Juden", welches Herr Redakteur Dr. Julius Moses am 25. November in unserem Kreise hielt. Der Herr Referent begann mit einer die Frage betreffenden Statistik und der Schilderung der Uebelstände, denen der jüdische Handwerker und Arbeiter heutzutage ausgesetzt sei, namentlich durch Geringschätzung, teils bei Nichtjuden, teils aber auch bei seinen eigenen Volks- und Glaubensgenossen. Trotz aller Schwierigkeiten biete dennoch das Handwerk für den Juden ein ziemlich fruchtbares Feld, namentlich dem Handwerker biete es viel Aussichten, der mit den Fortschritten der modernen Technik vertraut sei und sie für sein Handwerk ausbeute, Ein grosser Fehler sei die Selbstunterschätzung der jüdischen Professionisten und die Geringschätzung des Handwerkerstandes seitens der Juden, welche sich besonders darin zeige und Schaden anrichte, dass jüdische Eltern diejenigen ihrer Kinder, welche sie für unbefähigt halten, ein Handwerk erlernen lassen. All diesen Uebelständen lasse sich am besten abhelfen durch Organisationen der jüdischen Handwerker, wie solche schon existieren, sowie durch Einrichtung von Instituten und Beschaffung von Lehrmitteln zur Ausbildung von Lehrlingen und endlich durch Beseitigung aller gegen den jüdischen Professionisten gehegten Vorurteile, auf dass darauf hingewirkt werde., dass bei gleichen Bedingungen stets der jüdische Arbeiter vor dem christlichen den Vorzug erhalte, namentlich bei Vergebung von Gemeindearbeiten. Indem der Vortragende zum Schluss die Selbsthilfe durch Zusammenschluss als den Hauptfaktor aller Erfolge hinstellte, sprach er ganz in unserem Sinne in dem Sinne aller im B.J.C. vereinigter „Vereine Jüdischer Studenten", weiche das Leitwort: „Hilf Dir selbst!" auf ihre Fahne geschrieben haben. An diese Vorträge schlössen sich zum Teil recht lebhafte Diskussionen, ein gutes Zeichen für das rege Interesse unserer Bundesbrüder für alles, was das Judentum und seine Förderung angeht. Am letzten Dienstag meldeten sich wieder zwei Gäste aktiv.