Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 7-8 (Oktober 1902)
- Date
- 1902-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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lue No. 7/8, wurde eine „Sektion Speciale" für alle die gegründet, „die nirgends Bürgerrecht besitzen". Der Kniff war glänzend; da aber in der ganzen weiten Welt nur e i n Volk in die traurige Lage kommen kann, nirgends Bürgerrechte zu besitzen, so war von vorherein die „Sektion Speciale" de facto eine „Sektion Juive". Nunmehr traten hier auch eine ganze Anzahl bewusst Jüdisch denkender Elemente ein, und diese beschlossen, auf dem diesjährigen Kongress mit aller Macht die Anerkennung einer besonderen Sektion Juive zu verlangen, um diesem unwürdigen Zustande ein Ende zu machen. Als das bekannt wurde, wurde der für September angesetzte Budapester Kongress unter nichtigem Vorwande abgesagt, und statt dessen eine Konferenz nach Venedig berufen. Soviel zur Vorgeschichte des Folgenden. Von der Sektion Speciale wurden zwei Delegierte, Librescu und Kauf, beide Zionisten, abgeordnet. Hören wir den Bericht der Delegierten selbst (aus „Die Welt" No. 42.): *) Der Grund, der uns veranlasste, in den internationalen Studentenbnnd einzutreten, war nicht das Bedürfnis, an den Festlichkeiten teilzunehmen, sondern wir wollten noch einen Kampfplatz gewinnen, wir wollten als jüdische Nationalität auftreten, dort, wo andere Nationalitäten vertreten sind, wir wollten den Studenten aller Nationen die Ungerechtigkeiten zeigen können, denen unsere Brüder ausgesetzt sind. Wenn wir in der Corda Fratres" gar keine Tätigkeit zeigen, sondern nur als eine separierte jüdische Abteilung erscheinen wollten wie die anderen Nationalitäten, das würde schon ein ausreichender Grund gewesen sein, um unser Einschreiben in die „Corda Fratres" zu motivieren. Wenn man aber bedenkt, dass wir Gelegenheit haben, auf den Kongressen unsere Idee vor derjenigen Jugend zu vertreten, die ein reiches Kontingent in den leitenden Teil der Gesellschaft abgibt, so wird man erkennen, dass unser Eintreten in die „Corda Fi atres" nicht nur nicht überflüssig, sondern sogar notwendig ist. Mit diesem Gedanken erfüllt, rüsteten wir uns auch für den Budapester Kongress, da dieser aber abgesagt wurde, so war unsere Beteiligung an der Venediger Vorkonferenz meistens aus pekuniären Gründen unsicher. In letzter Stunde löste sich auch diese Frage, dank der Unterstützung seitens einiger zionistischer Korporationen und einiger Gesinnungsgenossen, denen wir auch hier bestens danken. Nachdem der Vizepräsident der „Sektion speciale", Dr. F i 1 d e r m a n. den Kollegen Librescu ersucht hat, ihn in Venedig zu vertreten, wurde dieser und Kollege Kauf zur Vorkonferenz delegiert. Die Aufgabe derselben war so verteilt: Kauf sollte unsere Resolution, betreffend die Bildung der „Sektion Juive", begründen, Librescu sollte eine Motion vorlegen und motivieren, durch welche die Konferenz den rumänischen Studenten ihr Bedauern über deren Verhalten gegenüber den Juden ausdrücken sollte. Was den ersten Antrag betrifft, ist er in der „Welt" ausführlich besprochen worden, so dass wir nur von denjenigen Teilen der Diskussion sprechen werden, die nicht genügend erörtert wurden. In der Eröffnungs- *) Der Bericht ist vom zionistischen Standpunkte aus geschrieben, der für uns und unser Blatt nicht verbindlich ist.