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Der jüdische Student · 1902-09-01 · Heft 6 (September 1902) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
1 (1902-1903)
Issue
Heft 6 (September 1902)
Date
1902-09-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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94 No. 6. bindungen um die Gunst arischer Kommilitonen gebuhlt wird. Und diese Juden haben stets dem Blicke der ganzen Welt, auch ihrer ärgsten Gegner, standgehalten und sich ihres Urteils nie zu schämen brauchen. Auch darin müssen wir der „Post44 beipflichten, dass wir nicht gewillt sind, unser Judentum aufzugeben .um im Deutschtum zu verschwinden. So lange es Vereine Jüdischer Studenten geben wird, wird der jüdische Akademiker Judas Banner hochhalten und einen ehrenvollen Untergang schimpflicher Lüge vorziehen. — Hat sich aber etwa jemand soweit durch den Artikel täuschen lassen und sich über die richtige Würdigung unserer Ziele gefreut, so muss der Schlusspassus ihn aufklären und unliebsam daran erinnern, dass es nun einmal Antisemiten sind, die uns mit ihrer Zuneigung bedacht haben. Glücklicherweise wissen wir dieselbe gebührend zu würdigen und können um so leichteren Herzens auf sie verzichten, als die Freundschaft der „Post" sehr wetterwendisch zu sein scheint. Sie schliesst nämlich folgendermassen: „Wir unterschätzen darum die soziale Bedeutung der jüdischen Studentenschaft ebensowenig, als wir jemals dem Zionismus unsere Zustimmung versagt haben/4 Wem kommt da nicht die Note in den Sinn, die die „Post44 vor noch nicht vier Monaten dem Zionismus ins Albuin schrieb, als sie einen Vortrag des Herrn Dr. Moses besprach? Damals hiess es: „Nur als Gradmesser für die Berechtigung der in dem gesellschaftlichen Antisemitismus liegenden Defensive hat der Zionismus seinen Wert; in seinen Zielen aber müss er bekämpft werden, wie alle internationalen Vereinigungsbestrebungen des Judentums, die einen Widerspruch gegen die Beweggründe zur Verleihung der vollen bürgerlichen Gleichberechtigung an die Juden sind.44 Noch also brauchen auch wir nicht zu befürchten, dass die „Post" und ihre Freunde uns wirklich mit ihrer Sympathie belästigen; bei der nächsten Gelegenheit werden sie uns wieder ihre Gunst entziehen, und wir werden von einer schweren Last befreit sein. Wie dem aber auch sei, ob mit oder ohne Zustimmung alier ihrer Feinde, die jüdischen Studentenverbindungen werden geradeaus ihren Weg wandeln und sich der Angriffe von rechts und von links zu erwehren wissen. H. M. Von Hochschulen und Universitäten. Heidelberg, 9. September. Der engere Senat der Universität Heidelberg hat die jüdische Verbindung „B a d e n i a44 im „K.-C.44 dauernd aufgehoben; den dagegen eingelegten Rekurs hat das badische Ministerium aui Grund eines Berichts des Senats abgewiesen. Schon vor einem Jahre war die Korporation für ein Semester suspendiert worden, weil ihre Mitglieder gröbliche antisemitische Beleidigungen tätlich erwidert hatten. Die damalige Disziplinierung erfolgte auf Grund einer von mehreren Korporationen ausgehenden Denunziation, in die bis auf den einzigen Fall, wo Badenen zugegebenermassen der schuldige Teil waren, nicht einmal die Namen der beiderseits Beteiligten oder Zeugen genannt waren. In der Gegenschrift der „Badenia", die für jeden Vorfall Zeugen namentlich aufführt, waren die antisemitischen Korporationen aufs schwerste belastet. — Einzig auf das sich in den wesentlichsten Punkten völlig widersprechende Aktenmaterial hin, ohne jedes Verhör der Beteiligten oder Zeugen, erfolgte die Entscheidung zu Ungunsten der „Badenia", die gegnerischen Korporationen blieben straflos. — Die zur Begründung des nunmehrigen dauernden Verbotes angeführten Vorfälle sind grösstenteils so geringfügiger Natur, dass sie dem mit den Universitätsverhältnissen Vertrauten wie mit den Haaren herbeigezogen erscheinen, umsomehr, als gerade in Heidelberg von Mitgliedern anderer Korporationen weit mehr und weit schwerere, die öffentliche Ordnung ernstlich gefährdende Verfehlungen erfolgt sind, ohne dass gegen die Korporationen disziplinarisch eingeschritten wurde. Bedenklich erscheint auch, dass ein harmloser Studentenstreich ohne jegliche

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