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Der jüdische Student · 1902-07-01 · Heft 4 (Juli 1902) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
1 (1902-1903)
Issue
Heft 4 (Juli 1902)
Date
1902-07-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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60. No. 4. Die Kneipen und offiziellen Abende waren gut besucht, und bewiesen das gute Einvernehmen zwischen den Vereinsbrüdern. Die Verbindung geriet in diesem Semester dadurch in eine prekäre Lage, dass es nicht gelang, neue Füchse zu bekommen. Dies lag besonders daran, dass eine starke Gegenströmung sich unter den jüdischen Studenten merkbar machte und ausserdem vor allem daran, dass sehr wenig junge Semester immatrikuliert wurden, da im Elsass die Maturitätsprüfungen im Herbst stattfinden. Aber man kam in diesem Semester zur Einsicht, dass nur der Anschluss an einen Verein oder Verband für das Fortbestehen des A.J.V. die nötige Garantie böte, welcher Tendenzen gleich den unseren verfolge. Es kann daher nur der V.J.St. in Frage kommen. Auf einem der letzten Konvente wurde ein diesbezüglicher Antrag gestellt und auch angenommen. Die Aussichten für das kommende Wintersemester sollen sehr gut sein und sich jetzt schon Füchse gemeldet haben. Ich möchte daher an alle V.J.St.-er, denen der Ort ihres Studiums im Wintersemester gleichgiltig ist, die dringende Bitte richten, zur Grüns dung eines V.J.St. nach hier zu kommen. Eigentlich sollte es meiner Bitte hierzu nicht bedürfen; denn es ist unsere unbedingte Pflicht, dorthin zu eilen, wo es gilt, für unsere Tendenzen einzutreten und sie in die Herzen jüdischer junger Männer einzupflanzen. — Es ist aber noch nicht einmal ein Opfer, da^s ich von Euch verlange. Denn die wunderschöne Stadt bietet ausser dem Reiz, den die herrliche Umgebung Strassburgs (Schwarzwald und Vogesen) in sich birgt, alle Annehmlichkeiten im Studium. Ich bin immer zu jeder Auskunft bereit und würde mich freuen, im kommenden Semester recht viele Vereinsbrüder hier begrüssen zu können. Max Pohl, Ingenieur in Strassburg. te^fe^ Von Hochschulen und Universitäten. Berlin. Am schwarzen Brett der Berliner Universität ist folgendes zu lesen: Der Herr Unterrichtsminister hat bestimmt, dass die Reifezeugnis.se der russischen Mädchengymnasien für den Besuch der Universität in Zukunft nicht mehr als genügend anzusehen sind, auch dann nicht, wenn die mit einem solchen Zeugnis Versehenen die Ergänzungsklasse durchgemacht und den Rang einer Erzieherin erhalten oder die Ergänzungsprüfung im Lateinischen bestanden haben. Auch die fernere Gewährung von Hospitantenscheinen an die bereits auf Grund solcher Zeugnisse zugelassenen Frauen darf nur in ganz besonderen Fällen erfolgen. 10. Juli er. Kekule v. Stradonitz. Dass diese Massnahme in erster Linie und fast ausschliesslich Jüdinnen trifft, braucht dem nicht gesagt zu werden, der die Verhältnisse an der Berliner" Universität einigermassen kennt. Die Logik dieser Verfügung ist: Weil in Russland die Juden nicht zum Studium zugelassen werden, müssen die deutschen Universitäten den russischen Juden möglichst viel Schwierigkeiten beim Studium in den Weg legen. In Wien gründeten jüdische Akademiker eine „Vereinigung jüdischer Hochschüler aus den südslavischen Ländern" unter dem Namen „Bar-Giora", um den jüdisch-nationalen Gedanken in den südslavischen Ländern, vornehmlich in Kroatien und Bosnien, zu fördern. Am 29. Juni wurde in Agram ein akademischer Verein mit den gleichen Zielen gegründet.

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