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Der jüdische Student · 1902-10-01 · Heft 7-8 (Oktober 1902) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
1 (1902-1903)
Issue
Heft 7-8 (Oktober 1902)
Date
1902-10-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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110 liebkeit und Menschlichkeit. Und da sollte die Studentenschaft auf ihrem Wege stehen bleiben und die Barbarei des Mittelalters wieder erwecken? Sollte sie wirklich so ihre Kulturmission erfüllen? Der Vizepräsident der Vereinigung Dr. Ph. Fildermann. Der 3. Kongress wird wohl erst im nächsten Jahre stattfinden. Aufgabe der ganzen bewusst jüdisch denkenden Studentenschaft wird es sein, bis dahin dafür zu sorgen, dass das Verlangen nach selbständiger jüdischer Organisation noch einmal und mit grösserem Nachdruck wiederholt wird. ca. Kation und fiationalismus. Von M e i n rieh L o e w e. Das „Zeitalter der Nationalitäten" nannte nicht zu Unrecht einer der bedeutendsten europäischen Staatsmänner unsere Zeit. Denn wenn man auch noch so sehr einer nationalen Entwicklung der Menschheitsgeschichte abhold sein mag, so kann man doch nicht umhin, die Tatsache als solche zuzugeben. Denn während grosse Parteien in unserem wirtschaftlichen und politischen Leben gerade eine nicht nationale Entwicklung für die Zukunft verlangen, so hat doch der kollektive Individualismus, den (man Nationalismus nennt, in den letzten Jahrzehnten derartig an Raum gewonnen, dass er dem gesamten europäischen Völkerleben ein gewisses Kolorit gibt, das alle entgegengesetzten Erwägungen nicht zu verwischen vermögen. Ganz abgesehen von dem Entstehen einer Zahl kleinerer und grösserer mehr oder minder national abgegrenzter Staatengebilde, und dem kräftigen selbstbewussten Hinausstreben anderer noch nicht staatlich gefügten Nationalitäten, ist schon der erbitterte Kampf, der gegen den Nationalismus und seine Fortbildungen mit grosser Schärfe und unerbittlicher Hartnäckigkeit geführt wird, ein Beweis, wie tief die nationale Idee mit ihren Fühlern in alle unsere Verhältnisse hineinreicht. In einer Zeit, wo sich überall das Streben kund tut, individuelle Eigenart kräftig zur Geltung zu bringen, wo an Zahl kleine Nationalitäten wie Dänen und Norweger eine eigenartige nationale Kultur bztl. Litteratur schaffen, wo innerhalb der grossen Volksgemeinschaften, wie der deutschen, die lokale und territorielle Färbung in Schrifttum und Kunst sich ausleben kann, ohne der nationalen Grundidee entgegentreten zu müssen, wo sogar der Dialekt wieder zur Geltung kommt, kann von einer urteilslosen Gleichmacherei keine Rede sein. Das scheinbar Auseinanderstrebende findet eben im nationalen Gedanken, der die ganze moderne Kultur durchweht, wieder die notwendige Einheit. Aber etwas anderes ist Chauvinismus, etwas anderes Nationalismus. Gleichwohl v/erden die zwei so häufig verwechselt, wie nur Sozialis-

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