Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 5 (August 1902)
- Date
- 1902-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3537599-3553284-3553288--0078-3553367- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
No. 5. Dazu kommt; dass zum Begriffe der Religionsgemeinschaft "in erster Linie die Gemeinschaft der Religion gehört. Und wenn früher vielleicht eine solche bestanden hat, so kann man doch heute nicht mehr von einer solchen spiechen, man mag diese Tatsache nun beklagen oder sich ihrer freuen. Es i>t unmöglich von einer Religionsgemeinschaft zwischen ehassidischen Rabbinern einerseits und den Anhängern der Berliner Reformgemeinde andererseits zu sprechen. Die aus der religiösen Gemeinschaft des Judentums längst ausgeschiedenen Karäer stehen im engeren religiösen Zusammenhange mit der religiösen Welt des talmudischen Judentums als der jüdische Philosoph, der eben erst eine Ethik des Judentums geschrieben hat, die nach seiner Meinung ein Fels sein soll, um den Bestand des Judentums zu wahren und zu schützen. Die Rabbiner der Aschkenasim und Sephardim haben ebenso wenig die gleiche Religion mit Professor Lazarus oder Pn fessor Cohen, wie sie Baruch Spinoza mit seinem Zeitgenossen Schabbalai 7ebi hatte. Aber darum denkt keiner daran, dem andern die unbedingte Zugehörigkeit zum Judentum zu bestreiten. Und wie es Juden giebt, die trotz ihrer Zugehörigkeit zum Judentum gar nicht daran denken, sich zum Glauben an einen Gott zu bequemen, so giebt es unendlich viele Tvichtjuden, die gerade den Glauben an den einen Gott mit dem „Judentum" gemeinsam haben. Wäre der Glaube an einen einzigen Gott massgebend für die Begriffsbestimmung des Juden, so würden unendlich viele, gerade studierte und studierende Juden wicht zum Judentum zählen, wohl aber die vielen Millionen Mubammedaner als Juden zu betrachten sein. Aber wie auf der einen Seite cTer Sultan mit seinen Gläubigen niemals zur Judenheit gezählt werden kann, sc wird es niemandem einfallen, den ungläubigen Juden als etwas anderes zu behandeln als nur als Juden. Die Zugehörigkeit zum Judentum wird also nicht von der Ueberzeugung, d. h. von der Religion abhängig gemacht, sondern von der Abstammung. Die Juden bilden also keine Religionsgemeinschaft. Die Gründung eines VJ.St. zu Würzburg. Josef Schweitzer- Die Gedanken, die im Jahre J895 eine kleine Zahl jüdischer Studenten erfüllten und sie dazu trieben, in Berlin einen „Verein Jüdischer Studenten" zu gründen, haben rasch um sich gegriffen. Binnen weniger Jahre bildeten sicli neue „Vereine jüd. Studenten" zu Leipzig, zu Breslau, zu München, zu U.arlottenburg. Alle diese Verein schlössen sich dann zu dem „Bund Jüdischer C.orporationen" (BJ.G.) zusammen. Am 29. Juli d. J. hat der B.J.C. nun einen weiteren Zuwachs erhalten. Zu Würzburg, dieser „Perle des fränkischen Landes" hat sich ein neuer V.J.St. aufgetan. Das Bemerkenswerte an diesem neuen Verein ist, dass er nicht in der Art gegründet wurde, wie die bisherigen V.J.Stern indem V.J.Ster anderer Universitäten in der betreffenden Universitätsslidt einen Aufruf erliessen und zur Gründung eines V.J.St. aufforderten, nein, zum ersten Male hat sich ein schon viele Jahre bestehender Verein, der bisher anderen Zielen nachging, aus freien Stücken mit den Tendenzen der V.J.Sten einverstanden erklärt und sich dem B.J.C. angeschlossen.