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Der jüdische Student · 1902-07-01 · Heft 4 (Juli 1902) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
1 (1902-1903)
Issue
Heft 4 (Juli 1902)
Date
1902-07-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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56. No. 4. Katechismus der Judenfrage. 3. Soll man denn dem Judentum eine Zukunft wünschen? Wenn andere Völker ihre Existenz in jeder Weise verteidigt haben, so haben sie nicht erst nach der Berechtigung ihrer Fortexistenz gefragt, sondern sie haben erst einmal gekämpft. Aber wenn auch sonst die Berechtigung zur Fortexistenz nicht erst erwiesen zu werden braucht, so soll doch die Frage der Existenzberechtigung des Judentums nicht einfach bejaht werden, ohne untersucht zu sein. Im allgemeinen liegt das Recht, als Individuum zu existieren, in der Tatsache der Existenz allein. Denn alles, was existiert, hat das Recht zu sein. Aber es giebt doch ein gewisses Etwas, das noch viel mehr wert ist., als nur das Leben. Es giebt Menschen und Völker, die nicht nur durch ihre Zahl zur Menschheit beigetragen haben. Ein Goethe oder ein Spinoza, ein Lessing und ein Mendelssohn waren unendlich viel mehr wert als viele ungezählte Menschen, die nichts zum Fortschritt und allgemeinen Besten beigetragen haben. Ebenso giebt es auch Unterschiede unter den Nationen, ohne dass damit gesagt sein soll, dass es von Hause aus Unterschiede unter den Menschenrassen geben müsste nach ihrer Bewertung; Wir kennen keine inferioren oder superioren Rassen. Nur die Art der Begabung ist verschieden, nicht ihre Grösse. Aber darum kann nicht geleugnet werden, dass beispielsweise das rumänische Volk für die Kulturgeschichte von gar keiner Bedeutung ist, und dass die Menschheit diesem Volke nichts zu verdanken hat. Dagegen hat das winzige Athen, oder allgemeiner gesagt, das auch recht kleine Griechentum, die ganze ästhetische Kultur geschaffen, die unser Leben verschönt. Ohne die rumänische Nation würde die Menschheit nichts entbehren, ohne Hellenentum aber unendlich viel. Die moderne Kultur nun, deren Früchte wir geniessen, besteht aus der ästhetischen und der ungleich wichtigeren ethischen Kultur. Verdanken wir den Athenern, den Griechen die Kunst und die Schönheit, so beruht alle ethische Kultur der europäischen Welt auf dem, was die Hebräer in ihrem Vaterlande geschaffen haben. Denn wenn wir alles Uebernatürliche ausscheiden, so bleibt doch die Geistestat des Judentums übrig, das die Bibel und ihre Geisteswelt geschaffen hat. Denn die ethische Kultur, die in der Bibel niedergelegt ist, und die als Grundlage für jede sittliche Weltordnung dient, ist von den Hebräern geschaffen worden und ist nichts anderes als eben die Kultur der Israeliten. Die Hebräer waren die ersten und die einzigen, die aus sich heraus, ohne fremde Einflüsse, eine soziale Fürsorge schufen, und die einzigen, die einen sozialen Staat hatten. Das Gesetz, das Mose den Juden gegeben, ist das einzige nationale Gesetz, das für den Armen ebenso sorgt, wie für den Mächtigen, wenn es auch sich nicht genötigt sah, das Eigentum abzuschaffen. Und wenn heute die moderne Kulturwelt stolz darauf ist, dass sie christliche Gedanken der ganzen Welt übermittelt, so muss man nicht vergessen, dass das Christentum eine Schöpfung der jüdischen Nation ist. Auch der Islam enthält nichts in seiner Moral, das er nicht der jüdischen Kultur bewusst entlehnt hätte. Gewiss haben Kong-Fut-Se und Buddha ihre eigene ethische Welt unabhängig vom Judentum geschaffen, und wir erkennen gern die gewaltig grosse Bedeutung der Süd- und ostasiatischen ethischen Kultur an. Aber in der europäisch-christlichen und islamischen Welt ist alles Ethisch-Kulturelle geistiges Eigentum des

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