Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 7-8 (Oktober 1902)
- Date
- 1902-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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- Homer 1× ep/1025156
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108 No.7/8. glied zum Träger der reinsten und allumspannendsten Gottidee gemacht, — zugleich auch das Volk der Kunst sein muss. Drum ist es eine abgegriffene leider durch das Alter sanktionierte Redewendung, die Griechen das Volk der Kunst, die Juden das Volk der Religion zu nennen. Das ist ein künstlicher Gegensatz, eine verständnislose Konstruktion aus jener Zeit, da die historischen Tatsachen noch nicht in ihrem genetischen Zusammenhang, in ihrer rassenpsychologischen Verknüpfung erkannt waren. Die Fülle der uns überlieferten und erhaltenen Kunstwerke aus Hellas und Rom blendet und verdunkelt die spärlichen Reste jüdischer Altertümer! Allein, wenn wir auch nie Kunstwerke produziert haben sollten (— wer weiss, was der vernachlässigte Boden unseres Heimatlandes in seinem Innern birgt*) —) für die Frage, ob die Juden ein hochbegabtes, schöpferisches Volk der Kunst gewesen sind, beweist es nichts. Man schien vergessen zu haben, dass Poesie und Musik auch Wesenteile der Kunst sind, vielleicht gar die reifsten. Und unsere Bibel, überhaupt unser Schrifttum ist nicht nur eine Tammelstätte für philologische Gemüter, kein Kompendium der Ethik und sozialer Gesetzgebung, als das man sie vorzugsweise bezeichnet, sondern im höchsten Sinne ein künstlerisches Werk? das in allen Formen dichterischen Schaffens den ganzen Reichtum seelischer Stimmungen in sich birgt. Was ist Homer gegen die Bibel! Dass die Bibel das Werk der Menschheit geworden ist, ein nie versiegender Born, aus dem die grössten Meister zweier Jahrtausende schmachtend schlürften, zeigt, dass sie ein echtes, reiches Kunstwerk ist — herausgewachsen aus den zartesten und demütigsten Stimmungen menschlicher Seele. Das Machtwort des Herrn hatte aber den künstlerischen Gestaltungsdrang im Volke in die Einseitigkeit poetischer Formen gedrängt. Die Zunge wurde gelöst, die Saiten der Leier wurden gestimmt, die schaffende Kraft der Hände hat es gefesselt. *) Es wäre der Forschungsmühe wahrhaftig wert. Jüdische Kunstaltertümer sind in den Räumen unter der Omarmoschee lind in der Aksa ans der Zeit des ersten Tempels reichlich erhalten. Wann endlich wird ein jüdischer Palästinaverein für wissenschaftliche Forschungen im alten Heimatlande Judas entstehen? Die Redaktion.