Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 9 (Dezember 1902)
- Date
- 1902-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No 9 13-a mögliche Weise die Juden den Deutschen nachliefen, während diese sich immer mehr bemühten, sich von den Juden streng abzuschliessen. Es ist bedauerlich, dass die jüdischen Studenten es lange nicht verstanden, dass es nicht der Mühe wert sei, um die Liebe einer Studentenschaft zu werben, die durch eine üppig-wuchernde judenfeindliche Litteratur, die an abgelegenen Orten der Universität blüht, den Beweis lieferte, dass selbst in die akademischen Kreise noch nicht jener feine Kulturgeist eingezogen sei, der eine Assimilation wünschens- und erstrebenswert erscheinen Hesse. Es ist bedauerlich, dass jüdische Studenten so wenig ihre eigene Würde als Menschen, ihre Judenwürde zu schätzen vermochten, dass sie es für angebracht hielten, ihr Judentum in dem Augenblick abzustreifen, wo es angegriffen wurde. Sie verstanden noch nicht, dass es ehrenvoller sei, mit einer sogar schlechten Nation zusammen zu halten, wenn sie angegriffen würde, als nach Beginn des aufgedrungenen Kampfes die eigene schwache Partei zu verlassen. Selbst wenn es vorher nicht notwendig gewesen wäre, das Judentum offen hervorzukehren, musste das Judentum unser Panier werden, als wir um seinetwillen angegriffen wurden. Wer Gefühl für eigene Ehre hatte, musste sich um die Fahne des Judentums scharen, als es in schmachvoller Weise angegriffen, seine Ehre in den Staub gezogen und durch den Kot geschleift wurde. Da galt es den Kampf für das Judentum aufzunehmen als selbstbewusste Juden, aber nicht als Schleppenträger anderer. Da galt es, frei, offen und ehrlich die beschimpfte Judennase hochzuhalten, anstatt sich zu entschuldigen und zu ducken. Das aber verstanden unsere jüdischen Studenten nicht so bald. Sie glaubten, wenn sie sich in Rathenauscher Weise gewissermassen entschuldigten, dass sie Juden seien, wenn sie möglichst auf jüdische Manieren und jüdische Gewohnheiten schimpften, umso mehr, je mehr ihnen selbst anerzogene Untugenden des Ghettos noch anhafteten, die Feindschaft gegen die Juden zu entwaffnen. Sie wollten den Juden helfen, indem sie das Judentum aufgaben. So nahm die in kulturellem Sinne begonnene Assimilationsbewegung infolge der antisemitschen Hetze die Form des Duckens und Versteckens an. Mit tiefer Wehmut erfüllt es uns, wenn wir sehen, wie noch heute junge jüdische Studenten ihren Ehrgeiz darin suchen, dass ihnen von ihren nichtjüdischen Kommilitonen einmal