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Der jüdische Student · 1902-10-01 · Heft 7-8 (Oktober 1902) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
1 (1902-1903)
Issue
Heft 7-8 (Oktober 1902)
Date
1902-10-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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No. 7/8. 109 nasses auch in kultivierten Ländern. — Nach Beendigung der Konferenz hat der Vizepräsident der Sektion Speciale, Dr. Fiidermann, einen Brief an die rumänische Studentenschaft gerichtet, der uns wert erscheint, an dieser Stelle in deutscher Uebertragung veröffentlicht zu werden. „Kommilitonen! Ihr wundert Euch hoffentlich nicht, wenn der Vertreter der rumänisch-jüdischen Jugend in dem zwischen Euch und den jüdischen Studenten aus Rumänien entbrannten Kampfe, der von Eurer Seite so heftig geführt wird, das Wort ergreift. Ich vermute, dass Ihr Euch von dem Internationalen Studentenbunde deshalb zurückgezogen habt, weil es Euch, dank Umständen, die ich nicht erörtern will, zur Zeit unmöglich ist, „alle die Kundgebungen zu ermutigen, die Vorurteil, Hass und Groll zwischen den Völkern tilgen wollen.44 Obgleich doch diese Pflicht von allen, die die Ehre haben, unserm teuren Bunde anzugehören, peinliche Erfüllungen verlangt. Das ist traurig, doch hättet Ihr noch irgendwie Anteil an ihr, dann würde ich Euch an ihren edlen Wahlspruch: „Corda Fratres" erinnern, und Euch auffordern, mit allen anderen Studenten der gesitteten Welt, und folglich auch mit den jüdischen, unseren friedlichen Schlachtruf anzustimmen. — Dies die Antwort auf Eure Frage nach unserer Stimmung gegen die rumänische Nation. Wenn die rumänischen Studenten auch nicht wie die jungen Akademiker der gebildeten Welt fühlen, so wissen sie dennoch wohl, dass die Entartung oder die Minderwertigkeit einer Rasse einen Gebildeten nicht veranlassen darf, diese zu verachten, dass der Gebildete vielmehr seine Ueberlegenheit dadurch erweist, dass er es als seine heilige Pflicht ansieht, jenen sein edleres Geistesleben einzuhauchen. Wenn die rumänischen Studenten finden, der jüdische Stamm sei entartet, dann ist es ihre Pflicht, menschlich und brüderlich zu sein, wie die jungen Studenten aller Länder. Doch die Juden können ihnen diese Pein ersparen. Ein Stamm, der der Welt Männer wie Moses, Salomon, die Propheten, wie Maimonides, Spinoza. Marx oder Heine geschenkt hat, hat sein letztes Wort noch nicht gesprochen. Er braucht gewiss nicht die Hülfe der rumänischen Jugend, wenn er in der ersten Reihe der Völker seinen Platz behaupten will. Der Philosoph, der heute die deutschen Studenten beherrscht, Nietzsche, erkannte — mit Schmerz, denn er war Antisemit — dass zwei Völker heute in Europa siegreich bleiben, die Russen auf dem Schlachtfeld, die Juden auf dem Felde der Moral. Doch gerade in dem Augenblick, wo aus dem Schoosse des Judentums ein grandioser Gedanke, wie einst das Christentum, erwächst, behandelt die rumänische Studentenschaft, die die Geschichte und die Entwicklung des Gedankens der Gerechtigkeit kennen sollte, diesen selben Stamm als entartet und schliesst daraus, man müsse ihn vertilgen. Ich will nicht fragen, ob es Recht ist einen Menschen grausam zu fesseln und zu binden und dann von ihm die Erklärung zu verlangen, er liebe seine Peiniger. Gerade eben schütteln alle lateinischen Nationen von Frankreich und Italien bis zum katholischen Spanien die Pest der Pfaffen und Antisemiten die sie so lange gequält hat, ab. Gerade jetzt blühen überall in der Welt im Kaiserpalast wie in der Bauernhütte die schönsten Gedanken der Brüder-

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