Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 6 (September 1902)
- Date
- 1902-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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92 No. 6. Existenzberechtigung nachzuweisen, dass es noch Grosses auf Erden zu leisten hat. Kein Mensch braucht einem die Frage zu beantworten, womit er seinen Anspruch auf Dasein begründet; er lebt nicht, weil er etwas zu leisten hat, sondern er leistet etwas, weil er lebt; wie viel es ist, geht seine Lebensberechtigung nichts an, höchstens wer schädlich ist, darf entfernt oder unschädlich gemacht werden. So wird auch das jüdische Volk im eigenen Lande sein Leben durch eigene Kulturarbeit betätigen; wie bedeutend diese sein wird, wird die Zukunft erweisen. Yorher von den „idealen Werten" zu sprechen, die in der Zukunft geschaffen werden sollen — ein Wechsel auf unbestimmte Zeit —, gerade das erscheint mir als nichtssagende Ideologie", zumal da der Begriff der idealen Werte mir ein sehr verschwommener zu sein scheint. In dem Zusammenhang (Hindeutung auf die grossen kulturellen Werte, welche die Juden einst schufen) kann ich nur an ethische Werte denken; ethische Werte aber, gleich denen des alten Testaments, wieder schaffen zu wollen, zeugte von einem ausgearteten Selbstbewusstsein, überdies haben wir es in Obigem ausgeschlossen, dass ein Volk in späteren Stadien . seines Seins neue ethische Werte schafft. E. E. Zur Gründung des „V.J.St Veda" in Würzburg. An die V.J.Stert Bezugnehmend auf den Artikel in No. 5 des „Jüdischen Studenten", den neuen „Verein Jüdischer Studenten „Veda" zu Würzburg" betreffend, erachte ich es als Mitglied des Münchener V.J.St, der die Verhandlungen gepflogen hat und infolgedessen die Würzburger Verhältnisse kennt, für notwendig, an die V.J.Ster folgende Worte zu richten: Während sonst neue V.J.Sten von schon bestehenden aus gegründet worden sind, tritt bei dem Erstehen, des V.J.St. ^Veda" zum ersten Mai ein Fall auf, wo eine jüdische Verbindung ,ohne Anregung von V.J.S tern, ganz aus sich selbst heraus, das Bedürfnis gefühlt hat, sich dem B.J.C. anzuschliessen. — Der Quell dieses Bedürfnisses dürfte in der Hauptsache in dem Umstand zu suchen sein, dass die „Yeda" eines moralischen und physischen Rückhaltes entbehrte. Wenn wir die Geschichte der „Veda" betrachten, als einer Vereinigung, die anfangs einen geselligen Kreis bildete, in dem Juden wie Nichtjuden sich bewegten, und einen geradezu assimilatorischen Charakter trug, später, als das nichtjüdische Element fernblieb, als jüdische Verbindung sich ausgab, die auf ihr Programm Förderung der Wissenschaft und Pflege der Geselligkeit geschrieben hatte, wenn wir uns in den Verbindungsgeist dieser jüdischen Studenten so recht hineindenken, muss uns das Haltlose einer solchen Tendenz bei einer jüdischen Verbindung in die Augen fallen. Als jüdische Verbindung in unserem Sinne war sie weder Fisch noch Fleisch; ihr konnte so keine Zukunft erblühen.