Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 7-8 (Oktober 1902)
- Date
- 1902-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3537599-3553284-3553290--0115-3553402- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 7/a 107 Sitzung bei Festsetzung der Tagesordnung, zu der wir mit weissblauen Bändern geschmückt erschienen, mussten wir schon kämpfen. Man verlangte speziell von uns Aufklärungen, worüber wir zu sprechen gedenken. Als L i b r e s c u dagegen energisch protestierte, dass man nur von der „Section speciale'4 im vorhinein Mitteilungen verlange und Kauf erklärte, dass man sich das Wort mit aller Macht zu verschaffen wissen werde, einigte man sich nach längerer Debatte, dass alle Sektionen mitzuteilen haben, worüber sie zu sprechen gedenken. Jetzt erklärte Kauf, was die „Sektion speciale" vorbringen wolle und dies war die Kriegserklärung gegenüber den Rumänen. In der ersten Sitzung sprach L i b r e s c u , welcher Italien und Venedig im Namen der jüdischen Studenten begrüsste und sich den Worten anschloss, die die Vorredner über den Tod Zolas vorgebracht hatten. Die zweite Sitzung überzeugte uns schon am Anfang, dass die Mehrheit der Anwesenden unserer Sache sympathisch war; die Rumänen wollten nämlich die Diskussion auf die letzte Sitzung verschieben, wogegen sich L i b r e s c u entschieden verwahrte. Nach längerer Debatte wurde der Antrag eines italienischen Studenten, wonach die Referenten sogleich zu sprechen haben, angenommen, hingegen der Antrag der Rumänen verworfen. Nun verlangen die Rumänen, man möge sie zuerst anhören, worauf Kauf die Absicht der Rumänen, die jüdischen Delegierten nicht zum Worte kommen zu lassen, klarlegte und es wurde ihm deshalb sofort das Wort erteilt. Das Referat des Kollegen Kauf wurde in der „Weif4 schon besprochen. Wir bemerken nur, dass, obwohl unser Antrag abgelehnt wurde, wir die blosse ausführliche Darstellung unserer Idee schon als einen Sieg betrachten können. Ausserdem bedeutet das Votum einen Schlag für die Rumänen, von denen nachher wegen dieses Votums einer ihrer Führer, Herr V i s o i u , samt seinen Anhängern demissionierte. Während der Debatte sprach auch unter anderen der italienische Jude, unser Gesinnungsgenosse Angelo S u 1 a m , Verfasser der Broschüre „R i t o r a n d o a 1 M e d i o e v o'4, über die Lage der rumänischen Juden. Er konnte aber seine Ausführungen nicht beenden, da die Versammlung, am meisten die rumänischen Studenten, angeblich von Politik nichts hören wollte. Da seitens des Vorsitzenden die „Sektion speciale44 befragt wurde, warum die rumänischen Juden nicht in die „Section roumaine44 aufgenommen werden wollen, begann L i b r e s c u seine Rede, in der er auf die antisemitische Agitation und das ganze unzivilisierte Gehaben der rumänischen Studenten in der Judenfrage hinwies. Er konnte aber seine Rede nicht vollenden, da ein Teil der Zuhörer schrie, sie wollen keine Politik hören, während ein anderer Teil (die Rumänen) Obstruktion trieben und fortwährend über Ermüdung klagten. Jedoch gelang es Librescu, alle Anklagen gegen die Rumänen, wenn nicht in einer geordneten Rede, so doch bei seinem Eingreifen während der Debatte über unseren ersten Antrag, wie auch bei anderen Diskussionen zu erheben und auseinanderzusetzen. (Es werden die Reden der Delegierten später in einem Bulletin veröffentlicht werden.) Die Erörterung der rumänischen Judenfrage war unser zweiter, grosser Sieg. Die anderen Sitzungen sind für uns nur von relativer Wichtigkeit, «termin wollen wir sie auch nicht ausführlich behandeln. Wir möchten nur