Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 5 (August 1902)
- Date
- 1902-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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67. manchmal erst im Tode oder erst nach dem Tode des Helden. Es werden sogar Kulturen ausgegraben. — Schuld und Verdienst! — Daraus folgt, dass ein Volk, welches hier mitkämpfen will, gewissermassen auch Pflichten hat. Es wird zum Wettkampf nicht zugelassen, wenn es nichts anderes kann als Werte empfangen. Es muss auch Werte geben können. Es muss den "Willen zur Schöpfung kultureller Eigenwerte, es muss Idealismus haben, Idealismus zur Harmonie seines kulturellen Lebens hin. Dieser Idealismus ist jenes undefinierbar Scheinende, das wir gemeinhin „Nationalismus" nennen. Der Nationalismus ist also eine Art Idealismus, also Bewusstsein und Streben in eins. Schliesslich muss noch bemerkt werden, dass es zweifelsohne auch auf der Arena des Völkerlebens Steinblöcke und Hindernisse giebt, über die man stürzen kann. * Das jüdische Volk hat, solange es auf eigener Scholle lebte, starke kulturelle Werte geschaffen. Diese Werte waren so kräftig, dass sie in verhältnismässig kurzer Zeit zu Werten der Zivilisation emporgestiegen sind. Besitzt aber die Zivilisation von heute auch Werte, welche einer jüdischen Eigenkultur der zwei letzten Jahrtausende entsprungen wären? — Darauf antworten wir mit einem schlichten: Nein! Zugleich aber sagen wir: Das jüdische Volk hat noch immer die Kraft, derartige Werte zu schaffen. In diesem Satz liegt für uns der einzige Grund, weshalb wir den Bestand des Judentums wünschen. Alles andere ist für uns leere, nichtssagende Ideologie. Dass ein Volk vor Zeiten eine — wenn auch noch so grandiose — Kulturarbeit geleistet hat, ist an und für sich sehr schön; es giebt ihm aber heute nicht das Recht, zu leben und von allen Seiten kulturelle Werte zu empfangen, ohne in gleicher Münze Gegenzahlung zu leisten. Es wird nun behauptet, dass die ethisch-religiösenldeen der Bibel — manche fügen noch hinzu: und des Talmuds — noch immer unser ureigenster Eigenwert seien. Dies sei schon daraus zu erkennen, dass die Völker uns noch nicht als die schöpferische Kraft dieser Ideen anerkannt haben; und bis zu der Zeit, wo wir von der ganzen zivilisierten Welt in die uns als Volk der Bibel gebührenden Ehren eingesetzt seien, d. h. bis zu der Zeit, wo die Bibel Eigentum der Zivilisation geworden sei, sei auch das