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Der jüdische Student · 1902-12-01 · Heft 9 (Dezember 1902) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
1 (1902-1903)
Issue
Heft 9 (Dezember 1902)
Date
1902-12-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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134 No 9. zugeflüstert werde: „Sie sehen doch gar nicht jüdisch aus'/" oder: ,Ja Sie sind ein sehr anständiger Jude!" Unser jüdischer Stamm hat der halben Kulturwelt seine ethische Kultur gegeben, er hat der Welt eine Bibel gegeben, und er hat niemals in historischer Zeit weniger kulturelle -Bestrebungen gehabt, als die Nationen, die ihm vorwerfen, dass er sich bei seinen Festmahlzeiten wie die Maoris und Niam-Niams von Menschenblut nähre. Unser jüdischer Stamm hat eine so glorreiche Vergangenheit, dass er sich hinter keinem der Völker und Stämme zu verstecken braucht, die seit zwei Jahrtausenden auf dem Judenvoik mit eisernen Fäusten herumhämmern. Wir hatten einen Mose, €inen Jesja, einen Jesus und. einen Spinoza. Wir arbeiten heute für die Kultur der Menscheit, wie wir es in den ganzen vier Jahrtausenden unserer Geschichte immer getan haben. Ohne einer anderen Nation nahe treten zu wollen, können wir getrost behaupten, dass unser Stamm stets zu den kulturellsten Nationen der Erde gehört hat, und noch gehört. Und wir sollten ohne Not unser Eigenes aufgeben, es eintauschen gegen ein Anderes, das nur eben anders, nicht besser ist? Aber gesetzt den Fall, dass unser Volk wirklich die Schäden und Fehler hätte, die ihm von übelmeinenden Feinden und irregeleiteten Freunden angedichtet wrerden, so will ich doch lieber mit meinem eigenen Volk minderwertig sein, als mich dem besseren Fremden anschliessen. So wollte der germanische Held, der Frieseilherzog Radbod, lieber mit den Seinen in der Hölle braten, als von dem eigenen Stamme getrennt die Freuden des Paradieses gemessen. Aber diese Selbstachtung ist es, die unsern assimitionssüchtigen jüdischen Studenten abgeht. Und wie soll ein Fremder Achtung haben vor dem Judentum, das die Juden selbst nicht achten. Auf diesem Wege ist aus den Verteidigern der Juden der schlimmste Feind des Judentums geworden. Denn sie wollen das Judentum vor seinen Feinden retten, indem sie die Brandfackel in das Judentum schleudern. Der Verein Jüdischer Studenten bedeutet durch seine Gründung die Umkehr von diesem Wege. Er hat wieder jüdische Ehre als ein Panier aufgepflanzt, um das sich weithin die Söhne des alten Stammes scharen. Wie er den gelben Judenflecken, mit dem man unsere Väter schänden wTollte, als Ehrenmal in seine Farben aufgenommen hat, so hat er das geschmähte und geschimpfte Wort „Jude" als seinen höchsten Ehrentitel angenommen.

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