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Der jüdische Student · 1902-12-01 · Heft 9 (Dezember 1902) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
1 (1902-1903)
Issue
Heft 9 (Dezember 1902)
Date
1902-12-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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144 Nri 9. -eine kurze biographische Skizze dieses Philosophen, worauf er dann den Grundgedanken und die Aufgabe der Baconschen Lehre eingehend erörterte. Bacons grosse Oeistestat, führte der Referent aus, sei die Erneuerung der Wissenschaft, die er schon früh als seine Lebensaufgabe ansah. Die Wissenschaft müsse nach Bacon an das methodische Denken und Erfinden, das menschliche Denken an die völlig unbefangene, methodische experimentelle Erfahrung gewöhnt werden. Es müsse vor allem die syllogistische Wortweisheit aufgegeben und ein tatsächliches Wissen durch die induktive Methode erstrebt werden. Reicher anhaltender Beifall lohnte die geistvollen Ausführungen des Vortragenden. Dr. Wachstein wird diesen Kurs jeden Mittwoch um 71/» Uhr abends im Vereinslokale abhalten. Qäste willkommen! Wien. Die „Vereinigung zionistischer Hochschüler4' hielt am 29. Oktober im Saale der „Ressource" eine öffentliche Studentenversammlung ab, die einen ausserordentlich starken Besuch aufwies. Gesinnungsgenosse Dr. Egon Zweig sprach über das Thema „Die Stellung der jüdischen Studentenschaft zum Zionismus". Indem er von dem Gedanken ausging, dass vor allem der Student, der Intellektuelle, unter der gegenwärtigen psychischen und physischen Judennot zu leiden hätte und die Notwendigkeit eines Anschlusses an den Zionismus begründete, kam er auf den derzeitigen Stand der zionistischen Bewegung unter der Wiener Studentenschaft zu sprechen. Er schloss mit einem Appell, sich lebhaft an den bevorstehenden Jüdischen Gemeindewahlen zu beteiligen. Die Ausführungen des Dr. Zweig wurden von dem grössten Teile der Versammlung mit lebhaftem Beifall aufgenommen. An der sich anschliessenden Debatte, die mitunter sehr bewegt wurde, beteiligten sich die Herren Dr. Ehrlich, Kauf, Hersziiekiewicz, Wischnitzer, Tartakower, Hausmann und Dr. Zweig. Die Herren Dr. Fischl und Dr. Zweig beantragten, in der Angelegenheit der Anerkennung de/ jüdischen Nationalität seitens der akademischen Behörden energische Schritte zu unternehmen. Galizisch-Jüdischer Studententag in Lemberg. Zum zweiten Male traten in diesem Jahre die jüdischen Hochschüler Galiziens zusammen, um in Ausführung des im vorigen Jahre gefassten Beschlusses zu den wichtigsten, sie angehenden Fragen des akademischen und des öffentlichen Lebens in offizieller Weise Stellung zu nehmen. Der Verlauf des „Tages" erbrachte die Tatsache der Superiorität der Zionisten über die allenfalls vertretenen anderen Parteischattierungen der jüdischen Studentenschaft. Die von vereinzelten sozialistischen und assimilatorischen Stimmen erhobene Opposition konnte den kräftig und zielbewusst vorgebrachten nationaljüdischen Argumenten nicht standhalten. Im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses stand das Hauptreferat: „b eher die Anerkennung der jüdischen N a t i o n a 1 i t ä t", das jur. Leon R e i c h übernommen hatte. Unter Hinweis auf die zahlreichen historischen Quellen, ferner unter Aufführung wichtiger Resultate wissenschaftlicher Forschung und der Aussprüche anerkannter Autoritäten erbrachte er einen gelungenen Beweis der Existenzberechtigung des in der jüdischen Volksseele immer stärker zum Bewusstsein gelangenden nationalen Willens. In Ansehung des in letzter Zeit sehr starken Interesses, welches die polnische Presse der zionistischen Bewegung schenkt und das eine ganze Reihe teils gehässiger, teils unrichtiger Artikel gezeitigt hatte, gab Referent in treffender Weise Aufklärung über Mittel und Ziele des Zionsmus. Seine Resolution, dahingehend, die galizischen Mittel- und Hochschulbehörden in geeigneter energischer Weise zur Anerkennung der jüdischen Nationalität zu vermögen, wurde von den Versammelten unter lebhaftem Applaus angenommen und der ständigen Repräsentanz des „Tages" zur Ausführung überwiesen. Für Nichtkenner galizischer Verhältnisse sei hier bemerkt, dass an den beiden galizischen Universitäten die Hörer zu Beginn jedes Schuljahrs ihre Nationalität deklarieren müssen. Die Juden werden

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