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Der jüdische Student · 1902-10-01 · Heft 7-8 (Oktober 1902) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
1 (1902-1903)
Issue
Heft 7-8 (Oktober 1902)
Date
1902-10-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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No. 7/8. die Aufrechterhaltung dieses Gesetzes wachte der Geldbeutel der rechtgläubigen Doktoren, aber ohne Erfolg, und viel berichten die Chroniken von dem Schmerz der Fakultäten und der Aerzte, dass diese Vorschrift dei heiligen canones so ganz unnütz sei und dass die Kranken eben doch lieber zu den Juden, als an sie sich wandten. Nicht ohne eine gewisse Komik verlief die Geschichte eines anderen kirchlichen Gebotes, wonach die Juden ihre Gottesdienste möglichst still und unbemerkt feiern mussten. Schon Gregor der Grosse hatte bestimmt, eine Synagoge müsse verlegt werden, wenn sie so nahe bei einer Kirche sei, „ut ad eam vox psallentium perveniret." 600 Jahre später aber muss sich Innocenz III. dagegen verwahren, dass die Juden „nno demissa voce, sed magno cum clamore" ihre Feste feiern und im Jahre 1288 wurden gar die Pariser Juden bestraft, „quod nimis alte cantassent" Bisweilen hob auch die Kirche selbst ihre Judengesetze auf; so wurde 1467 in Oesterreich bestimmt, einem Richter, Schöffen oder Schreiber, der in Streitsachen zwischen Christen und Juden zu Gunsten der Juden entscheide, solle die Absolution und der Empfang der Sakramente erschwert oder verweigert werden. Diese Verordnung, die ihren Urheber heute ins Zuchthaus bringen würde, wurde bereits 1469 von Paul II. für ungiltig erklärt. So zeigt es sich denn: viele Judengesetze konnten nicht leben und nicht sterben. Dass andere dafür um so schwerer drückten bleibt leider wahr. Max Eschelbacher. Gorda fratres. Diejenigen, denen der Begriff „Corda fratres'4 nicht durch häufigen Gebrauch schon vertraut geworden ist, werden ihre Kenntnis des Lateinischen stark in Anspruch nehmen müssen, um dahinter zu kommen, dass das sonderbare Wortbild „Herzensbrüder'4 bedeutet. „Corda fratres'4 ist der Name des grossen internationalen Studentenbundes, der von einem Turiner Professor vor 4 Jahren ins Leben gerufen wurde, mit der hohen Aufgabe» an der Verbrüderung der Nationen zu arbeiten. Gemäss diesem Grundsatze ist die natürlich gegebene Einteilung des Bundes in Nationen das Fundament seiner Organisation. So hatten es auch die rumänischen Studenten, welche daheim den Pöbel gegen die Juden hetzen und in antisemitischen Demonstrationen auf, ja über der Höhe ihrer Zeit stehen, für gut befunden, zur Verbrüderung der Nationen neben Franzosen, Italienern u. s. w. eine Sektion Roumaine dem Bunde anzugliedern, grade so wie der Bankier, der Millionen veruntreut, von diesem Schandgeld Kirchen baut. Und nun wird es interessant: Rumänische Juden hatten sich — natürlich — zum Eintritt bei der Sektion Roumaine gemeldet, waren aber abgewiesen worden, weil sie kein rumänisches Bürgerrecht besässen. Auf ihre Beschwerde beim 2. allgemeinen Studentenkongress verfiel man auf ein prächtiges Auskunftsmittel; es

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