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Der jüdische Student · 1902-12-01 · Heft 9 (Dezember 1902) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
1 (1902-1903)
Issue
Heft 9 (Dezember 1902)
Date
1902-12-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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No_9. . . . 135 . Als Juden beschimpft haben die Vereine Jüdischer Studenten den Wert kennen gelernt den das Judentum für sie hat. Sie haben angefangen sich auf sich selbst zu besinnen und auf eigene Füsse sich zu stellen. Sie wollen ihre Verteidigung nicht andern überlassen und sich nicht entschuldigen, dass sie Juden sind. Sie haben sich schon jetzt die Achtung ihrer Feinde erkämpft, wenn ihnen auch an dieser Achtung nichts gelegen ist. Nicht erschleichen und nicht erbetteln wollen sie die Achtung der deutschen Nation, sondern sie erringen durch ihre tatige, ehrliche Arbeit für ihr eigen Fleisch und 'Blut. Sie gehen darum daran, jene Assimilationsvereine auch an der Universität abzulösen, die bisher zu Unrecht als die Vertreter des Judentums galten, dessen schlimmste Feinde doch die getauften luden sind und solche, die es werden wollen. Die Vereine Jüdischer Studenten vertreten die Ehre des Judentums noch mehr als seine Rechte. Sie treten für sie ein, wo sie angegriffen wird. Und sie kämpfen für die jüdische Ehre gegen die Feinde aus anderm Blute, am meisten aber gegen den irinern Feind in seinem eigenen Busen. Es mag richtig sein, ja, es ist unbestreitbar richtig, dass die Wahlen zur Akademischen Lesehalle am wenigsten der Platz sein sollten, wo man über die Judeufrage streiten sollte. Aber nicht der Angegriffene wählt den Kampfplatz, sondern immer der Angreifer. Wir nützen unserer Sache gar nichts, w enn wir vornehm erklären, dass wir bei den akademischen Wahlen, wie sie jetzt leider bestehen, nicht unsern jüdischen Standpunkt vertreten wollen; denn w ir müssen uns dort verteidigen, wo wir angegriffen werden. Der Verein Deutscher Studenten hat die Lesehalle zum Tummelplatz des Kampfes gegen die Juden gemacht, die Freie Wissenschaftliche Vereinigung und ihre Nachbeter haben ihre Bestrebungen: ,,Los vom Judentum" d o r.t. propagiert und kämpfen dort einen gefährlicheren Kampf gegen das Judentum als alle antisemitischen Vereine je vermögen. Deshalb ist es die Pflicht jedes Juden, der sein Volk liebt, der es für ehrenvoll ansieht, dort zu stehen, wo seine Eltern und Vorfahren gestanden haben und gestorben sind, au dem Tage der Lesehallenwahlen für die jüdische Partei einzutreten. Deshalb muss jeder Jude, der sich als Jude fühlt und sich nicht aus dem Judentum herauslügen will, der sich eins fühlt mit der grossen-Geschichte seiner Ahnen, der seiner Väter sich nicht schämt, am Tage der Wahl für das J u d e n t u m wählen. Deshalb muss jeder jüdische Student, der sich nicht schämt, Jude zu sein.

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