Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 6 (September 1902)
- Date
- 1902-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 6. 93 Dank der Erkenntnis und Besonnenheit erfahrener Männer aus der „Veda", die einsahen, dass in der heutigen Zeit der Parteikämpfe, wo ein jedes Volk und jede Nationalität zur Wahrung seiner Interessen sich lusammenschart und fest zusammenhält, hat sie denn auch ihre bisherige Tendenz aufgegeben und sich dem B.J.C. angeschlossen unter vollständiger Annahme seiner Prinzipien, in der Einsicht, dass ihr nur so, gleich den anderen V. J. Sten eine glänzende Zukunft beschieden sei. Die Gründung dieses neuen Brudervereins gerade in Würzburg ist für uns von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Denn an dieser Universität bildet es gleichsam einen Knotenpunkt für unsere Bewegung, ein Bindeglied unserer Tätigkeit für Nord- und Süddeutschiand, einen kräftigen Stützpunkt für Mitteldeutschland, insbesondere für Hessen und das Rheinland, denn gerade die jüdischen Studenten dieses Bezirkes gehen mit Vorliebe nach Würzburg. In Anbetracht dieser Umstände könnten wir also in Würzburg auf einen fruchtbaren Boden rechnen. An uns nun wird es liegen, ihn möglichst ergiebig zu machen; gleich von Anfane an müssen wir frisch und lebendig ans Werk gehen. Sind wir träge und lässig, um vielleicht erst nach Jahren mit Fleiss die Arbeit aufzunehmen, so wird sich dies Versäumnis nicht wieder gut machen lassen, denn der Boden hat dann bereits an Erspriesslichkeit verloren. Wie wir säen, so werden wir ernten. V.J.Ster! insbesondere Ihr, die Ihr im Begriffe seid, eine andere Universität aufzusuchen, haltet mit Euch Rat; seid Euch bewusst, dass eine heilige Pflicht Euch mahnt, in diesem Falle nach Würzburg zu gehen. Lasset Eure persönlichen Interessen hinter unsere Idee zurücktreten, indem Ihr in Würzburg für unsere gemeinsame Sache arbeitet und kämpft. Hütet Euch, etwa einzuwenden, dass Ihr im V.J.St. „Veda" nicht benötigt wäret, insofern Ihr glauben möget, ein Verein, der ohne Zutun von V.J.Stern sich uns angeschlossen hat, wird auch durch diese seine eigene Kraft sich emporarbeiten. Es ist dies ein falscher Schluss. Nur dem Namen nach wird er ein „Verein Jüdischer Studenten4* sein, das wirkliche V.J.Stertum; aber wird in ihm fehlen. Dieses jüdische Geistesleben lässt sich nicht von Berlin oder München aus diktieren; mit Eurer Anwesenheit müsst Ihr durch persönliches Wirken und Schaffen dem Verein jüdische Lebenskraft und Lebensstärke eingeben und in den Herzen der einzelnen jüdisches Fühlen und Denken wachrufen! Nur so wird der V.J.St. „Veda" in unserem Sinne gedeihen. Discite moniti! Sichel. Die „Post" beschäftigt sich in der Nummer vom 23. 8. 1902 mit den jüdischen Korporationen und meint, dass man „nach ihrer Stellungnahme zur Judenfrage'4 die jüdischen Korporationen nur begrüssen kann." Argwöhnisch, wie wir solche Danaergeschenke nun einmal aufzunehmen gewohnt sind, könnten wir uns mit der Begründung dieses Grusses doch anfreunden. Zunächst wird ausgesprochen, dass nicht wir es wollten, sondern dass von dem Augenblicke an, wo wir alle Rechte erhielten, die studentischen Korporationen uns auszuschliessen begannen und so ein völliges Aufgehen der jüdischen Akademiker im Deutschtum, wenn ein solches überhaupt zu wünschen wäre, unmöglich machten. Noch besser hat die „Post" die Tatsachen begriffen,wenn sie fortfährt: „Denn die jüdischen Studentenvereinigungen müssen sich ebenso, wie alle anderen in ihrer spezitischen Eigenart ausleben und bieten sonach der Oeffentlichkeit, dem Staate und vor allem der Staatsregierung die beste Gelegenheit, das Judentum seinem inneren Wesen nach kennen zu lernen." Allerdings bieten sie diese Gelegenheit; und wir sind daher neugierig ob die Herrren Antisemiten von jetzt ab den Massstab für die Juden an jüdischen Korporationen anlegen werden. „Juden" giebt es nur in spezifisch jüdischen Vereinigungen und nicht dort, wo in sogenannten paritätischen und „judenreinen" Ver-