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Der jüdische Student · 1902-10-01 · Heft 7-8 (Oktober 1902) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
1 (1902-1903)
Issue
Heft 7-8 (Oktober 1902)
Date
1902-10-01
Page
[Seite] (sequence 27)
Language
German
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No. 7/8. i23 Citteraturberkl)t M. A. Klausner. Die Gedichte der Bibel In deutscher Sprache. Berlin 1902. S. Kalvary & Co. „Die Gedichte der Bibel", die die Tochter des Übersetzers, Judith Klausner, mit Buchschmuck geziert hat, enthalten die Übertragung des Hohen Liedes, der Klagelieder, des Psalters und des Buches Hiob. Seinen Vorgängern gegenüber zeichnet das Werk ein charakteristischer Vorzug aus; Klausner ist ein Herrscher über die Sprache, und er handhabt die Formen, in denen deutsche Dichtung ihren Ausdruck findet, mit höchster Kraft. So vermag er, mehr als Andere, schon durch das Versmass die Stimmung seines Vorbildes auszudrücken. In die Nibelurigenstrophe hat z. B. unseres Wissens vor ihm noch niemand ein Lied der Bibel übersetzt, er kleidet in diese Form den 44. und den 78. Psalm. Der Gedanke ist neu, die Ausführung glänzend. Prächtig, wie ein altes Heldenlied hebt der 44. Psalm an: Aus unsrer Väter Sagen ist innig uns vertraut. Wie Du in ihren Tagen zerstört hast und gebaut. Wie Völker Du verderbtest, verjagtest mit eigener Hand, Wie Du den Vätern vererbtest am Jardenfhiss das heiige Land. Mit grosser Kunst versteht es der Uebersetzer oft, eine wuchtige, kraftvolle Stimmung zu erwecken. Wie ist die Trauer der nach Babel Geschleppten im 137. Psalm gemalt! Wir sasseu au Babels Flffssen Und dachten in Tränen dumpf An Zion. Unsere Harfen Lehnten am Weidenstumpf. Und wenn er den 45. Psalm, das Hochzeitslied für den König, beginnt: Aus tiefbewegtem Gemüte, Herr König, klingt Dir mein Lied, so giebt das ,,Herr König" dem ganzen eine schwere, altvornehme Färbung; man glaubt das Lied eines alten Ritters zu vernehmen, der seinem Lehensherrn den Vasallengruss darbringt. Wörtliche Uebertragungen sind die Gedichte nicht, dafür sind sie tief und stark nachempfunden; Schmerz und Jubel des Psalmisten kommt auch bei Klausner ergreifend zum Durchbruch; sein 69. Psalm geht dem Leser ans tiefste Herz. Bisweilen möchte man freilich die Uebersetzung auch etwas anders wünschen; wenn Klausner den 42. Psalm beginnt: Dürstend nach dem ewigen Born des Lebens Lechzet meine Seele nach dem Herrn, Wie die Hindin nach dem Quell, so bleibt er doch weit zurück hinter der Kraft seines Vorbildes „Wie der Hirsch lechzt nach den Wasserbächen, so lechzt meine Seele zu Dir empor, o Gott." Das prachtvolle Bild, das das Original beherrscht, tritt in der Übersetzung viel zu sehr in den Hintergrund. Doch solche kleine Mängel verschwinden vor der hinreissenden Schönheit dieser „Gedichte der Bibel44. Sie haben bei ihrem ersten Erscheinen in der „Israelitischen Wochenschrift44 viele erfreut, mög£n sie auch jetzt den Weg in die jüdischen Häuser finden und möge ihre Wucht und Kraft die, die der Bibel' fremd geworden sind, von dem Geist unserer heiligen Schriften einen Hauch verspüren lassen. Max Eschelbacher. Theodor Zlocisti: Vom Heimweg, Verse eines Juden. Brünn: Verlag der Jüdischen Volksstimme, 1903 (81 S.) 8°.

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